Verreisen mit Geschwistern oder „I buch ma jetzt glei den nächsten Flug ham!“

Im Moment genieße ich das Privileg schon wieder im Urlaub zu sein (inzwischen bin ich wieder zu Hause ;)) – diesmal auf Mallorca umgeben von, ohne Spaß he, alternden deutschen Männern in beliebter weiße Socken-Sandalen Kombi, turtelnden Paaren und dicklichen Opas die sich ab und zu gemächlich ihre wohlgeformten Bäuche klatschen. Juche! Das Buffet ist aber bombe, der Strand ein Traum und die Kinder tanzen in besorgniserregender Manier in der Kinderdisco und bescheren ihren Eltern so zumindest 20 Minuten Entspannung am Tag. Hinter mir liegt ein Sommer, ein ganzes Jahr 2017 mit vielen vielen Reisen – eine durfte ich auch mit meiner Schwester und dann auch mit meinem Bruder verbringen.

21741578_10208095437062437_1568880494_nMein United Kingdom Abenteuer startete am 3. Juli in London. Gemeinsam mit Steffi erkundete ich im Anschluss Oxford, Bath, Bristol, Cardiff, Liverpool, Manchester und Glasgow. Gebucht hatten wir hauptsächlich Hostels, dazwischen auch ein paar Airbnbs um einmal ein bisschen Privatsphäre zu haben was auf einer solchen Reise echt wichtig sein kann, wie sich später herausstellte. Für fast jede Stadt haben wir nur einen Tag eingeplant – für manche Orte wie Bath oder Cambridge ist das absolut ausreichend, im Nachhinein hätte ich wahrscheinlich weniger Städte ausgewählt und dann mehr Zeit an einem Ort verbracht. Mit Steffi lief alles wie am Schnürchen – beim Städte anschauen haben wir grundsätzlich ein ähnliches Tempo, auch wenn ich manchmal etwas nachhinkte, aber das schieb ich mal auf die Länge der Beine 😉 In London erkundeten wir die Spitalfieldsmarkets, Temple Church und einige Ecken abseits der Touristenpfade weil wir beide schon ein paar Mal in der englischen Hauptstadt waren. Steffi hirschte durch Einrichtungsläden wie Anthropologie, ich pflügte mich durch diverse Vintageshops und verließ meistens halb heulend die Geschäfte weil Originalstücke echt nicht billig und im Moment einfach nicht leistbar sind.

21741375_10208095435342394_614247467_nIn Bath habe ich mich sofort wieder verliebt. Ich war schon vor einigen Jahren mit meinem Vater da – die Stadt hat mich sofort wieder mit offenen Armen empfangen und genossen hab ich einfach diese Endsommerstimmung mit all ihren Farben und Gerüchen, die Gebäude mit dem hellen Sandstein, die grünen Wiesen der wunderschönen englischen Parks und der tolle Ausblick vom Alexandra Park mit dem wir nach einem langen Besichtigungstag schließlich belohnt wurden. Abends gabs dann noch, dank Happy Hour gleich 2 ziemlich heavy Schlagobers-Pina-Colada Gesöffe und aufgrund der lauten Musi gebrüllten Smalltalk mit zwei lieben Spanierinnen denen ich zum Abschied am nächsten Morgen beim Frühstück „ein schönes Leben“ wünschte. Ich mein – wie wahrscheinlich ist es, dass man die Leute nochmal wiedersieht ? :/

In Oxford gab es in unserem Airbnb dann Radeln – juheee – die aber furchtbar waren. In leichter Rückenlage und mit den Knien bei den Ohren ging es Richtung Stadtzentrum, unter ständiger Beobachtung von Kühen die links und rechts des Weges standen. Auch Oxford hat mich verzaubert – die vielen Colleges mit ihren Kirchen, lange Kanale mit romantischen Lokalen, süße Geschäfte, das Oxford University Press Gebäude – (ja hier geben sie die furchtbaren Bücher raus die euch in der Schule das Leben zur Hölle machen aber mir als zukünftige Englischlehrerin quetschte der Anblick der Fassade fast ein paar Tränchen raus), die Burg, unser Abstecher ins Countryside und free Wifi bei Waterstones machte für mich den Tag perfekt. Abends schmausten wir dann noch Caramelised Onions – Hummus und Weckerl auf dem Bett bevor es, nach einer kurzen Nacht, Richtung Bristol ging. Dort sind wir dann zum ersten Mal halb erfroren, die Kälte hatten wir beim Packen echt ein wenig unterschätzt. Zudem hätten wir fast unseren Zug weiter nach Cardiff verpasst – vielen Dank nochmal an den Taxifahrer der allen anderen Fahrern den Vorrang genommen und uns gleichzeitig über englische Busse an einem Sonntag aufklärte – „Ihr wolltet mit dem Bus zum Bahnhof kommen ??? Rechtzeitig ??? An einem Sonntag ???? HAHAHAHAHAH“ – ja danke auch du empathisches Wesen.

