Mein Senf zum modernen Feminismus

Als ich mit dem Beitrag angefangen habe ging es gar nicht um Feminismus, eigentlich ging es nur um mein Rad, etwas Olivenöl und chauvinistische Polizisten – aber liest einfach mal selbst.

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Zu allererst muss ich sagen, dass ich mich als Erasmusstudentin in Bologna immer gut aufgehoben fühle – als Teil einer Multikultistadt mit vielen Jugendlichen aus allen Teilen der Erde, als Weltbewohnerin oder etwas spezifischer als Europäerin. Letzte Woche hat man mir aber schließlich meine Wirhabenunsallesolieb- Brille heruntergerissen und mir zum ersten Mal seit meiner Ankunft das Gefühl gegeben hier „fremd“ zu sein, was sich so unglaublich komisch anfühlt weil ich das einfach nicht bin. Ich identifiziere mich mit so vielen Dingen, spreche mit ItalienerInnen, esse das italienische Essen und sehe Ähnlichkeiten und Unterschiede zu meinem Leben in der Heimat. Ich finde mich also in einem anderen kulturellen Umfeld bin aber in keinem Fall fremd.

Wie bereits erwähnt, werden in Bologna jeden Tag unglaublich viele Räder gestohlen um dann wieder billigst an verschiedenen Ecken der Stadt verscherbelt zu werden. Mein halb verschrottetes Rad würde man zwar vermutlich nicht mal mehr geschenkt nehmen aber ich bemüh mich trotzdem es ausreichend zu schützen und hänge es immer mit 2 Schlössern an. Vor einer Woche wars dann auch bei mir soweit, während ich mit meiner Mitbewohnerin Michela bei einem Physikabend unserer Mitbewohnerin Alessandra war muss sich wohl jemand an meinem kleineren Schloss versucht haben- ist aber kläglich gescheitert (Tigers 3 Euro Schloss- in your face). Mit vereinten Kräften haben Michi und ich versucht das malträtierte Schloss irgendwie zu öffnen, geholfen hat nicht mal das gute Allheilmittel Olivenöl vom Mci. So haben wir dann zu zweit das Rad bis zum Piazza Maggiore geschleppt in der Hoffnung auf Polizisten zu treffen die das Schloss eventuell hätten knacken oder im Notfall aufschneiden können. Genau an diesem Abend waren natürlich keine Polizisten da – eh klar. So entschied ich diesen Wink des Schicksals zu nutzen um am nächsten Morgen mal wieder meinen Pizza und Biscottiverseuchten Körper an die frische Luft zu schleppen, eine Runde laufen zu gehen und direkt bei meinem Rad vorbeizuschauen. Als ich dann verschwitzt an der Piazza ankam steuerte ich sofort auf ein Grüppchen Polizisten zu. Nach Erklärung meines Problems begleiteten mich zwei auch gleich zu meinem Rad, einer blieb an seinem Posten. Beide waren von Anfang an total nett, haben mich gefragt was ich studiere und wie es mir in der Stadt gefällt. Leider scheiterten aber sogar sie an dem Schloss schlugen mir aber vor in ein Eisenwarengeschäft zu gehen um dort nach einer Zange zu fragen. Dann sollte ich wieder zu ihnen kommen und sie würden mir helfen „damit nicht jeder glaubt ich würde am hellichten Tag Räder stehlen“. Danke für die Umsicht – „Halo papa ich han ein Rad gstohln. Ich bims deim Tochter“. Gesagt getan, Zange ausgeborgt und zurückmarschiert zu meinen neuen friends den Polizisten. Als ich sie aus ein bisschen Entfernung erblickte winkte ich schon mit meinem neu erstandenen Goodie : einer Riesenzange, Dinge die eindeutig nicht in meine Hände gehören. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir eigentlich schon blöd vorkommen sollen. Denn dann hatte sich die kleine Gruppe Polizisten zu einer 20 köpfigen Meute vergrößert, keine Bedenken vorerst bei mir, gibt’s mehr zum Schauen 😉 Als ich ankam hatten sich meine zwei Burschen in den Bus verdünnisiert, die anderen schienen mich nicht zu beachten. Trotz allem erklärte ich mein Problem und wies darauf hin, dass ich bereits mit Kollegen gesprochen hatte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke werde ich schon wieder grantig. Einer der sich mir nur halb zuwendete meinte dann ob ich mir sicher sei mit Leuten von ihnen gesprochen zu haben. Verwundert hab ich dann nur genickt und gesagt dass es die zwei waren die gerade ins Auto gestiegen waren. Er entgegnete darauf „Ja und wie haben die geheißen?“ – Woher zu Hölle soll ich wissen wie die heißen?! Ok, nur weil ich schon von Roadtrips in nicht vorhandenen Polizeicabrios geträumt habe bedeutet das nicht, dass ich bereits über das Stammdatenblatt der zwei Typen verfüge. Ich antwortete „Ma sta scherzando?“ und hab erneut mein Problem erklärt. Ein anderer fragte dann „Ma lei è una straniera?“ (Ist das eine Ausländerin?) und alle grinsten sich dumm an und zuckten mit den Schultern. Erneut erklärte ich, mit meiner Zange gestikulierend, dass ich das Schloss nicht alleine öffnen wollte. Inzwischen hatte sich die Gruppe mir gegenüber vereint aufgestellt, alle mit verschränkten Armen und Sonnenbrille auf der Nase. Einer kam nun näher auf mich zu – „Wir machen sowas nicht, wir dürfen uns hier nicht wegbewegen“. Mein „Aber Ihre Kollegen haben mein Rad schon gesehen !“ wurde nur in einem weiteren „Wir bewegen uns hier nicht weg!“ erstickt. Toll wenn ihr euch zu zwanzigst hier nicht wegbewegt, was ist dann wenn mal wirklich was Gravierendes passiert? Noch bevor ich ein letztes Mal ansetzen konnte, baute sich einer vor mir auf und meinte mit einem Grinsen im Gesicht: „DU (nicht dass ich auf das Sie bestehen würde aber in diesem Fall war es einfach ein fließender Wechsel zum Du) kannst gern warten wenn du willst. Hier wird dir aber keiner helfen. Schönen Tag!“ Ok – somit war das nicht existente Gespräch nun endgültig beendet. Weil ich jemand bin der in solchen Situationen nah am Wasser gebaut ist zog ich nur schnell die Luft ein und floh auf schnellstem Wege. Sofort schickte ich eine leicht schniefige Sprachachricht an meine Mädels-Bologna Whatsappgruppe und ließ mich über diese – Zitat „SCHOowinistischen Italo-Matcho-Arschlöcher“ aus – wenn ich grantig bin dann bin ich wirklich grantig. Zurück beim Rad hatte ich dann instantly diesen „Was ich nicht alles hätte sagen können – Moment“. Anstatt einfach kehrtzumachen hätte ich ihm die Stirn bieten und ihm sagen sollen, dass er mich nicht so behandeln kann. Aber wie so oft: unter Stress und in der fremden Sprache ließ meine Schlagfertigkeit auf sich warten. Für mich war die Lage dann auch schnell klar: Offensichtlich hätten die zwei ihren Posten nicht verlassen dürfen, im Gespräch mit dem Vorgesetzten muss ihnen dies dann klargemacht worden sein – sonst ergibt das plötzliche Verdünnisieren einfach keinen Sinn. Schlussendlich habe ich mein Schloss dann unter verwunderten Blicken der Passanten aufgezwickt – noch nie ein halb verheultes, verschwitztes Mädel im Laufdress gesehen das am meist frequentiertesten Platz Bologna Räder knackt? – understatement ist nicht so mein Style. Um meinen angeknacksten Stolz zu retten bin ich dann erhobenen Hauptes an der Gruppe vorbeigefahren – puh Würde gerettet? Zuhause angekommen war ich dann aber noch immer so wütend und wollte das was passiert war nicht einfach auf mir sitzen lassen, sodass ich dann eine E-Mail geschrieben habe, vermutlich an die falsche Stelle- aber einfach schon darüber zu schreiben hat geholfen den Ärger abzulassen.

