Bologna – meine Stadt?

Nach den ersten 4 Wochen in Italien wage ich es nun es Wanda gleichzutun und zu sagen : Bologna meine Stadt. Trotz trauriger Abschiede, einer Woche strömenden Regen und meinem Kampf mit dem italienischen Vokabular, war die Zeit seit meiner Ankunft so ziemlich perfekt. In diesem Sinne – fröhliches Lesen meines 4 Wochen Resümees.

Aus Wien bin ich es gewohnt jeden Tag auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein und auch mal viel Zeit mit dem Warten auf diese zu verplempern. Alle Srecken in der österreichen Hauptstadt zu Fuß zurückzulegen dauert schlichtweg zu lange. Bologna hingegen ist eine Studentenstadt mit der perfekten Größe. Hier sagt man auch „Nel centro di Bologna non si perde neanche un bambino“ – was übersetzt so viel heißt wie „Nicht einmal ein Kind verirrt sich in Bologna“ – Und genau so ist es. Ich habe das Glück noch innerhalb der Stadtmauern zu wohnen und mit meinem Rad bin ich innerhalb von knappen 10 Minuten auf der Piazza Maggiore im absoluten Zentrum und in der gleichen Zeit bei den Giardini Margherita, einem wunderschönen Park im Südosten der Stadt. Auch wenn ich mir im Vergleich mit anderen Erasmusstudenten eher selten zu viele Gläser Rotwein reinstelle ist es gut zu immer zu wissen, dass man auf jeden Fall heimkommt und nicht wie in Wien am Gürtel überlegt ein Zelt aufzuschlagen weil man nicht weiß man ob man es in seinem Zustand nach Hause schafft.

 

Biciiiiiii- Ein Rad zu haben ist meiner Meinung nach in Bologna ein absolutes Muss. Ungeduldig wie ich war, habe ich mir bereits am 2. Tag eins von einem mexikanischen Studenten besorgt. And the mexicans paid for it!! Scherzi a parte – Unglaublicherweise musste ich selbst dafür bezahlen und war von dem Zeitpunkt an ausgestattet mit einem gefühlt 50 Jahre altem, immerhin italienischen Rad, mit nur einer funktionierenden Bremse und ohne Licht. Mit viel Motivation gings zu Tigers (in dem Geschäft gibt’s alles, von Keksen, Notizblöcken, Perücken, Fahrradschlössern bis Schüsseln, Lesebrillen oder Schneebesen) wo ich mir ein Schloss zugelegt habe und beim Chinesen meines Vertrauens zwei Lichter, einmal in rot und einmal in weiß. Mit dem Rad in Bologna unterwegs zu sein ist ein absolutes Erlebnis, sowohl positiv als auch negativ. Meine Bilanz bis jetzt: Einmal ziemlich elegant gestürzt und einen Crash mit einem anderen Radfahrer in der Fußgängerzone. Tipp für zukünftige Bologna Erasmusstudenten: Jeden Tag werden in Bologna zahlreiche Räder gestohlen. Deshalb sind zwei Schlösser, eines für den Rahmen und das Vorderrad und eines für das Hinterrad fast Pflicht, wenn man innerhalb von fünf Monaten nicht fünf Räder kaufen möchte. Außerdem rate ich euch davon ab die Räder der gruseligen Typen an der Piazza Verdi zu kaufen. So verlockend es auch sein mag um Mitternacht in der Euphorie des Fortgehens ein Schnäppchenrad um 20 Euro abzustauben ….tut es nicht. Denn diese Räder sind zu 100% gestohlen und werden euch mit hoher Wahrscheinlichkeit von genau jenen Typen die es euch mit Schloss verkauft haben, wieder gestohlen.

