Was ich auf Erasmus gelernt habe…

Mein Erasmussemester ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber das Ende rückt mit Riesenschritten näher, sodass es für mich langsam an der Zeit ist Bilanz zu ziehen. Gelernt habe ich viel während der letzten Monate – in diesem Post konzentriere ich mich auf zwei Aspekte bei welchen die Italiener Experten sind: Essen und Glücklichsein 😉

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  1. Den Umgang mit italienischem Essen

Beim Essen gibt es echt soooo brutal viele Unterschiede zwischen Österreich und Italien, dass ich mich in diesem Fall auf Pasta und Süßspeisen beschränke. In Italien ist Pasta heilig – Pasta wirfst du nicht in einen Topf mit kaltem Wasser und drehst dann den Herd auf– so schnell kannst du gar nicht schauen ist dir der holy-pasta-god nicht mehr wohlwollend gestimmt. Nein ernsthaft: Willst du es dir nicht mit deinen italienischen Freunden verscherzen behandelst du Pasta mit Respekt. Wenn du sagst, dass du beim Nudelessen gerne einen Löffel verwendest lachen sie dich aus weil du offensichtlich unfähig bist. Wenn du Nudeln länger als auf der Packung angeben kochst lachen sie dich aus weil du unfähig und noch dazu „schifo“ – widerlich bist. Solltest du es wagen 2 Nudelsorten zu mischen weil sich die eine Penne – Packung dem Ende zuneigt und du irgendwie auch Guster auf die Farfalle hast, wirst du im besten Falle ausgelacht, weil, ja richtig – du unfähig bist. In meinem Fall hat meine Mitbewohnerin nur gekeucht und gefragt :“Was zur Hölle machst du da – die haben unterschiedliche Kochzeiten“ – ach ja, ich dachte immer Italiener bekommen die Fähigkeit Nudeln ‘Al dente’ zu kochen mit der Muttermilch. Außerdem sollte man es ja nicht wagen seine Nudeln nach dem Anrichten auf dem Teller zu salzen. Bist du des Wahnsinns ?! – hast du denn nicht dein Kochwasser gesalzen, reicht das denn nicht ? Alessandra meinte sogar, dass sie diesen Gewaltakt persönlich nehmen würde und ich fürchtete kurzzeitig um meinen Mietvertrag. Ich glaube aber, dass bei Italienern ein allgemeines Misstrauen vorherrscht wenn es um Ausländer und deren Weise Nudeln zu kochen geht. Als Alessandras Eltern aus Kalabrien zu Besuch waren und sahen wie ich Pasta ins kochende Wasser warf legte ihr mein Papa nur die Hand auf die Schulter und sagte „Iss lieber mit uns“. Understatement für – du bist unfähig.

Weiter geht’s mit den Süßspeisen. Ich liebe es in die zahlreichen Pasticcerias in Bologna zu gehen – hier gibt es alles was mein Herz begehrt. Cornetto (Croissant) mit Pistazien, Nuss, Schoki, Vanille etc. – Creme und vieles vieles mehr. JA – auch Zimtschnecken habe ich schlussendlich gefunden. Wenn es aber ums richtige Backen geht, habe ich gelernt , dass in diesem Fall ICH ihnen Unfähigkeit unterstellen darf. Gestern habe ich es ernsthaft gewagt nach einem Mixer zu fragen – was soll das bitte sein? Auch im Supermarkt habe ich eine halbe Stunde nach dem Backzutatenregal suchen müssen – welches es dann aber nicht gab. Schließlich habe ich es aber trotzdem zustandegebracht eine Torte zu backen und gleichzeitig meinen Bizeps zu trainieren. Der Kuchen wurde dann an Mitbewohnerinne, Freunde und Nachbarn verteilt und ordentlich gefeiert. Mein Nachbar meinte sogar : „Vorher mochte ich dich , aber jetzt, jetzt lieb ich dich“. und Michela attestierte mir Heiratsfähigkeit „Sei proprio da sposare!“

