Benvenuti al sud !

Im Süden Italiens war ich bis jetzt noch nie, mal abgesehen von einem Nachmittag den meine Familie und ich im Zuge einer Kreuzfahrt in Bari verbracht haben. Gemeinsam mit der Erasmusorganisation Erasmusland die alle paar Wochen Reisen oder Tagestrips in verschiedene italienische Städte oder ganze Regionen anbietet, haben wir es dann schließlich gewagt. Dadurch, dass dem „Napoli“ Trip schon ein gewisser Ruf vorauseilte wollten wir diesen natürlich nicht auslassen. Für zukünftige Bologna-Erasmusstudenten: Bei Erasmusland-(http://www.erasmusland.org/section/index.php?lang=us&section_id=Bologna) reserviert man online vor und zahlt dann entweder direkt im Büro in der Via Irnerio oder via Paypal oder Kreditkarte online.

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es im Doppelstockbus los Richtung Süden. In den neun Stunden Fahrt hab ich leider kein Auge zugetan aber dafür den wunderschönen Sonnenaufgang auf einer unglaublich idyllischen Raststätte in der Nähe von Rom beobachten dürfen. Während meine Freundinnen halbtot an der Scheibe klebten oder alle zehn Minuten mit dem Kopf auf den Tisch vor ihnen knallten machte ich mich mit dem geplanten Programm vertraut. 1 Tag auf der Insel Capri, 1 Tag Napoli, Vesuv Rundgang, die Stadt Sorrento und zum Abschluss Pompeij. Schon zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass nicht jeder fähig sein würde samstagmorgens den Vesuvio zu erklimmen …

Nach unserer Ankunft in Neapel, ging es straight vom Hafen rauf auf die Fähre. Da fiel ich dann in einen sofortigen, komatösen Schlaf – Danke Körper, dass das auch im Bus so gut funktioniert hat. Aber schon alleine das Einfahren in den Hafen von Capri war toll. Hier hatte ich nicht mehr das Gefühl in Italien zu sein. Mein erster Eindruck dieser Insel erinnerte mich eher an Griechenland – mit den vielen kleinen weißen Häuschen, engen Gassen, Zitronenbäumen und unglaublich vielen Blumen. Was macht man dann in der aufkommenden Mittagshitze am ehesten ? – Richtig: Wandern. Circa 2,5 Stunden „spazierten“ wir durch den inseleigenen Nationalpark und haben dafür aber wirklich traumhafte Ausblicke genossen. Als wir dann abgekämpft und hungrig an Chanel, Louis Vuitton, Valentino und Co. vorbeilatschten wurde mir klar worher Capri seinen Ruf als Luxusdestination hat. Hier trifft sich definitiv Reich und Schön und der kleine Maximilian Octavian kann im neuesten Capristyle sein erstes Granita in angemessener Manier genießen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch gings dann endlich Richtung Strand und rein ins kühle Nass. Türkisblaues Wasser, Gelato und … Qualle. War aber nur eine Babyqualle und erwischts hats Irini – sie lebt noch. Nach zwei Stunden in der Sonne brutzeln gings dann auf drei mittelgroße Boote, insgesamt waren wir eine Gruppe von gut 70 Leuten. Natürlich erwischten wir das Boot mit den meisten Spaniern – was für die Stimmung einfach nur Hammer is. Begleitet von Despacitos, wie eigentlich immer, gings laut grölend rund um die Insel. Vom Boot haben wir uns dann unter ständigem Gekreische ins Wasser gestürzt, getanzt und einfach die Sonne genossen. Auf Capri gibt es auch den sogenannten Liebesbogen, wenn man hier mit dem Boot drunter durchfährt soll man an die Person denken die man am liebsten küssen würde. Wenn man das Glück hat mit seinem Schätzelein unter dem Felsbogen durchzucruisen bringt das auf jeden Fall Glück für die Liebe.

Anschließend haben wir wunderschöne Grotten gesehen, in einer gab es zum Beispiel eine Gesteinsformation die einer Marienstatue ähnelt, und mit den Pensionisten von anderen Ausflugsschiffen gebondet. Gegen sechs Uhr abends gings dann wieder auf die Fähre, komatöser Schlaf wieder inklusive. Aufgewacht bin ich nur eine Millisekunde weil das ganze Boot aufgrund des starken Wellenganges zwei Mal hintereinander laut synchron seufzte. In Napoli wurden wir dann auf zwei Hostels aufgeteilt und kosteten deren schönen Seiten aus….wie… Gemeinschaftsduschen yey. Wenn circa 25 Mädels gleichzeitig heimkommen gibt’s da fix keinen Stress. Beim Inspizieren der Hochbetten war schnell klar: Hier herrscht akute Absturzgefahr und ich hatte förmlich die Stimme meiner Mutter im Ohr „Oben wird nicht geschlafen!!“. Irini aber ließ sich von unserem beginnenden Sudern nicht beirren, klopfte fröhlich ihre „Kissen“ auf und gab griechische Sprichwörter zum Besten „So wie du dein Bett machst, schläfst du auch!“ Mein Favourit ist und bleibt aber „Du isst gleich Holz“ – quasi : „Du kriegst glei ane am Deckl!“.

