Die WearFair 2016 + “Frauenproblemchen”

Zurück von der Wearfair und mehr– satt – pleite und erschöpft… aber auch wieder voll Euphorie und neu gesammelten Wissen. Fazit: Es war eine gute Entscheidung die Reise alleine nach Linz anzutreten und eine halbe Stunde mit Busfahren in die falsche Richtung zu verplempern. Die WearFair und mehr (haha) Messe war mein Ziel an diesem Sonntag – Linz Tabakfabrik. http://www.wearfair.at/

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Geteilt war die Messe in einen Modeteil und einen zweiten in dem es um die Themen Lifestyle und Ernährung ging. Ich habe mich ein paar Stündchen durch die verschiedenen Ausstellungsstände gewühlt, probiert und gekostet. Von Steinpilzpesto, Bio Linzeraugen und dem „natürlichsten Shampoo der Welt“ war alles dabei. Dadurch dass es sich bei der WearFair um ein so genanntes Green Event handelt wird großer Wert auf Mülltrennung und vor allem Müllvermeidung – zero waste – gelegt. Zudem wurde Werbung gemacht so umweltfreundlich wie möglich anzureisen – Wegbeschreibungen für Rad, Bahn und Bus inklusive.

Im Modeteil tummelten sich Marken wie Veja (Schuhe), Anzüglich, Anukoo, Grüne Erde oder MusoKoroni. Es war toll neue Labels kennenzulernen und vor allem auf kompetente Verkäufer zu treffen die sofort erklären konnten woher das Teil das man gerade in der Hand hält kommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Verliebt hab ich mich in eine kimonoartige schwarze Weste mit kleinem integrierten Gürtel von anzüglich (http://www.anzueglich.at/) und in weiße Sneakers von veja mit Klettverschluss – die  es schließlich auch mit zurück nach St. Pölten geschafft haben. (http://www.veja-store.com/en/women/1329-esplar-white.html) Natürlich blieben mir auch die obligatorischen bunten Filzmäntel und Patchworkröcke nicht erspart.

Beeindruckend fand ich vor allem das große Angebot an Mehrweggeschirr wie Jausenboxen, Wasserflaschen, Obstsackerl oder „Weckerleinwickler“ – schlechtes Gewissen beim Griff zum Plastiksackerl an der Kassa oder der Obstabteilung im Supermarkt ist nun wirklich gerechtfertigt. (http://www.beechange.com/ – besonders interessant: die Essen Unterwegs Abteilung)

Zu Mittag gab es vegane Crepes (natürlich auf Mehrweggeschirr, Becher und Besteck) mit einer Füllung aus Karotten, Roter Bete, Kraut und einer Schnittlauchsoße – was echt wirklich wirklich gut war, denn ich war satt und keinesfalls überfressen. (http://www.roadcrepe.at/ )Irgendwie hat sich aber dann 15 Minuten darauf doch ein Linzeraug in meine Hand verirrt und dank gemütlichen Strandsessel und vollem Magen wäre ich beim Vortrag von Christian Felber zum Thema „Die Gemeinwohlökonomie“ beinahe weggedöst.

Aber nun zu einem Thema mit dem ich mich, schon länger mehr oder weniger verhalten beschäftige: Nachhaltigkeit speziell wenn es um Frauen geht – genauergesagt bei der Monatshygiene. Auf der Messe durfte ich , gemeinsam mit ca. 5 anderen Ladies (da sagt man einmal „Monatshygiene“ und schon sind alle Männer weg..) einem Vortrag der Erdbeerwoche lauschen. Die Mädels von dem Start-up aus Wien haben ihr Projekt aus mehreren Gründen ins Leben gerufen: Menstruation – oder die Regel – ist auch heute noch für viele ein Tabuthema. Selbst unter Mädels – auch ich hab schon über Whatsapp die Nachricht „Hast du zufällig ein Ob da?“ verschickt oder erhalten – das ganze laut auszusprechen war mir dann doch zu unangenehm – und das in einer reinen Mädchenklasse! Aber wen wunderts – es geht um den intimsten Teil des eigenen Körpers – um Befindlichkeiten über die man in großer Runde bei einem Stück Kuchen nicht groß plaudern möchte. Aber genau das ist eigentlich das Komische – denn die Regel ist ein wichtiger Teil von uns. Sie „besucht“ uns jeden Monat und das über viele Jahre hinweg – also sollte man sich besser damit arrangieren. Im Laufe des Vortrags wurden verschiedenste nachhaltige Alternativen zur gewöhnlichen Monatshygiene erklärt wie z.B Bio Baumwollbinden aus dünnem Fleece oder Menstruationskappen. Schon viele Male habe ich über diese gelesen und war froh sie mal im „real life“ sehen zu können. Menstruationskappen gibt es bereits seit den 1930er Jahren – durchsetzen haben sie sich bis jetzt nicht wirklich können obwohl sie – im Vergleich zu Tampons – jede Menge Vorteile bieten. Sie sind aus medizinischem Silikon hergestellt und können bis zu 8-12h am Stück verwendet werden. 1 Mal monatlich werden sie „ausgekocht“ also wieder steril gemacht. Während der Monatsblutung selbst spült man sie einfach mit Wasser aus – Feuchttücher und Co sind nicht erlaubt weil sie das Material angreifen könnten.