21744557_10208095437542449_1028469715_nNach Cardiff, was schon in Wales liegt, haben wir es schließlich auch geschafft – hier wirkt es so als hätte man einfach ein Riesenstadion mitten ins Stadtzentrum gefetzt, ein paar hundert Meter weiter weg steht ein mittelalterliches Castle mit anliegenden Park – das nenn ich kluge Stadtplanung. Mein englischer Tandempartner bezeichnete diese Stadt im Vorfeld auch liebevoll als „shithole“. Auch hier sind wir fast erfroren was wir aber rasch in einem Starbucks, in welchem ich die beste Verkäuferin meines Lebens treffen durfte, lösten. Das Gespräch verlief foglendermaßen: „One regular hot chocolate please!“ – „Do you want the thick one ?“ – „Thick one ?“ – „The one that’s really really creamy“ – „Yeah sure why not“ – „With cream ?“ – „ehhh jep why not“ – „I’m sure you want some caramel sauce as well!“ – „ehhh yeah who says no to caramel right ?“ – „What about Shortbread?“ – „I don’t think I’ll..“ – „Oh come on – you’re in Wales!“ – „Alright. Give me the damn cookie!“. Zufriedenstellend war die Kombi dann schon ziemlich. Nach der Ankunft waren wir dann auch noch in Cardiff Castle was wirklich unglaublich interessant war – Schlösser und Burgen waren beim Besichtigen immer so mein Ding. Steffi und Christian wussten, dass, wenn wir alle 3 Tage eine Burg zumindest von außen ansehen würden ich zufrieden sein würde. Im Hostel lernten wir dann auch noch Andy kennen – einen ziemlich coolen Amerikaner der ratz-fatz seinen Job gekündigt und erstmal auf Reisen gegangen war. Mit ihm teilten wir 2 Tage lang das Zimmer und kamen in den Genuss seiner Ausführungen über Betriebssysteme von Computern welchen wir beide mit gelegentlichen Nicken folgten. Am Gang, am Weg zur Dusche lernte ich auch noch einen Australier kennen der versuchte mit seinem Wissen über „The sound of music“ und Schwarzenegger zu punkten – „I mean yeaaaaaaah you’ve got the Terminator … you must be sooooo proud“ – Jep, sooooo proud! Von Cardiff aus machten wir einen wunderschönen Tagesausflug in die Landschaft von Wales. Begleitet wurden wir im Auto von einer spanischen Familie mit zwei Kindern. Die Tochter hörte auf den Namen Blau und obwohl wir uns den ganzen Tag über nur mit Gesten und Grimassen verständigten bekamen wir zum Schluss beide eine Muschel, eine herzliche Umarmung und einen dicken Schmatz. Während des Ausflugs sahen wir Wildponys, viele viele Schafe (auf 1 Waliser kommen übrigens 15 Schafe), Wasserfälle und den wahrscheinlich malerischsten Strand den ich je in meinem Leben gesehen habe. Als wir oben an der Klippe standen und auf diese nicht aufhören wollende Landschaft blickten, fühlte ich mich als wäre ich direkt in ein Gemälde, in eine andere Epoche eingetaucht – es war als wäre die Zeit dort stehengeblieben und ich habs unglaublich genossen. Es war einer dieser Momente, als meine Schwester und ich unten im Sand bis zum Wasser liefen, uns dabei drehten und hüpften und uns der Wind ins Gesicht blies, für die man reist, wo man ganz bei sich ist – seine Gedanken klar hört und seinen Körper spürt.