Ich dachte bis jetzt, gerade weil Feminismus zum letzten Hipstershit auserkoren wurde, mich diesem Bereich nicht annehmen zu müssen – aber nun kommt auch mein Senf zum Thema. Es war einfach so frustrierend für mich auf diese Weise von einer Gruppe von 20 ausschließlich männlichen Polizisten gedemütigt zu werden. Manche meinen jetzt vielleicht, dass ich übertreibe aber schon allein, dass ich mich nach dem Vorfall so ungerecht behandelt gefühlt habe zeigt mir, dass hier etwas schiefgelaufen ist. Ich habe um Hilfe gebeten, auf eine höfliche Art und Weise und wurde behandelt als wäre ich eine Grenzdebile oder als hätte ich eine Straftat begangen. Es klingt so banal, aber in der Gruppe hat sich diese Horde poliziotti einfach unglaublich stark gefühlt; zuvor als ich mit den zweien allein war, fühlte ich mich ernstgenommen mit meinem Problem und konnte mit ihnen auch herumscherzen. Aber als ich dann wie ein Idiot mit meiner Riesenzange auf der Piazza gestanden bin und diese beiden einfach zu feig waren sich mir „zu stellen“ und stattdessen ihre Kollegen vorgeschickt haben, hab ich mich einfach nur verarscht und irgendwo auch klein gefühlt. In dem Moment habe ich erst wieder gemerkt, dass es doch Unterschiede bei der Behandlung von Männern und Frauen gibt. Ich bin mir absolut sicher, dass sie anders mit mir umgegangen wären, wäre ich in Begleitung eines Mannes gewesen. Und das ist das was ich absolut nicht einsehe, nicht im Jahr 2017. Denn mit solchen Problemen bin ich nicht allein, so etwas passiert Frauen überall tagtäglich und die häufigste Reaktionen auf Geschichten wie diese ist: „Bringt nix wennst dich jetzt aufregst, das sind verschwendete Nerven, so is das halt!“