Bologna – La Grassa. Bologna heißt nicht umsonst: Die Fette. Essen wird hier großgeschrieben und vegan lebende Menschen haben es hier definitiv nicht leicht. Sogar im Teig der Piadine – eine Spezialität vergleichbar mit Fladenbrot, gefüllt mit allem was das Herz begehrt – vor allem Prosciutto und Käse, Rucola ec. ist tierisches Fett enthalten. Abgesehen davon, ist Bologna berühmt für seine Tortellini in einer klaren Suppe („brodo“) oder Tagliatelle mit ragù. Spaghetti Bolognese sind hingegen eine Erfindung für die Touristen. Besonders kann ich auch „tigelle“ empfehlen. Das sind flache handflächengroße „Teigteile“ die sowohl sauer als auch süß gegessen werden. Mein Favorit: mit Ricotta, Honig und kleinen Schokostücken. Ein Traum. Jetzt, während des Karnevals werden allgemein viele Süßspeisen gegessen wie z.B Krapfenähnliche Gebilde mit Vanillecreme oder Marmelade und viel Staubzucker. Vergangene Woche habe ich in der Via Zamboni auch einen Laden (Dolceria) entdeckt in dem man nur „Dolci“ wie Waffeln, Crepes oder Croissants die mit Creme nach Wunsch gefüllt werden kaufen kann. Nach einem Croissant mit Cioccolata (es gibt aber auch Bueno, Nutella oder Weiße Schoki Creme) hatte ich erstmal einen Zuckerschock und wahrscheinlich gleich ein halbes Kilo mehr auf den Rippen.

Was das Fortgehen anbelangt, hat man hier ein breites Angebot. Es gibt gefühlt unendlich viele Bars, Discos zum Abshaken und Pubs, bzw die Piazza Verdi oder die Piazza Maggiore auf denen sich die Bologneser nur so tummeln wenn die ersten Sonnenstrahlen herauskriechen. Hier trifft man sich, kauft Bier um 2 Euro von ominösen Typen oder nimmt seine eigene Weinflasche mit. Was es daheim in Wien nicht gibt – aber definitiv geben sollte ist der „aperitivo“. Ab circa 8 Uhr bieten die meisten Bars ihren Gästen Zugang zu einem Buffet mit Salaten, Pizza, gegrilltem Gemüse, Käse, Prosciutto etc. wenn man einen Cocktail/ein Glas Wein/Spritzzzzz ec. trinkt. Der Spaß kostet dann zwischen 5 und 10 Euro und man kann sich sooft Essen nachholen wie man möchte. Ich weiß jetzt schon, dass der Großteil meines Stipendiums diesem Konzept zugute kommen wird… oder Sephora, von denen es hier leider auch zu viele gibt. Für Erasmusstudenten gibt es das Angebot sich bei den verschieden Organisationen eine sogennante „tessera“ – also eine Mitgliedskarte um jeweils 10 Euro zu besorgen mit der es dann Vergünstigungen in verschiedenen Clubs gibt oder mit welcher man sich für Tagestrips oder mehrtägige Reisen die von Firmen wie Erasmusland, ESN oder Elbo angeboten werden anmelden kann. Bis jetzt hab ich mir nur jene von Erasmusland besorgt weil diese Organisation jeden Montag italienische Filmscreenings mit italienischen Untertiteln anbietet (ich empfehle Pizza mitzunehmen) und ich z.B übernächstes Wochenende bei dem Trip nach Rimini und San Marino teilnehmen werde.

