Wir haben Oktober…

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Wir haben Oktober. Im Oktober da hab ich Geburtstag und nicht nur ich, nein auch meine Schwester, sogar am selben Tag, nein wir sind keine Zwillinge und ja meine Eltern haben ein Händchen für schlechtes Timing.
Wir haben Oktober, einen goldenen Oktober. Die Sonne scheint ganz warm , manchmal brauch ich nicht mal eine Jacke, manchmal wärmen mich nur ihre Strahlen oder ein Gedanke an dich. Doch langsam wird’s kühl und ich spür die Kälte reinkriechen durch die Weste, bis rauf zum Schal der mich beim Radfahren mal wieder halb stranguliert oder den ich mir, ich stelle es mir immer in Zeitlupe vor, extrem lässig über die Schulter werfe – beim Radfahren versteht sich.
Wir haben Oktober und die Uni hat wieder angefangen. Ja und auch die Seminare, und weil grundsätzlich jeder Professor glaubt man macht eh nur sein Seminar und sonst kein anderes darfst du jede verdammte Woche 5000 Seiten lesen, ja ich weiß wir haben eig erst die zweite Woche und ja vl bin ich noch ein bisschen faul.
Wir haben Oktober und wiegesagt es wird kalt und man trägt wieder lange Hosen und manche Mädels seufzen vielleicht erleichtert und freuen sich, dass sie nun endlich wieder ihren Urwald auf ihren Beinen züchten können, außer sie gehen Kickboxen so wie ich und stehen allgemein nicht so auf Urwald, ich hab ja auch Angst vor Schmetterlingen und so Viechens mit Flügeln, nein ich spreche nicht von Vögeln.
Wir haben Oktober und auch meine Freundinnen sind noch diesselben und vielleicht lässt uns das trübe Wetter nachdenklicher werden oder auch irrer, aber sie stellen Fragen – über das Leben, über Dinge die man so tut. Blowjobs zum Beispiel oder eine andere erzählt von körperlichen Befindlichkeiten die sie bei einer Abgabe fast ihrem Professor mitgeschickt hätte. Ja es klingt vl a bissi grauslich aber auch im Oktober erzählen sich Mädels jeden Scheiß.
Wir haben Oktober und eine Freundin will in ein Hamam gehen. Hamam kenn ich nur mehr von X-Jam, da waren aber nur alle besoffen und haben sich gegenseitig mit großen Scheffeln warmes und irgendwann kaltes Wasser über den Schädel geleert – und irgendwann dann auch über die Stereoanlage und dann war die Party vorbei.
Wir haben Oktober und ich hab mir zur Ablenkung einen Guide für Wien gekauft – es geht hauptsächlich um coole Essens- und Feierlocations – ich lese nämlich gern wo man in entspannter Atmosphäre im Beisein selbst ernannter C-Promis Avocado Toast schmaust und Chia-Samen-Drinks schlürft wenn ich weiß, dass ich es mir nicht leisten kann dorthin zu gehen weil ich mein ganzes verdammtes Geld in Schminke investiere – aber ich schau mir auch unglaublich gern die Bilder in Kochbüchern an – in dem Wissen vielleicht 1/16 davon nachzukochen.
Wir haben Oktober und der Kurz Basti glotzt von allen Seiten daher. Wenns extra schön sein soll kommt auch noch da Sobotka dazu oder gleich der Strache – dann is mein Tag eigentlich ziemlich perfekt. Aber schön wenn sie sich alle in privater Atmosphäre menschlich näherkommen. Ja Nähe ist gut, außer man hats selbst grad nicht.
Wir haben Oktober und von einer Freundin ein mymüsli Herbst Müsli bekommen. Ich habe absichtlich kein –Ich- eingefügt, denn manchmal denke ich wohl ich bin die letzte verlorene Monarchin Österreichs. Auf jeden Fall sind in dem Frühstücksmüsli voll viele verschiedene Dinkel, Amaranth, Hafer & whatever Flockens drin die alle ziemlich satt machen – jetzt halt ich an der Uni immerhin bis um 10 durch bis es Zeit für den nächsten Snack wird.
Wir haben Oktober und ich kauf wieder jeden zweiten Tag Kürbis. Kürbis is ziemlich leiwand weil den kann man in jeder Variation essen, im Notfall stellst ihn halt vor die Tür und tuast a Kerzerl rein. A Kürbis is immer a safe gschicht.
Es ist Oktober und ich sollt eigentlich mehr schlafen, weil der Schlaf vor Mitternacht ist mega wichtig damit sich die Hautzellen gut regenerieren können, vor allem wenn dir jetzt im Herbst die Sonne nicht mehr mit tausend Grad ins Gsicht brackt. Wenn dein Gesicht aber aus Prinzip jeden Morgen ausschaut wie ein verwutzelter Waschlappen bringt dein ganzer Vormitternachtsschlaf aber auch nix.
Wir haben Oktober und ich hör schon auf zu sudern. Oktober ist ja eigentlich ganz schön – so vong Stimmung her, den Farben, Nebel und fliegenden Blättern und Kastanientiere und so, du weißt schon.

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Arbeitstagebuch einer mittellosen Studentin

Mit Menschen arbeiten – hab ich schon öfters gemacht, egal ob im Café, Restaurant oder beim Schokoladeverteilen bei Peek&Cloppenburg – würde ich auch gern in Zukunft machen, denn ich studiere immerhin auf Lehramt und bin ihnen so zwangsläufig irgendwann tagtäglich ausgeliefert. Beim Arbeiten mit Menschen ergeben sich einfach die lustigsten, aber auch teilweise nicht so schönen Momente und Geschichten die man immer wieder gerne erzählt. Bleibende Schäden behaupte ich, habe ich von meinen Tagen bei der Post und beim Flyern nicht davongetragen, schlussendlich haben sie mich aber doch in die Knie gezwungen.. warum das so war, lest ihr im heutigen Blogpost.

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Ein Moment

Ich mach den Schritt über die Klippe – bis ich endlich wieder sehen kann.
vorbei an den Feldern die sich goldgelb erstrecken im Tiefland,
vorbei an türkisfarbenen Wasser das getaucht wird in eiskaltes Licht,
vorbei an einer violetten Wiese die Wellen schlägt im Rhythmus der Gezeiten und bricht

Und so setz ich mich und greif nach den Halmen jener Landschaft die nur für Filme gemacht zu sein scheint – ihr kennt sie bestimmt jene Aufnahmen bei denen jeder Rosamunde Pilcher Fan weint. Und da ist er. Der Moment, ganz für mich allein. Einmal nicht teilen, nicht in die Welt hinausschreien, nur meine Sinne auspacken und ihnen erlauben frei zu sein.

Ich mach die Augen zu, damit ich mal hören kann.
Das Rauschen des Meeres, das Pfeifen des Windes.
-war das grad das Muhen eines schottischen Hochlandrindes?
Ich schalt meinen Kopf ab, damit ich mal fühlen kann
-raus aus den Schuhen damit ich mal spüren kann ob er wirklich so grob ist der Sand und die Oberflächen der steinernen Platten, geformt von wilden Wassern im Spiel der Epochen.

Meine Finger gleiten durchs Gras, die Zeilen wärmen mein Gesicht, im ständigen Wechsel von Licht und Schatten.
Den Need nun ein Foto zu machen, fühl ich eben nicht,
-denn da ist er, der Moment, für mich ganz allein – an ihn halt ich mich – halt mich fest an dem Halm, zieh die Luft nochmal ein,
doch muss trotzig erkennen, dass die Welt sich nicht einfach anhalten lässt.

Und so steh ich auf – und lass ihn gehen den Moment
– muss ihn nicht teilen, nicht in die Welt hinausschreien,
und das macht ihn besonders, denn nun ist er MEIN.

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Eine letzte Rückbank-Erinnerung aus Schottland – mit Bologna Bild 😉

Wolken im Kopf

IMG_3680.JPGFür eine Freundin

Wir gehen rauf auf den Berg
blicken rüber zum Strand,
die Hand geb ich dir nicht,
eher seh ich dich an.
Das Haar so lang, fast ein wenig blond, dein Blick leicht verloren
– Stunden im Flugzeug, das alles
für mich, und dennoch…
Die Fehler suchst du bei dir anstatt zu schauen und zu sehen, dass ich es bin der die Dinge verkompliziert und probiert alles schwerer zu machen als es tatsächlich ist- denn darin bin ich gut.
Rauf zum Himmel ists blau und ich sag “schau doch genau” – wie sie fliegen die Vögel und gleiten im Wind- so möcht ich sein und so
will ich ihn gehen meinen Weg, will nicht im Weg stehen, nicht zu weit gehen, am liebsten alles verstehen und mich selbst und die Dinge von oben sehen.
Und mein Blick – er bleibt hängen an dir, und ich kann mich sehen in deinen Augen, zum allerersten Mal – ach könnt ich nur ein klein bisschen so sein wie du.