   2. Glücklichsein

Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch der gerne, leicht und viel lacht. Als meine Freundin Hannah zuletzt gegen eine Mauer der Portici gelaufen ist, musste ich mich sogar mitten auf der Straße hinsetzen um vor Lachen nicht zu ersticken. Hier muss auch dazugesagt werden, dass meine Ur-Ur-Oma laut Familienlegende nach einem Besuch eines Rummelplatzes ins Krankenhaus eingeliefert wurde und eine Spritze bekam weil sie nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Soweit so gut. Jeder mich aber gut kennt, weiß auch, dass ich extrem gerne herumsuder, die Fähigkeit habe alles schlechtzureden und alles zu zerdenken. Soll heißen: Ich steh mir unglaublich oft selbst im Weg, fresse viel in mich rein und sage nicht was ich mir denke. In den letzten Monaten habe ich erst gemerkt, wie sehr das eigene Verhalten und die eigene Stimmung auf die der anderen abfärben kann. Als ich wegen einer Geschichte zu Hause ziemlich down war hab ichs geschafft die Stimmung der ganzen Gruppe in den Keller zu bringen, musste mich dann echt mal zusammenreißen, mich entschuldigen und erklären was eigentlich los war. Auch meine Mitbewohnerin Alessandra hat mir bei einem langen Spaziergang erklärt, dass sie mit sich selbst viel mehr im Reinen ist, seitdem sie geradeaus sagt was sie stört und es ihr nicht gut mit etwas geht. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung. Nach einem schön verbrachten Tag, einem gemeinsamen Abend oder nur nach einem kurzen Hallo auf der Straße zu hören :“ Es ist schön dich zu sehen!“, „Heut war es wieder so schön mit euch!“ – „Ich bin so froh, dass ich euch habe und das mit euch teilen kann!“ (Schnulzigkeit : Off) macht einfach so so viel aus. Solche Sätze zaubern einfach ein Lächeln auf die Lippen und versüßen einem den Tag. Glücklichen Menschen sieht man an, dass sie glücklich sind. Wer zufrieden ist mit sich und dem was er tut strahlt dies auch aus und dieses Strahlen hat meist eine gute Reichweite. Nicht nur hier in Italien sondern auch während meiner Zeit im Studentenheim habe ich bereits gelernt mehr Komplimente zu machen, anderen zu ihren Arbeiten zu gratulieren und das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Auch wenn ich es in mir drin längst weiß, hier in Bologna habe ich es aber erst wieder geschafft mir dies zu verdeutlichen. Was bringt es mir mich über etwas aufzuregen, dass ich im Moment einfach nicht ändern kann? Was bringt es mir neidisch auf den Besitz anderer zu sein? Wer sich ständig mit anderen vergleicht kann doch nie nie nie glücklich sein! Wenn ich höre, dass andere zur Matura ein Auto bekommen oder wieder andere eine tolle Reise auf einen anderen Kontinenten geschenkt bekommen, dann ist das eben so aber macht mich nicht minderwertiger. Nur weil du auf einem aufblasbaren Einhorn mit einem Pina Colada in der Hand in einem Pool entspannst heißt das nicht dass du zufriedener bist 😉 Begonnen über das Glücklichsein nachzudenken habe ich erst letzte Woche als Alessandra beim Abgeben der Post völlig unvermittelt mit der zuerst grantigen Postangestellten zu witzeln begann und mir dann auf dem Nachhauseweg einfach ein Armband schenkte Als ich sie fragte womit ich das denn verdient hätte, meinte sie nur : “Einfach so- weil ich dich mag.” Danach erzählte sie mir, dass sie die Menschen in Italien allgemein als „più solari“ – also als sonniger und damit offener und positiver wahrnimmt als beispielsweise in Deutschland. „Ihr seid manchmal so unnahbar“ beschwerte sie sich. Irgendwo hat sie Recht: Es klingt komisch aber hier greift man sich z.B viel mehr an. Jedes Mal wenn eine vom Wochenende Zuhause in die Wohnung zurückkehrte wurde sie mit viel Trara empfangen und abgebusselt. Dasselbe beim Abschied, vor jeder Prüfung oder einfach so. Manchmal sitze ich im Zimmer, dann spaziert Ale vorbei, gibt mir einen Schmatzer auf den Kopf und fragt wie mein Tag war. Man grüßt sich mit „Ciao bella“ und Kosenamen wie „Pulcino“ oder „Topino“ stehen an der Tagesordnung. Und das ist genauso das, was ich so gerne mit nach Österreich nehmen würde. Eine positivere Grundeinstellung und mehr Sonne im Herzen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass man so viel Negativität wie möglich aus seinem Leben streichen sollte. Jeder kennt sie nur zu gut und wird sie dennoch nicht immer los : Energiefresser. Menschen, Dinge, Angewohnheiten die dich unglücklich machen, dich stressen – deine Energie rauben. Inzwischen weiß ich, dass ich so viele tolle Menschen und Dinge, die jeden Tag bereichern und von denen ich viel lernen kann, in meinem Leben hatte, und dazugewonnen habe, sodass ich so manches weglassen kann. In Zukunft will ich aufmerksamer im Bezug auf meine Mitmenschen, wacher und glücklicher durchs leben latschen und nicht mehr so viel sudern. Seitdem ich mir auch regelmäßig vor Augen führe wofür ich dankbar sein kann und, dass nichts Gutes das mir widerfährt selbstverständlich ist, merke ich, dass ich zufriedener bin. Das Verlassen meiner Comfort Zone hat mir geholfen offener zu sein für Neues und mehr Platz für Glücksmomente zu schaffen.