Weswegen bin ich eigentlich hier – ja genau: Studieren. Im Grunde ist ganz Bologna – UNIVERSITÄT. An jeder Ecke gibt es eine andere Fakultät und gerade jetzt sieht man überall noch nüchterne oder schon wasted italienische Studenten die ihre Laurea, also ihren Studienabschluss feiern. In Bologna gibt es übrigens den Aberglauben, dass man sein Studium nicht beendet wenn man vor dem Uniabschluss den Torre Asinelli erklimmt. Dadurch, dass ich im Juli schon oben war und die wirklich unglaubliche Aussicht genossen habe, behaupte ich jetzt mal, dass dieses Gerücht nur für 1) italienische und 2) an der Uni Bologna inskribierte Stundenten gilt 😉
Ich habe sowohl in der Via Zamboni, der wichtigsten „Unistraße“ wo zum Beispiel die Fakultät für „Lettere“ – Literatur ist, als auch auf der wunderschönen Geschichtefakultät in der Via San Giovanni in Monte Vorlesungen. Die Professoren sind an Erasmusstudenten gewöhnt und antworten geduldig auf jede noch so holprig formulierte Frage. Lezioni dauern in der Regel zwei Stunden, danach bin ich meistens reif fürs Bett weil man sich wirklich konzentrieren muss um dranzubleiben und im besten Falle noch Notizen zu machen. Ich kann allen Erasmus-Neulingen nur raten sich mit italienischen Studenten zusammenzutun. Dadurch, dass ich jeden Tag neue Leute kennenlerne habe ich meine Scheu Fremde anzusprechen recht schnell verloren. Italiener wissen wie es hier an der Uni zugeht und können wertvolle Tipps geben. Zum Beispiel, dass man nicht jedes Buch für die Lehrveranstaltungen kaufen muss sondern auch in copisterie (Druckerein) gehen und nachfragen kann ob sie die pdf. File gespeichert haben und so das Buch, natürlich um einiges billiger drucken können.

Was noch ….

  • Woran ich mich noch gewöhnen muss ist, dass die Italiener einen unglaublich hohen Plastikverbrauch haben. Im Supermarkt wird ohne Nachfragen der Einkauf sofort in Plastiksackerl eingepackt, meine Mitbewohnerinnen trinken trotz vorhandener Espressotassen ihren Kaffee nur aus Plastikbechern und auch beim Aperitivo gibt es immer nur Einweg-Plastikbesteck und –teller.
  • Was mir noch Kopfzerbrechen bereitet hat war die Suche nach Haferflocken. Die Italiener essen zum Frühstück vorwiegend Kekse, diese werden dann in den Espresso mit Milchschaum eingetunkt oder mit Marmelade beschmiert. Ordentliches Müsli oder gutes Gebäck? – Fehlanzeige. Als absolute Frühstücksliebhaberin ist mir das eindeutig zu wenig weshalb ich ab und an einen Lacher ernte wenn ich mal wieder Porridge kochend am Herd stehe oder mir am Sonntag eine Frühstücksplatte mit Obst, Gemüse und Schinken/Käse sowie Marmelade herrichte. „Ist das jetzt deine Jause oder dein Mittagessen?“ war dann die Reaktion meiner italienischen Mitbewohnerin.
  • Als Österreicherin habe ich es in Bologna ganz gut erwischt. Wenn ich mit Deutschen unterwegs bin höre ich immer nur „wie süüüüüüüüß“ ich nicht sprechen würde und werde aufgefordert bestimmte Wörter oder Phrasen wie „SCHiraffe“, „Radl“, „Reperaturseidl“ oder „Das geht sich nicht aus!“, „Das daugt ma!“ zu wiederholen und „Kaiserschmarrn oder Apfelstrudel“ zu kochen. Meinen Mitbewohnerinnen habe ich auch schon Ofenkartoffeln und einen Topfenauflauf mit Beeren gemacht – ich glaub ich darf jetzt bleiben.

Insomma – die ersten Wochen machen definitiv Lust auf mehr und ich kanns kaum erwarten, dass es endlich wärmer wird und ich mir die Sonne auf meinen Käsebauch scheinen lassen kann. Insgesamt versuche ich mich nicht zu viel auf den eingefahrenen Erasmuspfaden zu bewegen sondern mit möglichst vielen Italienern in Kontakt zu kommen um auch mal andere, authentische Ecken der Stadt oder des ganzen Landes zu sehen. Trotzdem ist es schön Menschen aus aller Welt kennenzulernen und zu erfahren wie man in ihren Heimatländern studiert, was ihre Träume für die Zukunft sind und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Niederlande, Dänemark, Norwegen, Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen – die nächste Interrail Reise kann kommen 🙂

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