Doch spür ich sie kommen,
und sie trüben die Sicht,
ignorieren alle Klarheit,
Lichter brauchen sie nicht.
Ich hab Wolken im Kopf,
die sonst keiner sieht,
und so gibt’s keinen Schalter, keinen Knopf, kein Hochdruckgebiet oder ein Wunder das einfach geschieht – sondern nur deine Hand die du mir wieder und wieder herstreckst, doch ich nehm sie nicht an.
Und mein Blick – er bleibt hängen an dir.
Ich hab Wolken im Kopf und das ist wohl der Grund warum ichs einfach nicht kapier, was es heißt loszulassen und Platz zu schaffen,
Für dich
Für uns
Ein Wir.

 

Haus, Kinder, Hund …

Du sagst du willst ein Haus, Kinder, vielleicht einen Hund
Du blickst mich fragend an – „Und du ?“ –
„Ich weiß nicht“ – hab keinen Plan, ja und ?
Fragen die im Raum stehen – mit 21, ich dreh mich um.. muss ich mir über sowas wirklich schon Gedanken machen ?

Was fang ich an – mit dem angerissenen Stück Leben?
Ewig treiben lassen, ‚Mal-schauen-Mentalität’ trifft auf immer weniger Anklang
Bachelor, Master – was dann? Ach, schauen wir uns doch mal die anderen an
Eltern schütteln den Kopf, Freundin träumt schon von Hochzeit – „Wart nur ab, auch bei dir ists mal soweit“. Mein Herz krampft sich zusammen, setzt einen Augenblick aus – ich blicke in den Spiegel – Will ich das auch ?
„Das ist meine Kleine, die Bella – ach ja und nächste Woche feier ich meinen 23. – hast du Zeit?“ – Ich hör nur halb zu, 23 und Mama, achja ist schon das Zweite, wie schön – ich schau lieber mal ob ich meinen letzten Zug noch erreiche.

Dieses Fehlen an Überlegungen, das passt nicht zu dir – oder ist es gerade das?
Am See liegen, das Wasser unter den Füßen vorbeiziehen sehen, abends im Zimmer Nachtfalter fangen, dir das Wasser reichen – einmal tief durchatmen.
Ist es das was wir meinen wenn wir uns so sehr auf „nicht das Ziel sondern die Reise Gebrabbel“ versteifen ?

„Wenn du mal keine Familie willst – was willst du dann?“
Hm, „Ich weiß nicht“ – hab keinen Plan, ja und ?
Aus der Windel, erste Blicke, uns verlieben, „Willst du meine ….“ – ach hör schon auf, das kann doch nicht alles gewesen sein! – Wo wartet sie – die Erfüllung, die Antworten auf all meine Fragen, bedingungslose Zufriedenheit nach der wir uns so bitterlich sehnen ?
Und mit all diesem Nachdenken nehm ich mir wohl die Möglichkeit es selbst zu erleben.

Und so mach ich mir einen Zeitplan – 30 Minuten am Tag Nachdenken, das muss doch genug sein. Doch das Rad interessieren meine Pläne nicht und so dreht es sich unermüdlich weiter und weiter – und erst jetzt merke ich, dass es an mir liegt die Zweifel zu beseitigen, mich auf die Reise zu begeben, nach Antworten, nach der Liebe – zu suchen, sie zu leben und auch mal danebenzuliegen. Haus, Kinder und Hund – vielleicht mal, noch habe ich andere Prioritäten – Was ess ich zu Mittag -wo zur Hölle ist mein Pass und sollt ich mal checken ob ich meine Fahrkarte überhaupt mithab ?

Warum spricht man solche Fragen überhaupt an ? – Ich bin 21, woher soll ich wissen ob ich mir ein ganzes Leben mit dir vorstellen kann ? Andere können das, ich eben nicht und so stehen wir vor der Entscheidung ob wir jenen Fragen und deren vermeintlichen Antworten eine Bühne geben. Ich wollte mich nicht damit befassen, ich wollte chillen, die Hände vom Lenker nehmen, mich in den Süden zurückversetzt fühlen – durch das Zirpen der Grillen, den Ausblick genießen, Liegen auf den Terrassen dieser Welt und erfüllt sein vom Nichtfassen der Wege und Dinge die passieren und einfach mal akzeptieren, dass wir sind wie wir sind und alle Möglichkeiten haben und sie ergreifen können solange wir nicht daran zerbrechen sondern uns erlauben glücklich zu sein, unser Herz auf der Zunge zu tragen, uns die Hände zu reichen, Momente zu speichern und aufzuhören uns andauernd zu vergleichen. Das alles mit dir – oder auch nicht. Alleinesein war noch nie mein Problem – eher andersrum, aber das kennen wir ja.

Wir alle kommen an, irgendwann und vielleicht blicken wir dann zurück und realisieren wie lächerlich es war geplant so haben was nicht zu planen ist oder wir bedauern so ziellos gewesen zu sein..

Aber im Moment will ich den Ausblick genießen, die Augen schließen, und akzeptieren, dass ich bin wie ich bin – mit ganz viel Kopfzerbrechen.
Mein Plan reicht bis zum Bachelor, dann – na klar reisen, doch nicht weiter – schlussendlich macht das Planen das Leben nicht leichter.
Haus, Hund (ein Mops wär doch fein), Kinder – ihr wartet auf mich. Vielleicht werden wir uns sehen, vielleicht aber auch nicht.

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“Ich bin unrund” oder der “Post-Erasmus Blues”

Irgendwie hat man das Heimkommen immer vor Augen, das Abreisedatum, der 2. Juli ist immer so über mir geschwebt, zu gerne habe ich verdrängt, dass es irgendwann, zu bald, wieder Richtung Heimat geht. Die Heimat – Segen und Fluch zugleich. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart. Natürlich hab ich mich gefreut meine Freunde wiederzusehen, die Berge, die Seen, das Essen, meine Familie – all das wiederzuhaben, meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können, aber was man zurücklässt ist dann doch einiges. Und dann diese Angst – ich weiß zwar, dass ich mich in der Zeit im Ausland verändert habe, die Veränderung sehen aber dann die Daheimgebliebenen eher als man selbst. – Angst mehr oder weniger vor mir selbst – vor dem Ich, dieser Version seiner Selbst – vor dem Erasmusaufenthalt. Ich weiß, dass mancher vermutlich sagen wird: “Mach ma halblang, du warst fünf Monate in Italien und langsam is auch wieder gut.” Aber so einfach ist das nicht – in dieser Zeit verändert man sich – wenn man nach Hause kommt schlüpft man nicht wieder einfach in seine alte Haut zurück – vor allem wenn man genug Pasta und Pizza intus hat, kommt man da schlichtweg nicht mehr rein. Und dann hatte ich Angst genau davor – wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen, wieder alten Problemen und Sorgen zu begegnen. Doch ich hab beschlossen mich meinen Ängsten zu stellen – ich war schon an Orten mit denen ich sehr viel verbinde, sowohl positive als auch negative Erinnerungen – Erinnerungen die mir Gänsehaut verpassen und mich die Luft anhalten lassen- und es ist gut gegangen. Einmal tief durchatmen und weiter gehts. Was ich in diesen Momenten, an diesen Orten gefühlt habe war eher Leere – ich dachte, dass mich Wellen an Emotionen aus dem Gleichgewicht bringen würden doch dem war nicht so. Was passiert ist, ist nunmal passiert – vielleicht bin ich endlich soweit weiterzugehen und abzuschließen. Im Zuge dieses Beitrags blicke ich zwar nochmals zurück, aber allzu oft werde ich mich dem nicht mehr widmen – jetzt bin ich eher am heulen weil ich einer der großartigsten Städte in denen ich je Zeit verbringen durfte zurücklassen habe und wieder zu Hause bin. Neue, wunderschöne Erinnerungen haben die alten, wegen denen ich mich oft elendig gefühlt habe, verdrängt und den guten die ich bereits hatte und dazugewonnen habe, Platz gemacht. Lange halte ich es daheim nicht aus. In der Arbeit bin ich von 7-16:00 – eine Arbeit bei der sich gefühlt mein Hirn zersetzt – würde ich nicht mit meinen jüngeren MitarbeiterInnen und ebenfalls Ferialpraktikantinnen quatschen und herumblödeln, wäre ich wohl schon durchgedreht. In der Arbeit komme ich nicht mal zum Nachdenken, irgendwie gelingt es mir im Moment generell nicht gut meine Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu richten. Parallel schreibe ich an diesem Beitrag, sowie an einem anderen in dem ich meine Lieblingsorte in Bologna präsentiere. 10 Minuten mache ich mein Sportprogramm, dann latsche ich wieder zum Kühlschrank, im nächsten Moment sitze ich auf der obersten Stufe des Pools und observiere Insekten die sich scheinbar mit Selbstmordgedanken am Beckenrand tummeln. Abends auf der Couch observiert mich meine Mutter und kneift die Augen zusammen. Ich keife los „Was ist denn?“ – „Du bist unrund…“ merkt sie an und schüttelt kaum sichtbar den Kopf. „Das alles stiehlt meinen Spirit“ grummle ich nur und ich vergrabe mein Gesicht im Polster. Schon wenn ich dies schreibe habe ich einen Kloß im Hals und wiegesagt, ich weiß, ich übertreibe ein wenig – Aber ich gebe mich grad einfach gerne diesem Sog hin der mich am Boden hält – dem Erasmus Blues. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Pubertäts-Remake – daheim fühle ich mich unverstanden und ich will die ganze Zeit nur raus, on the road, den Wind wieder in den Haaren spüren, die Meeresluft atmen und das Salz auf den Lippen schmecken. Meinen verbrannten Poppes im Spiegel betrachten, billige Pizza essen und meine Finger durchs verdörrte Gras gleiten lassen. Erst eine Woche da und ich bin schon wieder urlaubsreif. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Ich hab hier absolut alles was ich brauche – aber hier geht es nicht um Materielles. Ich fühle mich als wäre mein Horizont wieder näher an mich herangerückt und mit allen Mitteln will ich ihn von mir wegstoßen, den Himmel öffnen – alles von oben sehen. Hier in St. Pölten ist es nicht so leicht einen guten Hügel zu finden von dem ich einen Blick über die Stadt habe – für mich hat sich das Besteigen der Bologneser Hügel, einer der Torri oder auch das Hinaufgehen auf die Krankenhausterrasse immer angefühlt wie ein erlösendes Ausatmen. Wenn sich einfach alles anstaut, waren dies die Orte wo ich loslassen, die Augen schließen und einfach mal atmen konnte.