In Italien beginnt ja das Abendprogramm immer recht spät, im Süden aber beginnt alles RICHTIG spät. Erst gegen halb 10 waren wir Richtung Abendessen ins City Centre unterwegs, was darin resultierte, dass wir schon alle etwas hangry waren. Inzwischen kenn ich meine Mädels schon so gut, dass ich weiß dass man am besten gleich vorher entscheidet wo man hingeht um nicht zu riskieren, dass am Weg unschuldige Menschen Schaden nehmen. Danke nochmal an Lisa für den Restauranttipp, wir haben in dem Lokal Antica Pizzeria dell’Angelo in der Nähe der Piazza San Domenica wirklich unglaublich gute original neapolitanische Pizzen gegessen. Dass danach gefühlsmäßig wieder alles OK war, erkannte man wie immer am leicht dümmlichen Post-Food-Grinsen unsererseits. Im Anschluss gabs noch ein Eis und ein kleines Get-together auf der Piazza Domenica, doch dann sind wir, wie mein Bruder sagen würde, ziemlich schnell ins Bett einegstorben.

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Am nächsten Morgen starteten wir dann nach einem ziemlich unitalienischen Frühstück (Es gab Toast, Marmelade, Schinken, Käse etc.) in die neapolitanische Innenstadt. Geführt wurden wir von einem feschen Italiener der so manchen Mädels Schwierigkeiten bereitete sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Meine beiden Lieblingsaussagen seinerseits waren ja zum einen, dass der aragonesische Herrscher Alfonso der 1. „always problems with the poop“ hatte (Natürlich sprach er vom Papst aber die italienisch-englische Aussprache ist einfach göttlich) und zum anderen die Geschichte über einen König von Neapel der bekannt dafür war viel Zeit mit dem “gemeinen Volk” zu verbringen. Zu seiner Krönung erschien er zuerst gar nicht und wurde dann später spaghettiessend in einer Taverne aufgegabelt. Simpatico. Aber noch besser gefiel mir seine Frau, denn sie war dafür bekannt nie zu lachen. Als hätten wir nicht schon genügend Gemeinsamkeiten stellte sich auch noch heraus, dass sie das erste Mal erst geschmunzelt hat als man ihr eine süße Ricottatorte vorsetzte – die Frau ist meine Heldin. Auf unserem Rundgang haben wir dann noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter den Dom S. Gennaro gesehen, Sagt euch das sogenannte Blutwunder etwas? Schon seit 1646 befindet sich dort eine Ampulle mit getrocknetem Blut des Märtyrers S. Gennaro. Seit Ende des 15. Jahrhunderts ist die Kapelle del tesoro di San Gennaro der Ort an dem jedes Jahr im Mai und September der Festtag des San Gennaro stattfindet. Im Zuge dessen wird für die Verflüssigung des Blutes in der Kapsel gebetet, denn dies ist ein glücksverheißendes Zeichen. Letzten September ist das Blutwunder übrigens ausgeblieben.. Trump..hust. Außerdem gibt es in Napoli einige Bauten die man so auch in anderen italienischen Städten findet. Z.B die Galleria Umberto I, eine Einkaufsgallerie die von einer großen Glaskuppel überdacht ist und so auch in Mailand zu finden ist. Inmitten derer gibts es eine Stelle an der man sich selbst die Zukunft voraussagen kann. Umkreist von verschiedenen Mosaiken auf dem Boden muss man sich in der Mitte unter die Glaskuppel stellen, sich mit geschlossenen Augen im Kreis drehen und dann, nach eigenem Gefühl, in eine Richtung losstarten. Am Boden erwarten die Gäste dann verschiedene Bilder die eben den Verlauf des weiteren Lebens beschreiben sollen. Bei mir wars ein Stier, ein kleiner Vogel und ein Blumentopf, was eigentlich nur eines bedeuten kann: Zufriedenheit und Reichtum, isch doch klar.