Ich bin keine Instagram Feministin die, wie man jetzt immer häufiger sieht, mit T-Shirts mit der Aufschrift „Girls just wanna have fundamental human rights“ oder „GRL PWR“ post und sich grade jetzt, weils eben grad in ist, auf diesem Wege für die Rechte von Frauen einsetzt. Feminismus wird in der letzten Zeit immer mehr zum Produkt gemacht und könnte man daraus gerade kein Geld machen wäre es auch nur halb so cool. Fast jede High Street Marke die ich kenne bietet T-Shirts mit ähnlichen Logos und Schriftzügen an, dass diese Kleidungsstücke aber von Näherinnen mit null „fundamental human rights“ genäht werden interessiert mal wieder kein Schwein – #nur5centverdient bringt wohl nicht so viele Follower. Ich will aber auch keine „Hardcore Feministin“ sein die darüber sinniert wie toll es nicht wäre alle Männer abzuschlachten weil wir uns doch selbst genügen – meiner Meinung nach verdienen solche Aussagen nicht das Label „Feminismus“. Ich bin überzeugt Feminismus oder wie es eigentlich heißen sollte „Common Sense“ – ist immer in und ich bin eigentlich extrem froh, dass durch die sogenannten Influencer auf Facebook, Instagram und Co das Bewusstsein und Interesse für Gleichberechtigung und Anliegen der Frauen wieder einen Aufwind bekommt und viele junge Mädels auf die Straße gehen um auf ihre Wünsche aufmerksam zu machen. Auch mit den Aussagen Trumps mit seinem bekannten Lockerroom Talk sowie den verbalen Abgasen meines Lieblings Felix Baumgartner ist das Thema Feminismus wieder in aller Munde.

Ich weiß, dass es in Italien das Klischee des Matchomannes gibt der am liebsten bis 35 zu Hause bei seiner Mamma bleiben würde – aber nicht alle Männer sind gleich, eigentlich. In Italien wurde ich bis jetzt von Männern immer supergut behandelt, manches Kompliment wie „ciao belle“ wenn man abends mit seinen Mädels unterwegs ist kann ja auch schmeichelnd sein aber, dass man mit mir so abwertend umspringt nur weil ich eine Frau bin ist einfach nur bedenklich und wiegesagt, sicherlich kein Einzelfall. Würde ich jetzt einfach alles „lasciare stare“ (= nichts tun) lassen würde, würde ich auf diesem Weg diesen Typen wieder Recht geben und dieses Verhalten als in Ordnung abtun. Insofern werde ich mich jetzt auf meine vier Buchstaben setzen und herausfinden an welcher Stelle ich möglicherweise eine Reaktion auf meine Mail bekommen könnte. Bei Feminismus sollte es ja eben nicht nur ums Darüber-Schreiben, Tragen des richtigen T-Shirts und ums Image gehen sondern auch darum etwas zu tun.

Ich bin stolz und froh eine Frau zu sein – und ich will verdammt nochmal einfach mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden, vor allem von Menschen die mich nicht einmal persönlich kennen und die im Grunde nichts von mir brauchen, also nichts davon haben wenn sich mich degradieren außer, dass sie sich in ihrem kleinen Ego gepusht fühlen und meine Gefühle verletzen. Neid und Missgunst gibt es unter uns Frauen, leider, schon zur Genüge.

Ethical Statements Shirts gibt’s übrigens hier :

http://peppermynta.de/2017/04/22/fair-fashion-politische-statement-t-shirts/

http://www.peopletree.co.uk/edits/slogan-tshirts

Infos zum österreichischen Frauenvolksbegehren gibts hier

“Jetzt erst recht!
Es ist an der Zeit, die Umsetzung lange bestehender frauenpolitischer Forderungen und nötiger Maßnahmen mit Nachdruck einzufordern.
Wir möchten bis 2018 ein neues Frauen*volksbegehren organisieren und wir brauchen deine Unterstützung, um die Arbeit, die vor uns liegt, gemeinsam zu bewältigen.
Von Fernsehinterview bis Podiumsdiskussion wird alles dabei sein. Wir planen eine österreichweite Kampagne, die Frauen*poltik in allen Facetten diskutiert.https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren”

https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren

Und sorry für das Bild Papa haha. und danke Franzi ❤

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