Himmel

Auch hier kommt in diesen Tagen einfach viel zusammen : Arbeiten, allen wieder Hallo sagen, Wohnungen besichtigen, vl bald in die Selbständigkeit starten… ich bin wieder in der Realität angekommen – eindeutig – spätestens dann, als ich mit einem leichten Druck mit dem Zeigefinger wieder zum ersten Mal den Induktionsherd betätigt habe und ein klägliches Geräusch von mir gab. Meine Schwester verdrehte bei dieser Aktion nur die Augen, drängte sich an mir vorbei und meinte „Get over it“. Theatralisch verkündigte ich auch beim gestrigen Grillen mein “1 Week at home anniversary” und erntete ein … „Jetzt gib an Frieden und iss“, in der Innenstadt lasse ich mich nur ungern vom italienischen Eisverkäufer wegziehen und meine Tennisladies seufzen nur hörbar als ich ihn irgendwie versuche in ein Gespräch zu verwickeln. Ich merke – Verständnis für meine Zustände fehlt eindeutig, aber es sind die kleinen Dinge die mir schließlich helfen. Die eine Freundin die mir für den nächsten Tag am Handy eine Veranstaltung mit dem Namen „Ich hab dich lieb ❤ „ einspeichert, die andere die einfach 2h mit mir im Pool hängt oder die, die dank einem mehrstündigen Telefonat Sizilienfeeling bei mir aufkommen lässt, Sprachnachrichten meiner italienischen Mitbewohnerinnen, beim Inlineskaten einfach mal laut lossingen obwohl da Leute stehen ( „I’m in loooooooove with your boooodyyyy – ah Grüßgott ..“) am See liegen und mich nach oben starrend in den Wolkenformationen verlieren…

Wiegesagt – der Erasmusblues gehört zur Erasmusexperience wohl einfach dazu und möglicherweise ist es gar nicht so schlecht meine Schwester beim Wort zu nehmen, denn ein Rezept für die Bekämpfung dieses Zustandes gibt es nicht – I’ll get over it – (mit ein bissi Sudern und ganz ganz viel <InschönenErinnerungenschwelgen> mit Riesenvorfreude auf neue).

Was ich auf Erasmus gelernt habe…

Mein Erasmussemester ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber das Ende rückt mit Riesenschritten näher, sodass es für mich langsam an der Zeit ist Bilanz zu ziehen. Gelernt habe ich viel während der letzten Monate – in diesem Post konzentriere ich mich auf zwei Aspekte bei welchen die Italiener Experten sind: Essen und Glücklichsein 😉

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  1. Den Umgang mit italienischem Essen

Beim Essen gibt es echt soooo brutal viele Unterschiede zwischen Österreich und Italien, dass ich mich in diesem Fall auf Pasta und Süßspeisen beschränke. In Italien ist Pasta heilig – Pasta wirfst du nicht in einen Topf mit kaltem Wasser und drehst dann den Herd auf– so schnell kannst du gar nicht schauen ist dir der holy-pasta-god nicht mehr wohlwollend gestimmt. Nein ernsthaft: Willst du es dir nicht mit deinen italienischen Freunden verscherzen behandelst du Pasta mit Respekt. Wenn du sagst, dass du beim Nudelessen gerne einen Löffel verwendest lachen sie dich aus weil du offensichtlich unfähig bist. Wenn du Nudeln länger als auf der Packung angeben kochst lachen sie dich aus weil du unfähig und noch dazu „schifo“ – widerlich bist. Solltest du es wagen 2 Nudelsorten zu mischen weil sich die eine Penne – Packung dem Ende zuneigt und du irgendwie auch Guster auf die Farfalle hast, wirst du im besten Falle ausgelacht, weil, ja richtig – du unfähig bist. In meinem Fall hat meine Mitbewohnerin nur gekeucht und gefragt :“Was zur Hölle machst du da – die haben unterschiedliche Kochzeiten“ – ach ja, ich dachte immer Italiener bekommen die Fähigkeit Nudeln ‘Al dente’ zu kochen mit der Muttermilch. Außerdem sollte man es ja nicht wagen seine Nudeln nach dem Anrichten auf dem Teller zu salzen. Bist du des Wahnsinns ?! – hast du denn nicht dein Kochwasser gesalzen, reicht das denn nicht ? Alessandra meinte sogar, dass sie diesen Gewaltakt persönlich nehmen würde und ich fürchtete kurzzeitig um meinen Mietvertrag. Ich glaube aber, dass bei Italienern ein allgemeines Misstrauen vorherrscht wenn es um Ausländer und deren Weise Nudeln zu kochen geht. Als Alessandras Eltern aus Kalabrien zu Besuch waren und sahen wie ich Pasta ins kochende Wasser warf legte ihr mein Papa nur die Hand auf die Schulter und sagte „Iss lieber mit uns“. Understatement für – du bist unfähig.

Weiter geht’s mit den Süßspeisen. Ich liebe es in die zahlreichen Pasticcerias in Bologna zu gehen – hier gibt es alles was mein Herz begehrt. Cornetto (Croissant) mit Pistazien, Nuss, Schoki, Vanille etc. – Creme und vieles vieles mehr. JA – auch Zimtschnecken habe ich schlussendlich gefunden. Wenn es aber ums richtige Backen geht, habe ich gelernt , dass in diesem Fall ICH ihnen Unfähigkeit unterstellen darf. Gestern habe ich es ernsthaft gewagt nach einem Mixer zu fragen – was soll das bitte sein? Auch im Supermarkt habe ich eine halbe Stunde nach dem Backzutatenregal suchen müssen – welches es dann aber nicht gab. Schließlich habe ich es aber trotzdem zustandegebracht eine Torte zu backen und gleichzeitig meinen Bizeps zu trainieren. Der Kuchen wurde dann an Mitbewohnerinne, Freunde und Nachbarn verteilt und ordentlich gefeiert. Mein Nachbar meinte sogar : „Vorher mochte ich dich , aber jetzt, jetzt lieb ich dich“. und Michela attestierte mir Heiratsfähigkeit „Sei proprio da sposare!“