Ich fühle förmlich wie es den/die ein oder andere/n beim Lesen dieser Zeilen schüttelt – ich kann es wirklich nachvollziehen. Auch Pia Kruckenhauser (Woman Redakteurin) hat über die Überwindung beim anfänglichen Nutzen der Kappe berichtet. „Das ist wie wenn man das erste Mal ein Ob verwendet – da habt ihr euch bestimmt auch nicht gleich wohlgefühlt“ – Und es stimmt – und so ist es doch bei allem Neuen das man ausprobiert und viele Dinge möchte man nach kurzer Zeit nicht mehr missen.

Auf der Website der Erdbeerwoche steht : „(Frauen sollten) die Macht erkennen, die sie als Konsumentinnen von jährlich mehr als 45 Milliarden Hygieneprodukten haben und dass sie dadurch entscheidenden Einfluss auf ihre Gesundheit und auf das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten haben.“ Alleine wenn man die unglaubliche Menge Müll berücksichtigt die man als Frau in der Zeit in der man Kinder bekommen kann produziert ist immens. Bettina Steinbrugger von der Erdbeerwoche sprach während des Vortrages von zwischen 10.000 bis 17.000 Obs bzw Binden die man im Laufe seines Lebens verbraucht, je nachdem wie oft und wie stark man seine Tage hat.
Darüber hinaus habe ich mir noch nie die Frage gestellt aus welchem Material Tampons eigentlich hergestellt werden und inwiefern das meine Gesundheit betreffen könnte. Während des Vortrages hörte ich zum allerersten Mal, dass diese aus gebleichter und gepresster Zellulose umhüllt mit einer Kunststoffschicht bestehen und gewöhnliche Tampons bis zu 500 Jahre brauchen um zu verrotten. Und wieder bin ich überrascht von mir selbst – ich schiebe mir ja auch nicht jedes Lebensmittel einfach in den Mund ohne nachzufragen was da drin ist. (http://www.erdbeerwoche.com/meineprodukte/nachhaltige-tampons.html)

Und wir reden hier wirklich über ein Luxusproblem – in vielen Teilen der Erde z.B in Indien oder im Tibet gibt es Gebiete in denen die Frau während der Zeit der Monatsblutung als „schmutzig“ gilt. Sie darf nicht mit anderen Mitgliedern im gleichen Haus wohnen und hat vor allen Dingen keinen Zugang zu Hygieneartikel die für uns so selbstverständlich sind. Stellt euch vor ihr müsstet irgendwelche Stoffe verwenden die ihr dann nicht mal hygienisch reinigen könnt, was dann in weiterer Folge zur Ausbreitung von Krankheiten & Infektionen führen kann. In solchen Momenten bin ich wieder froh so privilegiert zu sein, dass ich mir um meine Monatshygiene verhältnismäßig wenig Gedanken machen muss. Dennoch bedeutet das nicht, dass ich als Frau die Regel als etwas Schreckliches verdammen und beim Gedanken daran damit in Berührung zu kommen in Angstschweiß ausbrechen muss. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern wie unangenehm es mir war meiner Mutter zu sagen, dass ich zum ersten Mal meine Monatsblutung hatte. Erst jetzt merke ich wie lächerlich all die Ob Werbungen sind in denen eine seltsame gelartige blaue Flüssigkeit von einer Binde/Tampon aufgesogen wird und gutgelaunte Frauen in weißen Sommerkleidern auf Betten hüpfen. Wir sind Verdrängungskünstler – wie auch in vielen anderen Lebensbereichen auch – Ob rein, nach ein paar Stunden wieder raus – im besten Fall auf direktem Weg in die Mülltonne ohne einen Blick darauf werfen zu müssen.

Long story short: Die Regel kommt von uns, produziert vom eigenen Körper – ein völlig natürlicher Vorgang der uns jedes Monat daran erinnert dass der weibliche Körper dazu in der Lage wäre ,in sich, ein anderes menschliches Wesen heranwachsen zu lassen und zu versorgen.

Wenn ich wieder in Wien bin werde ich bestimmt noch einmal bei der Erdbeerwoche vorbeischauen und mich ausführlicher beraten lassen.

 

Hilfreiche Links:

Blog der Erdbeerwoche : https://meineregelmeinplanet.wordpress.com/2016/09/20/zero-waste-menstruation-so-gehts/

 

Zero Waste Vorreiterin Lauren Singer :

http://www.trashisfortossers.com/

 

Video in dem DariaDaria auch über die Menstruationstasse spricht:

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