Die wichtigste Quelle des Glücklichseins bleibt jedoch die der Freundschaft – dazu gehört vor allem auch andere glücklich zu machen (und sich zurückzuziehen wenn man andere unglücklich macht). So kann ich Eleonora nur recht geben wenn sie sagt: “Lächle einfach – es kostet nichts.“

Meine Freundinnen haben an Punkten noch hinzugefügt:

  1. – alleine sein
  2. – spontaner sein
  3. – die Heimat zu schätzen weil…
  • einem da nicht jedes Monat das Rad geklaut wird
  • das Wasser aus der Leitung bombe schmeckt
  • jeder versteht was mit „Knödel“ gemeint ist
  • Topfen, Schnitzel, Kasnudeln, Germknödel,….
  1. – den Besitz von Erfahrungen über den von Dingen zu stellen
  2. – ebenfalls: dankbarer sein
  3. mehr Komplimente machen
  4. mehr auf sich selbst zu hören und den Dingen die einem gut tun mehr Zeit einräumen
  5. besser zuhören
  6. bewusster leben
  7. mehr Sonnenuntergänge ansehen
  8. öfter bis zum Sonnenaufgang ausbleiben
  9. mehr spazieren gehen
  10. weniger stundenlanges Serienschauen
  11. mehr rausgehen
  12. mehr Schokocroissants essen
  13. weniger Salat essen
  14. weniger drauf geben was andere sagen
  15. mehr in der Natur laufen gehen
  16. weniger sinnloses Gewichtestemmen im Fitti
  17. mehr reisen
  18. weniger sparen
  19. weniger auf später verschieben
  20. mehr machen – weniger denken
  21. mehr tanzen gehen
  22. mehr Bücher lesen
  23. mehr mit seinen Leuten machen
  24. mehr Leute kennenlernen
  25. weniger das Gefühl haben allein sein zu wollen
  26. mehr hosenfreie Zonen schaffen
  27. mehr Gespräche mit Freunden über die Liebe, Sex und das Leben
  28. weniger Fleisch essen
  29. mehr spontanes Welpenstreicheln
  30. mehr Vintageshopping
  31. noch viel mehr sinnlos lachen
  32. mehr Umarmungen
  33. “Ich liebe das” – “Ich liebe dich” sagen

Vielen vielen Dank an dich Tesi für die vielen Punkte – hatte beim Durchlesen ein fettes Grinsen im Gesicht ❤

….

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