   2. Glücklichsein

Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch der gerne, leicht und viel lacht. Als meine Freundin Hannah zuletzt gegen eine Mauer der Portici gelaufen ist, musste ich mich sogar mitten auf der Straße hinsetzen um vor Lachen nicht zu ersticken. Hier muss auch dazugesagt werden, dass meine Ur-Ur-Oma laut Familienlegende nach einem Besuch eines Rummelplatzes ins Krankenhaus eingeliefert wurde und eine Spritze bekam weil sie nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Soweit so gut. Jeder mich aber gut kennt, weiß auch, dass ich extrem gerne herumsuder, die Fähigkeit habe alles schlechtzureden und alles zu zerdenken. Soll heißen: Ich steh mir unglaublich oft selbst im Weg, fresse viel in mich rein und sage nicht was ich mir denke. In den letzten Monaten habe ich erst gemerkt, wie sehr das eigene Verhalten und die eigene Stimmung auf die der anderen abfärben kann. Als ich wegen einer Geschichte zu Hause ziemlich down war hab ichs geschafft die Stimmung der ganzen Gruppe in den Keller zu bringen, musste mich dann echt mal zusammenreißen, mich entschuldigen und erklären was eigentlich los war. Auch meine Mitbewohnerin Alessandra hat mir bei einem langen Spaziergang erklärt, dass sie mit sich selbst viel mehr im Reinen ist, seitdem sie geradeaus sagt was sie stört und es ihr nicht gut mit etwas geht. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung. Nach einem schön verbrachten Tag, einem gemeinsamen Abend oder nur nach einem kurzen Hallo auf der Straße zu hören :“ Es ist schön dich zu sehen!“, „Heut war es wieder so schön mit euch!“ – „Ich bin so froh, dass ich euch habe und das mit euch teilen kann!“ (Schnulzigkeit : Off) macht einfach so so viel aus. Solche Sätze zaubern einfach ein Lächeln auf die Lippen und versüßen einem den Tag. Glücklichen Menschen sieht man an, dass sie glücklich sind. Wer zufrieden ist mit sich und dem was er tut strahlt dies auch aus und dieses Strahlen hat meist eine gute Reichweite. Nicht nur hier in Italien sondern auch während meiner Zeit im Studentenheim habe ich bereits gelernt mehr Komplimente zu machen, anderen zu ihren Arbeiten zu gratulieren und das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Auch wenn ich es in mir drin längst weiß, hier in Bologna habe ich es aber erst wieder geschafft mir dies zu verdeutlichen. Was bringt es mir mich über etwas aufzuregen, dass ich im Moment einfach nicht ändern kann? Was bringt es mir neidisch auf den Besitz anderer zu sein? Wer sich ständig mit anderen vergleicht kann doch nie nie nie glücklich sein! Wenn ich höre, dass andere zur Matura ein Auto bekommen oder wieder andere eine tolle Reise auf einen anderen Kontinenten geschenkt bekommen, dann ist das eben so aber macht mich nicht minderwertiger. Nur weil du auf einem aufblasbaren Einhorn mit einem Pina Colada in der Hand in einem Pool entspannst heißt das nicht dass du zufriedener bist 😉 Begonnen über das Glücklichsein nachzudenken habe ich erst letzte Woche als Alessandra beim Abgeben der Post völlig unvermittelt mit der zuerst grantigen Postangestellten zu witzeln begann und mir dann auf dem Nachhauseweg einfach ein Armband schenkte Als ich sie fragte womit ich das denn verdient hätte, meinte sie nur : “Einfach so- weil ich dich mag.” Danach erzählte sie mir, dass sie die Menschen in Italien allgemein als „più solari“ – also als sonniger und damit offener und positiver wahrnimmt als beispielsweise in Deutschland. „Ihr seid manchmal so unnahbar“ beschwerte sie sich. Irgendwo hat sie Recht: Es klingt komisch aber hier greift man sich z.B viel mehr an. Jedes Mal wenn eine vom Wochenende Zuhause in die Wohnung zurückkehrte wurde sie mit viel Trara empfangen und abgebusselt. Dasselbe beim Abschied, vor jeder Prüfung oder einfach so. Manchmal sitze ich im Zimmer, dann spaziert Ale vorbei, gibt mir einen Schmatzer auf den Kopf und fragt wie mein Tag war. Man grüßt sich mit „Ciao bella“ und Kosenamen wie „Pulcino“ oder „Topino“ stehen an der Tagesordnung. Und das ist genauso das, was ich so gerne mit nach Österreich nehmen würde. Eine positivere Grundeinstellung und mehr Sonne im Herzen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass man so viel Negativität wie möglich aus seinem Leben streichen sollte. Jeder kennt sie nur zu gut und wird sie dennoch nicht immer los : Energiefresser. Menschen, Dinge, Angewohnheiten die dich unglücklich machen, dich stressen – deine Energie rauben. Inzwischen weiß ich, dass ich so viele tolle Menschen und Dinge, die jeden Tag bereichern und von denen ich viel lernen kann, in meinem Leben hatte, und dazugewonnen habe, sodass ich so manches weglassen kann. In Zukunft will ich aufmerksamer im Bezug auf meine Mitmenschen, wacher und glücklicher durchs leben latschen und nicht mehr so viel sudern. Seitdem ich mir auch regelmäßig vor Augen führe wofür ich dankbar sein kann und, dass nichts Gutes das mir widerfährt selbstverständlich ist, merke ich, dass ich zufriedener bin. Das Verlassen meiner Comfort Zone hat mir geholfen offener zu sein für Neues und mehr Platz für Glücksmomente zu schaffen.

Die wichtigste Quelle des Glücklichseins bleibt jedoch die der Freundschaft – dazu gehört vor allem auch andere glücklich zu machen (und sich zurückzuziehen wenn man andere unglücklich macht). So kann ich Eleonora nur recht geben wenn sie sagt: “Lächle einfach – es kostet nichts.“

Meine Freundinnen haben an Punkten noch hinzugefügt:

  1. – alleine sein
  2. – spontaner sein
  3. – die Heimat zu schätzen weil…
  • einem da nicht jedes Monat das Rad geklaut wird
  • das Wasser aus der Leitung bombe schmeckt
  • jeder versteht was mit „Knödel“ gemeint ist
  • Topfen, Schnitzel, Kasnudeln, Germknödel,….
  1. – den Besitz von Erfahrungen über den von Dingen zu stellen
  2. – ebenfalls: dankbarer sein
  3. mehr Komplimente machen
  4. mehr auf sich selbst zu hören und den Dingen die einem gut tun mehr Zeit einräumen
  5. besser zuhören
  6. bewusster leben
  7. mehr Sonnenuntergänge ansehen
  8. öfter bis zum Sonnenaufgang ausbleiben
  9. mehr spazieren gehen
  10. weniger stundenlanges Serienschauen
  11. mehr rausgehen
  12. mehr Schokocroissants essen
  13. weniger Salat essen
  14. weniger drauf geben was andere sagen
  15. mehr in der Natur laufen gehen
  16. weniger sinnloses Gewichtestemmen im Fitti
  17. mehr reisen
  18. weniger sparen
  19. weniger auf später verschieben
  20. mehr machen – weniger denken
  21. mehr tanzen gehen
  22. mehr Bücher lesen
  23. mehr mit seinen Leuten machen
  24. mehr Leute kennenlernen
  25. weniger das Gefühl haben allein sein zu wollen
  26. mehr hosenfreie Zonen schaffen
  27. mehr Gespräche mit Freunden über die Liebe, Sex und das Leben
  28. weniger Fleisch essen
  29. mehr spontanes Welpenstreicheln
  30. mehr Vintageshopping
  31. noch viel mehr sinnlos lachen
  32. mehr Umarmungen
  33. “Ich liebe das” – “Ich liebe dich” sagen

Vielen vielen Dank an dich Tesi für die vielen Punkte – hatte beim Durchlesen ein fettes Grinsen im Gesicht ❤

….

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Benvenuti al sud !

Im Süden Italiens war ich bis jetzt noch nie, mal abgesehen von einem Nachmittag den meine Familie und ich im Zuge einer Kreuzfahrt in Bari verbracht haben. Gemeinsam mit der Erasmusorganisation Erasmusland die alle paar Wochen Reisen oder Tagestrips in verschiedene italienische Städte oder ganze Regionen anbietet, haben wir es dann schließlich gewagt. Dadurch, dass dem „Napoli“ Trip schon ein gewisser Ruf vorauseilte wollten wir diesen natürlich nicht auslassen. Für zukünftige Bologna-Erasmusstudenten: Bei Erasmusland-(http://www.erasmusland.org/section/index.php?lang=us&section_id=Bologna) reserviert man online vor und zahlt dann entweder direkt im Büro in der Via Irnerio oder via Paypal oder Kreditkarte online.