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Als wir unsere erste Pause machten, wurden sofort die Musikboxen ausgepackt und , ohne ständig diese Vorurteile bedienen zu wollen – alle Südamerikaner und Spanier brauchten keine 10 Sekunden um wieder in Tanzlaune zu sein. Der Rest bevorzugte es zu der noch relativ frühen Uhrzeit die vom Buffett gestanzten Snacks zu verdrücken und die neapolitanischen Polizisten, die eine Art Schlafmütze tragen die ein bisschen so ausschaut wie die des Meindlmohrs in Wien, zu beobachten. Vor dem Mittagessen wurden wir dann mit einem Aperitivo- oder wie hier alle sagen „Spriiiiiiiiiiiiitz“- versorgt, was bei der Hitze in meinem Fall nicht die genialste Idee war. Die gesamte Meute stürmte dann ein Restaurant, das auf unsere Ankunft bereits vorbereitet war und als sich das Gerücht bestätigte, dass es Rotwein unlimited geben würde gabs bei den meisten kein Halten mehr. Schon nach der Vorspeise tanzten die ersten auf ihren Stühlen und wir wurden feucht fröhlich in die italienische Trinkkultur eingeführt. Ich sag nur „Acqua fa male – il vino fa cantare“ was übersetzt heißt „Wasser tut dir nicht gut aber Wein lässt dich tanzen!“ – Oh ja, wenns nur das Tanzen wäre.

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Von leicht bedüdelt bis stark bedient ging es nun zum Meer zum Castel dell’Ovo von welchem man einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Golf von Neapel und den Vesuv hat. Auf dem Weg dorthin dürfte die Horde an Erasmusstudenten die alle mit einem Glas Limoncello ausgestattet und in der Begleitung von, wie könnte es anders sein, spanischer Musik durch die Straßen liefen einen Mordseindruck gemacht haben. Die Spaziergänger, Touristen und Restaurantbesucher blieben teilweise sogar stehen und packten ihre Smartphones aus um das Gesehene zu dokumentieren … Adieu seriöse Jobangebote. Als Irini von einem Burschen, dem das Chaos das wir veranstalteten wohl auf den Keks ging, mit einem Basketball abgeschossen wurde war ihre Reaktion nur „Alter jetzt hätt ich doch glatt meinen Limoncello verschüttet“ – woraufhin ich mich fast setzen musste um nicht zu ersticken. Auf zuvor genannte Burg, welche sich auf einer kleinen Insel befindet, gelangt man über eine eigene Straße auf der wir wieder Halt machten. Jetzt wo ich darüber schreibe fallen mir erst die Gemeinsamkeiten zu meiner Maturareise vor drei Jahren auf. Es wurde weitergetanzt, weitergetrunken – bis schließlich die ersten schlapp machten und sich zurück ins Hostel schleppten. Wir schafften es dann noch unter ständigem Gekicher die Burg zu erklimmen auf welcher wir dank angenehmer Meeresbrise auch ein wenig ausnüchterten. Auf dem Rückweg probierten wir dann noch eine neapolitanische Spezialität genannt Baba – kleine Hefeteigküchlein getränkt in einem Rum-Zuckersirup (wie war das mit dem Ausnüchtern…?) und in unserem Fall mit Creme und Schokosauce – ein Traum. Nach einer gefühlten Ewigkeit landeten wir nun in unseren Betten und gönnten uns zwei Stunden Schlaf um für den um 23:30 angesetzten „Limoncello-Pfad“ fit zu sein. Bekommen hat dann JEDER von uns eine 0,75l Flasche Limoncello, es wurde fleißig getrunken und der Pfad der eigentlich aus 7+ Stationen bestanden hätte wurde kurzerhand unter großem Beifall auf nur zwei verkürzt. Noch etwas geschwächt vom Nachmittag beschlossen meine Mädels und ich uns zu fünft auf nur zwei Flaschen zu beschränken was eindeutig genug war. Dieses zuckrige gelbe Saftl geht leider auch echt nicht leicht runter. Fazit des Abends: 7 Leute waren nicht fähig am nächsten Tag auf den Vesuv mitzukommen, ein Mädel landete im Krankenhaus und beim Versuch einmal ein nicht spanisches Lied in die Playlist zu schmuggeln wurden wir halb gelyncht.

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Da ich im Moment ein paar Prüfungen bzw. First World Freizeitstress habe und nebenbei vor Hitze sterbe wird Teil 2 meines Süden-Trips in den nächsten Tagen kommen 😀

Napoli war für mich so anders als jede andere italienische Stadt in der ich bis jetzt war. Hohe Häuserfronten, enge, teils düstere Gassen, dann wieder eine riesige, helle Piazzas – manchmal wirkt es so als hätte man hier verschiedene Stile einfach wie wild zusammengewürfelt. Bologna wirkt mit seinen 50 Shades of Orange gegen das Gewusel das hier herrscht richtig spießig.

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