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es im Doppelstockbus los Richtung Süden. In den neun Stunden Fahrt hab ich leider kein Auge zugetan aber dafür den wunderschönen Sonnenaufgang auf einer unglaublich idyllischen Raststätte in der Nähe von Rom beobachten dürfen. Während meine Freundinnen halbtot an der Scheibe klebten oder alle zehn Minuten mit dem Kopf auf den Tisch vor ihnen knallten machte ich mich mit dem geplanten Programm vertraut. 1 Tag auf der Insel Capri, 1 Tag Napoli, Vesuv Rundgang, die Stadt Sorrento und zum Abschluss Pompeij. Schon zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass nicht jeder fähig sein würde samstagmorgens den Vesuvio zu erklimmen …

Nach unserer Ankunft in Neapel, ging es straight vom Hafen rauf auf die Fähre. Da fiel ich dann in einen sofortigen, komatösen Schlaf – Danke Körper, dass das auch im Bus so gut funktioniert hat. Aber schon alleine das Einfahren in den Hafen von Capri war toll. Hier hatte ich nicht mehr das Gefühl in Italien zu sein. Mein erster Eindruck dieser Insel erinnerte mich eher an Griechenland – mit den vielen kleinen weißen Häuschen, engen Gassen, Zitronenbäumen und unglaublich vielen Blumen. Was macht man dann in der aufkommenden Mittagshitze am ehesten ? – Richtig: Wandern. Circa 2,5 Stunden „spazierten“ wir durch den inseleigenen Nationalpark und haben dafür aber wirklich traumhafte Ausblicke genossen. Als wir dann abgekämpft und hungrig an Chanel, Louis Vuitton, Valentino und Co. vorbeilatschten wurde mir klar worher Capri seinen Ruf als Luxusdestination hat. Hier trifft sich definitiv Reich und Schön und der kleine Maximilian Octavian kann im neuesten Capristyle sein erstes Granita in angemessener Manier genießen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch gings dann endlich Richtung Strand und rein ins kühle Nass. Türkisblaues Wasser, Gelato und … Qualle. War aber nur eine Babyqualle und erwischts hats Irini – sie lebt noch. Nach zwei Stunden in der Sonne brutzeln gings dann auf drei mittelgroße Boote, insgesamt waren wir eine Gruppe von gut 70 Leuten. Natürlich erwischten wir das Boot mit den meisten Spaniern – was für die Stimmung einfach nur Hammer is. Begleitet von Despacitos, wie eigentlich immer, gings laut grölend rund um die Insel. Vom Boot haben wir uns dann unter ständigem Gekreische ins Wasser gestürzt, getanzt und einfach die Sonne genossen. Auf Capri gibt es auch den sogenannten Liebesbogen, wenn man hier mit dem Boot drunter durchfährt soll man an die Person denken die man am liebsten küssen würde. Wenn man das Glück hat mit seinem Schätzelein unter dem Felsbogen durchzucruisen bringt das auf jeden Fall Glück für die Liebe.

Anschließend haben wir wunderschöne Grotten gesehen, in einer gab es zum Beispiel eine Gesteinsformation die einer Marienstatue ähnelt, und mit den Pensionisten von anderen Ausflugsschiffen gebondet. Gegen sechs Uhr abends gings dann wieder auf die Fähre, komatöser Schlaf wieder inklusive. Aufgewacht bin ich nur eine Millisekunde weil das ganze Boot aufgrund des starken Wellenganges zwei Mal hintereinander laut synchron seufzte. In Napoli wurden wir dann auf zwei Hostels aufgeteilt und kosteten deren schönen Seiten aus….wie… Gemeinschaftsduschen yey. Wenn circa 25 Mädels gleichzeitig heimkommen gibt’s da fix keinen Stress. Beim Inspizieren der Hochbetten war schnell klar: Hier herrscht akute Absturzgefahr und ich hatte förmlich die Stimme meiner Mutter im Ohr „Oben wird nicht geschlafen!!“. Irini aber ließ sich von unserem beginnenden Sudern nicht beirren, klopfte fröhlich ihre „Kissen“ auf und gab griechische Sprichwörter zum Besten „So wie du dein Bett machst, schläfst du auch!“ Mein Favourit ist und bleibt aber „Du isst gleich Holz“ – quasi : „Du kriegst glei ane am Deckl!“.

In Italien beginnt ja das Abendprogramm immer recht spät, im Süden aber beginnt alles RICHTIG spät. Erst gegen halb 10 waren wir Richtung Abendessen ins City Centre unterwegs, was darin resultierte, dass wir schon alle etwas hangry waren. Inzwischen kenn ich meine Mädels schon so gut, dass ich weiß dass man am besten gleich vorher entscheidet wo man hingeht um nicht zu riskieren, dass am Weg unschuldige Menschen Schaden nehmen. Danke nochmal an Lisa für den Restauranttipp, wir haben in dem Lokal Antica Pizzeria dell’Angelo in der Nähe der Piazza San Domenica wirklich unglaublich gute original neapolitanische Pizzen gegessen. Dass danach gefühlsmäßig wieder alles OK war, erkannte man wie immer am leicht dümmlichen Post-Food-Grinsen unsererseits. Im Anschluss gabs noch ein Eis und ein kleines Get-together auf der Piazza Domenica, doch dann sind wir, wie mein Bruder sagen würde, ziemlich schnell ins Bett einegstorben.

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Am nächsten Morgen starteten wir dann nach einem ziemlich unitalienischen Frühstück (Es gab Toast, Marmelade, Schinken, Käse etc.) in die neapolitanische Innenstadt. Geführt wurden wir von einem feschen Italiener der so manchen Mädels Schwierigkeiten bereitete sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Meine beiden Lieblingsaussagen seinerseits waren ja zum einen, dass der aragonesische Herrscher Alfonso der 1. „always problems with the poop“ hatte (Natürlich sprach er vom Papst aber die italienisch-englische Aussprache ist einfach göttlich) und zum anderen die Geschichte über einen König von Neapel der bekannt dafür war viel Zeit mit dem “gemeinen Volk” zu verbringen. Zu seiner Krönung erschien er zuerst gar nicht und wurde dann später spaghettiessend in einer Taverne aufgegabelt. Simpatico. Aber noch besser gefiel mir seine Frau, denn sie war dafür bekannt nie zu lachen. Als hätten wir nicht schon genügend Gemeinsamkeiten stellte sich auch noch heraus, dass sie das erste Mal erst geschmunzelt hat als man ihr eine süße Ricottatorte vorsetzte – die Frau ist meine Heldin. Auf unserem Rundgang haben wir dann noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter den Dom S. Gennaro gesehen, Sagt euch das sogenannte Blutwunder etwas? Schon seit 1646 befindet sich dort eine Ampulle mit getrocknetem Blut des Märtyrers S. Gennaro. Seit Ende des 15. Jahrhunderts ist die Kapelle del tesoro di San Gennaro der Ort an dem jedes Jahr im Mai und September der Festtag des San Gennaro stattfindet. Im Zuge dessen wird für die Verflüssigung des Blutes in der Kapsel gebetet, denn dies ist ein glücksverheißendes Zeichen. Letzten September ist das Blutwunder übrigens ausgeblieben.. Trump..hust. Außerdem gibt es in Napoli einige Bauten die man so auch in anderen italienischen Städten findet. Z.B die Galleria Umberto I, eine Einkaufsgallerie die von einer großen Glaskuppel überdacht ist und so auch in Mailand zu finden ist. Inmitten derer gibts es eine Stelle an der man sich selbst die Zukunft voraussagen kann. Umkreist von verschiedenen Mosaiken auf dem Boden muss man sich in der Mitte unter die Glaskuppel stellen, sich mit geschlossenen Augen im Kreis drehen und dann, nach eigenem Gefühl, in eine Richtung losstarten. Am Boden erwarten die Gäste dann verschiedene Bilder die eben den Verlauf des weiteren Lebens beschreiben sollen. Bei mir wars ein Stier, ein kleiner Vogel und ein Blumentopf, was eigentlich nur eines bedeuten kann: Zufriedenheit und Reichtum, isch doch klar.

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Als wir unsere erste Pause machten, wurden sofort die Musikboxen ausgepackt und , ohne ständig diese Vorurteile bedienen zu wollen – alle Südamerikaner und Spanier brauchten keine 10 Sekunden um wieder in Tanzlaune zu sein. Der Rest bevorzugte es zu der noch relativ frühen Uhrzeit die vom Buffett gestanzten Snacks zu verdrücken und die neapolitanischen Polizisten, die eine Art Schlafmütze tragen die ein bisschen so ausschaut wie die des Meindlmohrs in Wien, zu beobachten. Vor dem Mittagessen wurden wir dann mit einem Aperitivo- oder wie hier alle sagen „Spriiiiiiiiiiiiitz“- versorgt, was bei der Hitze in meinem Fall nicht die genialste Idee war. Die gesamte Meute stürmte dann ein Restaurant, das auf unsere Ankunft bereits vorbereitet war und als sich das Gerücht bestätigte, dass es Rotwein unlimited geben würde gabs bei den meisten kein Halten mehr. Schon nach der Vorspeise tanzten die ersten auf ihren Stühlen und wir wurden feucht fröhlich in die italienische Trinkkultur eingeführt. Ich sag nur „Acqua fa male – il vino fa cantare“ was übersetzt heißt „Wasser tut dir nicht gut aber Wein lässt dich tanzen!“ – Oh ja, wenns nur das Tanzen wäre.

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Von leicht bedüdelt bis stark bedient ging es nun zum Meer zum Castel dell’Ovo von welchem man einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Golf von Neapel und den Vesuv hat. Auf dem Weg dorthin dürfte die Horde an Erasmusstudenten die alle mit einem Glas Limoncello ausgestattet und in der Begleitung von, wie könnte es anders sein, spanischer Musik durch die Straßen liefen einen Mordseindruck gemacht haben. Die Spaziergänger, Touristen und Restaurantbesucher blieben teilweise sogar stehen und packten ihre Smartphones aus um das Gesehene zu dokumentieren … Adieu seriöse Jobangebote. Als Irini von einem Burschen, dem das Chaos das wir veranstalteten wohl auf den Keks ging, mit einem Basketball abgeschossen wurde war ihre Reaktion nur „Alter jetzt hätt ich doch glatt meinen Limoncello verschüttet“ – woraufhin ich mich fast setzen musste um nicht zu ersticken. Auf zuvor genannte Burg, welche sich auf einer kleinen Insel befindet, gelangt man über eine eigene Straße auf der wir wieder Halt machten. Jetzt wo ich darüber schreibe fallen mir erst die Gemeinsamkeiten zu meiner Maturareise vor drei Jahren auf. Es wurde weitergetanzt, weitergetrunken – bis schließlich die ersten schlapp machten und sich zurück ins Hostel schleppten. Wir schafften es dann noch unter ständigem Gekicher die Burg zu erklimmen auf welcher wir dank angenehmer Meeresbrise auch ein wenig ausnüchterten. Auf dem Rückweg probierten wir dann noch eine neapolitanische Spezialität genannt Baba – kleine Hefeteigküchlein getränkt in einem Rum-Zuckersirup (wie war das mit dem Ausnüchtern…?) und in unserem Fall mit Creme und Schokosauce – ein Traum. Nach einer gefühlten Ewigkeit landeten wir nun in unseren Betten und gönnten uns zwei Stunden Schlaf um für den um 23:30 angesetzten „Limoncello-Pfad“ fit zu sein. Bekommen hat dann JEDER von uns eine 0,75l Flasche Limoncello, es wurde fleißig getrunken und der Pfad der eigentlich aus 7+ Stationen bestanden hätte wurde kurzerhand unter großem Beifall auf nur zwei verkürzt. Noch etwas geschwächt vom Nachmittag beschlossen meine Mädels und ich uns zu fünft auf nur zwei Flaschen zu beschränken was eindeutig genug war. Dieses zuckrige gelbe Saftl geht leider auch echt nicht leicht runter. Fazit des Abends: 7 Leute waren nicht fähig am nächsten Tag auf den Vesuv mitzukommen, ein Mädel landete im Krankenhaus und beim Versuch einmal ein nicht spanisches Lied in die Playlist zu schmuggeln wurden wir halb gelyncht.

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Da ich im Moment ein paar Prüfungen bzw. First World Freizeitstress habe und nebenbei vor Hitze sterbe wird Teil 2 meines Süden-Trips in den nächsten Tagen kommen 😀

Napoli war für mich so anders als jede andere italienische Stadt in der ich bis jetzt war. Hohe Häuserfronten, enge, teils düstere Gassen, dann wieder eine riesige, helle Piazzas – manchmal wirkt es so als hätte man hier verschiedene Stile einfach wie wild zusammengewürfelt. Bologna wirkt mit seinen 50 Shades of Orange gegen das Gewusel das hier herrscht richtig spießig.

Mein Senf zum modernen Feminismus

Als ich mit dem Beitrag angefangen habe ging es gar nicht um Feminismus, eigentlich ging es nur um mein Rad, etwas Olivenöl und chauvinistische Polizisten – aber liest einfach mal selbst.

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Zu allererst muss ich sagen, dass ich mich als Erasmusstudentin in Bologna immer gut aufgehoben fühle – als Teil einer Multikultistadt mit vielen Jugendlichen aus allen Teilen der Erde, als Weltbewohnerin oder etwas spezifischer als Europäerin. Letzte Woche hat man mir aber schließlich meine Wirhabenunsallesolieb- Brille heruntergerissen und mir zum ersten Mal seit meiner Ankunft das Gefühl gegeben hier „fremd“ zu sein, was sich so unglaublich komisch anfühlt weil ich das einfach nicht bin. Ich identifiziere mich mit so vielen Dingen, spreche mit ItalienerInnen, esse das italienische Essen und sehe Ähnlichkeiten und Unterschiede zu meinem Leben in der Heimat. Ich finde mich also in einem anderen kulturellen Umfeld bin aber in keinem Fall fremd.

Wie bereits erwähnt, werden in Bologna jeden Tag unglaublich viele Räder gestohlen um dann wieder billigst an verschiedenen Ecken der Stadt verscherbelt zu werden. Mein halb verschrottetes Rad würde man zwar vermutlich nicht mal mehr geschenkt nehmen aber ich bemüh mich trotzdem es ausreichend zu schützen und hänge es immer mit 2 Schlössern an. Vor einer Woche wars dann auch bei mir soweit, während ich mit meiner Mitbewohnerin Michela bei einem Physikabend unserer Mitbewohnerin Alessandra war muss sich wohl jemand an meinem kleineren Schloss versucht haben- ist aber kläglich gescheitert (Tigers 3 Euro Schloss- in your face). Mit vereinten Kräften haben Michi und ich versucht das malträtierte Schloss irgendwie zu öffnen, geholfen hat nicht mal das gute Allheilmittel Olivenöl vom Mci. So haben wir dann zu zweit das Rad bis zum Piazza Maggiore geschleppt in der Hoffnung auf Polizisten zu treffen die das Schloss eventuell hätten knacken oder im Notfall aufschneiden können. Genau an diesem Abend waren natürlich keine Polizisten da – eh klar. So entschied ich diesen Wink des Schicksals zu nutzen um am nächsten Morgen mal wieder meinen Pizza und Biscottiverseuchten Körper an die frische Luft zu schleppen, eine Runde laufen zu gehen und direkt bei meinem Rad vorbeizuschauen. Als ich dann verschwitzt an der Piazza ankam steuerte ich sofort auf ein Grüppchen Polizisten zu. Nach Erklärung meines Problems begleiteten mich zwei auch gleich zu meinem Rad, einer blieb an seinem Posten. Beide waren von Anfang an total nett, haben mich gefragt was ich studiere und wie es mir in der Stadt gefällt. Leider scheiterten aber sogar sie an dem Schloss schlugen mir aber vor in ein Eisenwarengeschäft zu gehen um dort nach einer Zange zu fragen. Dann sollte ich wieder zu ihnen kommen und sie würden mir helfen „damit nicht jeder glaubt ich würde am hellichten Tag Räder stehlen“. Danke für die Umsicht – „Halo papa ich han ein Rad gstohln. Ich bims deim Tochter“. Gesagt getan, Zange ausgeborgt und zurückmarschiert zu meinen neuen friends den Polizisten. Als ich sie aus ein bisschen Entfernung erblickte winkte ich schon mit meinem neu erstandenen Goodie : einer Riesenzange, Dinge die eindeutig nicht in meine Hände gehören. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir eigentlich schon blöd vorkommen sollen. Denn dann hatte sich die kleine Gruppe Polizisten zu einer 20 köpfigen Meute vergrößert, keine Bedenken vorerst bei mir, gibt’s mehr zum Schauen 😉 Als ich ankam hatten sich meine zwei Burschen in den Bus verdünnisiert, die anderen schienen mich nicht zu beachten. Trotz allem erklärte ich mein Problem und wies darauf hin, dass ich bereits mit Kollegen gesprochen hatte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke werde ich schon wieder grantig. Einer der sich mir nur halb zuwendete meinte dann ob ich mir sicher sei mit Leuten von ihnen gesprochen zu haben. Verwundert hab ich dann nur genickt und gesagt dass es die zwei waren die gerade ins Auto gestiegen waren. Er entgegnete darauf „Ja und wie haben die geheißen?“ – Woher zu Hölle soll ich wissen wie die heißen?! Ok, nur weil ich schon von Roadtrips in nicht vorhandenen Polizeicabrios geträumt habe bedeutet das nicht, dass ich bereits über das Stammdatenblatt der zwei Typen verfüge. Ich antwortete „Ma sta scherzando?“ und hab erneut mein Problem erklärt. Ein anderer fragte dann „Ma lei è una straniera?“ (Ist das eine Ausländerin?) und alle grinsten sich dumm an und zuckten mit den Schultern. Erneut erklärte ich, mit meiner Zange gestikulierend, dass ich das Schloss nicht alleine öffnen wollte. Inzwischen hatte sich die Gruppe mir gegenüber vereint aufgestellt, alle mit verschränkten Armen und Sonnenbrille auf der Nase. Einer kam nun näher auf mich zu – „Wir machen sowas nicht, wir dürfen uns hier nicht wegbewegen“. Mein „Aber Ihre Kollegen haben mein Rad schon gesehen !“ wurde nur in einem weiteren „Wir bewegen uns hier nicht weg!“ erstickt. Toll wenn ihr euch zu zwanzigst hier nicht wegbewegt, was ist dann wenn mal wirklich was Gravierendes passiert? Noch bevor ich ein letztes Mal ansetzen konnte, baute sich einer vor mir auf und meinte mit einem Grinsen im Gesicht: „DU (nicht dass ich auf das Sie bestehen würde aber in diesem Fall war es einfach ein fließender Wechsel zum Du) kannst gern warten wenn du willst. Hier wird dir aber keiner helfen. Schönen Tag!“ Ok – somit war das nicht existente Gespräch nun endgültig beendet. Weil ich jemand bin der in solchen Situationen nah am Wasser gebaut ist zog ich nur schnell die Luft ein und floh auf schnellstem Wege. Sofort schickte ich eine leicht schniefige Sprachachricht an meine Mädels-Bologna Whatsappgruppe und ließ mich über diese – Zitat „SCHOowinistischen Italo-Matcho-Arschlöcher“ aus – wenn ich grantig bin dann bin ich wirklich grantig. Zurück beim Rad hatte ich dann instantly diesen „Was ich nicht alles hätte sagen können – Moment“. Anstatt einfach kehrtzumachen hätte ich ihm die Stirn bieten und ihm sagen sollen, dass er mich nicht so behandeln kann. Aber wie so oft: unter Stress und in der fremden Sprache ließ meine Schlagfertigkeit auf sich warten. Für mich war die Lage dann auch schnell klar: Offensichtlich hätten die zwei ihren Posten nicht verlassen dürfen, im Gespräch mit dem Vorgesetzten muss ihnen dies dann klargemacht worden sein – sonst ergibt das plötzliche Verdünnisieren einfach keinen Sinn. Schlussendlich habe ich mein Schloss dann unter verwunderten Blicken der Passanten aufgezwickt – noch nie ein halb verheultes, verschwitztes Mädel im Laufdress gesehen das am meist frequentiertesten Platz Bologna Räder knackt? – understatement ist nicht so mein Style. Um meinen angeknacksten Stolz zu retten bin ich dann erhobenen Hauptes an der Gruppe vorbeigefahren – puh Würde gerettet? Zuhause angekommen war ich dann aber noch immer so wütend und wollte das was passiert war nicht einfach auf mir sitzen lassen, sodass ich dann eine E-Mail geschrieben habe, vermutlich an die falsche Stelle- aber einfach schon darüber zu schreiben hat geholfen den Ärger abzulassen.

Ich dachte bis jetzt, gerade weil Feminismus zum letzten Hipstershit auserkoren wurde, mich diesem Bereich nicht annehmen zu müssen – aber nun kommt auch mein Senf zum Thema. Es war einfach so frustrierend für mich auf diese Weise von einer Gruppe von 20 ausschließlich männlichen Polizisten gedemütigt zu werden. Manche meinen jetzt vielleicht, dass ich übertreibe aber schon allein, dass ich mich nach dem Vorfall so ungerecht behandelt gefühlt habe zeigt mir, dass hier etwas schiefgelaufen ist. Ich habe um Hilfe gebeten, auf eine höfliche Art und Weise und wurde behandelt als wäre ich eine Grenzdebile oder als hätte ich eine Straftat begangen. Es klingt so banal, aber in der Gruppe hat sich diese Horde poliziotti einfach unglaublich stark gefühlt; zuvor als ich mit den zweien allein war, fühlte ich mich ernstgenommen mit meinem Problem und konnte mit ihnen auch herumscherzen. Aber als ich dann wie ein Idiot mit meiner Riesenzange auf der Piazza gestanden bin und diese beiden einfach zu feig waren sich mir „zu stellen“ und stattdessen ihre Kollegen vorgeschickt haben, hab ich mich einfach nur verarscht und irgendwo auch klein gefühlt. In dem Moment habe ich erst wieder gemerkt, dass es doch Unterschiede bei der Behandlung von Männern und Frauen gibt. Ich bin mir absolut sicher, dass sie anders mit mir umgegangen wären, wäre ich in Begleitung eines Mannes gewesen. Und das ist das was ich absolut nicht einsehe, nicht im Jahr 2017. Denn mit solchen Problemen bin ich nicht allein, so etwas passiert Frauen überall tagtäglich und die häufigste Reaktionen auf Geschichten wie diese ist: „Bringt nix wennst dich jetzt aufregst, das sind verschwendete Nerven, so is das halt!“

Ich bin keine Instagram Feministin die, wie man jetzt immer häufiger sieht, mit T-Shirts mit der Aufschrift „Girls just wanna have fundamental human rights“ oder „GRL PWR“ post und sich grade jetzt, weils eben grad in ist, auf diesem Wege für die Rechte von Frauen einsetzt. Feminismus wird in der letzten Zeit immer mehr zum Produkt gemacht und könnte man daraus gerade kein Geld machen wäre es auch nur halb so cool. Fast jede High Street Marke die ich kenne bietet T-Shirts mit ähnlichen Logos und Schriftzügen an, dass diese Kleidungsstücke aber von Näherinnen mit null „fundamental human rights“ genäht werden interessiert mal wieder kein Schwein – #nur5centverdient bringt wohl nicht so viele Follower. Ich will aber auch keine „Hardcore Feministin“ sein die darüber sinniert wie toll es nicht wäre alle Männer abzuschlachten weil wir uns doch selbst genügen – meiner Meinung nach verdienen solche Aussagen nicht das Label „Feminismus“. Ich bin überzeugt Feminismus oder wie es eigentlich heißen sollte „Common Sense“ – ist immer in und ich bin eigentlich extrem froh, dass durch die sogenannten Influencer auf Facebook, Instagram und Co das Bewusstsein und Interesse für Gleichberechtigung und Anliegen der Frauen wieder einen Aufwind bekommt und viele junge Mädels auf die Straße gehen um auf ihre Wünsche aufmerksam zu machen. Auch mit den Aussagen Trumps mit seinem bekannten Lockerroom Talk sowie den verbalen Abgasen meines Lieblings Felix Baumgartner ist das Thema Feminismus wieder in aller Munde.

Ich weiß, dass es in Italien das Klischee des Matchomannes gibt der am liebsten bis 35 zu Hause bei seiner Mamma bleiben würde – aber nicht alle Männer sind gleich, eigentlich. In Italien wurde ich bis jetzt von Männern immer supergut behandelt, manches Kompliment wie „ciao belle“ wenn man abends mit seinen Mädels unterwegs ist kann ja auch schmeichelnd sein aber, dass man mit mir so abwertend umspringt nur weil ich eine Frau bin ist einfach nur bedenklich und wiegesagt, sicherlich kein Einzelfall. Würde ich jetzt einfach alles „lasciare stare“ (= nichts tun) lassen würde, würde ich auf diesem Weg diesen Typen wieder Recht geben und dieses Verhalten als in Ordnung abtun. Insofern werde ich mich jetzt auf meine vier Buchstaben setzen und herausfinden an welcher Stelle ich möglicherweise eine Reaktion auf meine Mail bekommen könnte. Bei Feminismus sollte es ja eben nicht nur ums Darüber-Schreiben, Tragen des richtigen T-Shirts und ums Image gehen sondern auch darum etwas zu tun.

Ich bin stolz und froh eine Frau zu sein – und ich will verdammt nochmal einfach mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden, vor allem von Menschen die mich nicht einmal persönlich kennen und die im Grunde nichts von mir brauchen, also nichts davon haben wenn sich mich degradieren außer, dass sie sich in ihrem kleinen Ego gepusht fühlen und meine Gefühle verletzen. Neid und Missgunst gibt es unter uns Frauen, leider, schon zur Genüge.

Ethical Statements Shirts gibt’s übrigens hier :

http://peppermynta.de/2017/04/22/fair-fashion-politische-statement-t-shirts/

http://www.peopletree.co.uk/edits/slogan-tshirts

Infos zum österreichischen Frauenvolksbegehren gibts hier

“Jetzt erst recht!
Es ist an der Zeit, die Umsetzung lange bestehender frauenpolitischer Forderungen und nötiger Maßnahmen mit Nachdruck einzufordern.
Wir möchten bis 2018 ein neues Frauen*volksbegehren organisieren und wir brauchen deine Unterstützung, um die Arbeit, die vor uns liegt, gemeinsam zu bewältigen.
Von Fernsehinterview bis Podiumsdiskussion wird alles dabei sein. Wir planen eine österreichweite Kampagne, die Frauen*poltik in allen Facetten diskutiert.https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren&#8221;

https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren

Und sorry für das Bild Papa haha. und danke Franzi ❤

Blogs Blogs Blogs – und warum wir alle selbstbezogene Arschlöcher sind

Es ist einfach ein schönes Bild mit makelloser Haut und tollem Make up online zu stellen – diversen Schminkapps und Instagram sei Dank. Es ist einfach ein Selfie mit dem neu erstandenen Outfit zu posten und sinnbefreite Hashtags darunter zu setzen – #follow4follow, hauptsache die Likes fließen, ich fühl mich gut – Bestätigung durch andere, ihr wisst schon und niemand beschwert sich – Oder doch? Vor ein paar Wochen habe ich den scheinbaren Fehler begangen in einem Blogpost über meine Gefühle zu schreiben, mich zu öffnen und festzuhalten was mir so durch den Kopf ging – zu einem Thema zu dem, wie ich dachte, vielleicht der ein oder andere in dieser Welt einen Bezug finden würde, vielleicht nickt und sagt „Das kommt mir irgendwie bekannt vor..“ Es ging um die Suche nach dem Selbst. Wer fühlt sich im Zuge des Erwachsenwerdens denn nicht oft hilflos und desorientiert? Gerade lese ich das Graphic Novel „Ghost World“ von Daniel Clowes in dem es um zwei Mädchen geht die nach Ende ihrer Schulzeit versuchen ihren Weg in die Erwachsenenwelt zu finden – jede auf ihrer eigene Art und Weise. Die eigene Identität aufzubauen, die des erwachsenen, hoffentlich einmal finanziell unabhängigen, arbeitenden, fühlenden Selbst und gleichzeitig die Kindheit und all die Dinge wie Spielsachen oder das alte Kinderzimmer – Dinge über die man sich definiert hat zurückzulassen ist schwer, verdammt schwer. Mit 17, 18 hab ich mich oft gefragt: Wer bin ich und wer möchte ich eigentlich sein? Die Kinderversion von mir selbst erschien mir damals die Identität derer ich mir sicher war; Mein Jetzt-Ich war gerade noch im Konstruktionsprozess und mein zukünftiges Ich – woher zur Hölle sollte ich wissen was ich in 10 Jahren so treiben würde. Oftmals erscheint es mir so als würden wir uns als junge Erwachsene in einem Zwischenuniversum bewegen. Den Platz in der Vergangenheit, in der Kindheit haben wir trotz Spielsachen oder alter Kleider an die wir uns bis zuletzt klammern und einfach nicht wegwerfen können verloren, in der Erwachsenenwelt sind wir jedoch auch nicht richtig angekommen. Etwas lost irren wir umher, auf der Suche nach einem Platz in dieser Gesellschaft, in dieser Welt; Auf der Suche nach Dingen über die wir uns definieren können, auf der Suche nach Menschen durch die wir lernen wer wir sind, Menschen von welchen wir uns abgrenzen um zu begreifen wer wir nicht sind. In dieser Zeit ist unser Selbstbild nichts Beständiges – Wünsche, Ängste und Träume ändern sich jeden Tag – oder zumindest bei mir ist es so. Wir ändern unser Aussehen, probieren verschiedene Stile aus, decken uns mit Zeug ein das wir nicht brauchen, grenzen uns ab oder andere aus – wir konstruieren unsere Identität oder ein Bild unser selbst wie wir gerne wären. Und ist man endlich soweit, dass man akzeptiert, dass man auch mal verwirrt ist und nicht immer weiß oder sich selbst nicht erklären kann was man will und dies dann auch noch offen zugibt wird man angreifbar, im schlechtesten Fall sogar zur Zielscheibe. Wer über seine Gefühle schreibt, zugibt, dass er Arbeit in die Texte steckt welche schlussendlich gepostet werden macht sich verletzlich. „Blogs find ich eigentlich grundsätzlich scheiße!“ – hab ich schon öfter gehört und es ist auch legitim das zu sagen obwohl ich solchen verbalen Rundumschlägen immer kritisch gegenüberstehe. Es tut mir nicht persönlich weh wenn jemand so etwas sagt, viel mehr tut es mir leid, dass viele den Zugang zu der geballten Erfahrung die viele Blogs vermitteln nicht finden können. Dank Blogs habe ich schon in einigen Städten wunderschöne, versteckte Plätze entdeckt oder ohne großartiges Suchen in tollen Lokalen gegessen. Ich kann mich tagtäglich in Bereichen die mich interessieren weiterentwickeln und profitiere von der Arbeit die sich andere Menschen für ihre Leser machen.

Sophie hat mir einen Artikel mit dem Titel „Schnappatmung“ gezeigt. Die Autorin kritisiert, dass sehr viele Menschen in der heutigen Zeit vor allem in sozialen Netzwerken oder allgemein im Internet ständig ihre Meinung zu einem Thema kundtun ohne überhaupt verstanden zu haben worum es geht. Man spricht in diesem Fall auch von einer Helikoptermoral – jedes Wort wird auf die Waagschale gelegt, Verständnis oder Humor – leider nicht vorhanden. Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt, dass unsere Gesellschaft dies – ein ständiges und gnadenloses Werten – braucht um die eigene Unsicherheit die man aufgrund der immer komplexer werdenden Vorgänge in einer sich ständig aktualisierenden Welt zu überwinden. Aber wenn wir schon werten und kritisieren sollten wir uns dann nicht wenigstens vorher im Klaren darüber sein worum es geht ? Noch bevor wir verstehen worum es eigentlich richtig geht, noch bevor wir uns Zeit nehmen, uns nochmals hinsetzen um uns eine reflektierte Meinung zu bilden steigt unser Blutdruck und im nächsten Moment wettern wir schon los. “Wieso sollte ich den Artikel überhaupt lesen – die Überschrift sagt doch schon alles?!” Natürlich bekommt niemand gerne negative Kritik und ich merke auch, dass wir Menschen zunehmend empfindlicher im Bezug darauf werden. Benimmt sich die Person wegen mir jetzt so komisch? Hat die mich grad doof angemacht ? – würden meine deutschen Freunde fragen. Aber warum zur Hölle ist das so – sind wir alle zu selbstbezogenen Arschlöchern geworden die in ihrer Psychose jeden Mist auf sich beziehen müssen? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns unsere Bestätigung viel zu oft von außen holen – „Wie viele Likes hat mein Bild auf Instagram?“ – „Also mein Profilbild muss auf jeden Fall mehr Likes haben als das letzte sonst…“ – fühl ich mich wie der letzte Dreck oder wie ?

Natürlich sind wir soziale Wesen die auf das Wohlwollen ihrer Mitmenschen angewiesen sind, den Menschen die ich liebe und welchen ich vertraue muss ich dies aber auch nicht jeden Tag schriftlich mitteilen und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass wir viel zu überempfindlich auf unsere Umwelt reagieren – ich eingeschlossen. Auch wenn ich aus der Vergangenheit lerne und versuche mit dem was ich auf meiner wordpress Seite poste niemanden zu verletzen, tue ich es scheinbar doch – meine Mitmenschen kritisiere ich nämlich am liebsten subtil über Blogposts – direkt mit den Leuten zu sprechen die mir auf den Keks gehen  find ich nämlich viel zu Mainstream. Wenn ich sage, dass uns nicht jeder was Böses will oder nicht hinter jedem Facebook Post eine versteckte Hassbotschaft steckt hat dies nichts mit Naivität zu tun, vermutlich sind wir unseren Mitmenschen manchmal einfach viel egaler als wir denken.

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