EWIGERSTRAND

 

In Chester wurden wir dann richtig eingeregnet und schätzen es daher sehr die Nacht in einem süßen Airbnb, mit kuscheligen Bett mit Hund inklusive verbringen zu dürfen. Chester ist bekannt für seine Tudorbauten, einer Uhr die für die Feierlichkeiten des Jubileums von Queen Victoria gebaut wurde, seine durchgehende Stadtmauer und seine mächtige Cathedral. In Chester hab ich mich mit den roten Backsteinbauten gleich wohl gefühlt. Danach ging es für sehr lehrreiche Tage nach Manchester und Liverpool – Ich konnte mich leider nicht festlegen wo es mir besser gefällt. Liverpool hat mich irgendwie total an New York erinnert – was vielleicht daran liegt, dass die Menschen die von hier aus nach Amerika ausgewandert sind dort dann wiederum Gebäude ähnlich dem Stil in ihrer Heimat aufgestellt haben. Was ich auch nicht wusste ist, dass Liverpool unter Margret Thatcher, die dort übrigens noch recht verhasst ist, die ärmste Stadt Europas war. Wenn man sich jetzt hier umschaut, kann man das gar nicht glauben und ich will uuuuuunbedingt nochmal hin. Im Hostel lernten wir eine Dame um die 50 kennen die zum allerersten Mal in ihrem Leben eine Nacht in einem Schlafsaal verbrachte. Schon mit einem fetten Grinsen betrat sie das Zimmer, stellte sich bei allen mit „Hiiiiiii it’s my absolutel fiiiirst time in a hostel!“ vor und wir zwangen uns alle während wir mehr oder minder erfolgreich unser Bettzeug überzogen zu einem euphorischen „juhee“. Anschließend wurden wir alle mit einer Kurzversion ihres Lebens zwangsbeglückt und mussten dann unsere berauschenden Life-Stories zum Besten geben. Zu ihrem Beliebtheitsgrad trug ihr lautes nächtliches Schnarchen zwar nicht bei, aber als sie sich morgens bei allen persönlich mit „You’re such a nice nice girl!“ verabschiedete, hatten wir sie irgendwie lieb gewonnen.In Manchester hatte ich außerdem meine erste Bologna Reunion. Getroffen haben wir meinen Freund Matt – ihn habe ich circa durch meinen schlechtesten Witz ever kennengelernt. Damals haben wir in Bologna die ersten warmen Sonnenstrahlen in den Giardini Margherita genossen und Gitarre gespielt. Er saß gemeinsam mit ein paar Freunden auf Yogamatten. Als er aufstand und sich mir und meinen Freundinnen mit „Hi, my name is Matt“ vorstellte (mit schönsten britischen Akzent wohlgemerkt …und zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass da mein Hirn einen Moment aussetzen kann) antworte ich mit einem weirden Kichern – „Oh hi Matt – is this ..your Yoga MAT?“. Seine Antwort war nur – „That’s the most awful joke I’ve ever heard“ – Gott sei Dank begleitet von einem Lachen. Ich versank im Erdboden, war aber gleichzeitig stolz – ich hätte nie gedacht je in die Situation zu kommen in der ich diesen Witz anbringen kann. Auf jeden Fall führte uns Matt in „sein Manchester“ und wir switchten zwischen Deutsch, Englisch und Italienisch was von meiner Schwester mit regelmäßigen Seufzern untermalt wurde.

Trommelwirbel – hoher Besuch kündigte sich nun an. Glasgow und somit auch mein Bruder Christian warteten auf uns. Eins wars wieder – KALT – verdammt kalt. Meine Schwester beschrieb meinen Kleidungsstil folgendermaßen : „Du schaust aus wie ein Sandler der alles was er besitzt übereinandergezogen hat“. – Jawohl so sah ich aus und ich war stolz drauf. Als mein Bruder zu uns stieß war das Mayer Trio wieder komplett und unsere Reise wurde von einem Moment auf den anderen ziemlich kaffeelastig und auch der Humor veränderte sich. Alle 2 Stunden verlangsamte sich Christians Gang und mir war klar – oha da muss wieder irgendwo ein Independent Coffeestore, ein Radshop oder ein großes Glas Nutella stehen. Am Tag darauf startete unser Roadtrip – ich liebe es so wenn Christian bei uns dabei ist weil der Reisealltag durch lehrreiche Aussagen wie :“ Wissts ihr eigentlich wie Indie Songs funktionieren – du erfindest irgendein Hobo Wort wie Listomania, dann singst die ganze Zeit drüber und plärrst umanander!“ oder „He wir fahren doch jetzt in die Highlands, kommt da nicht der Cottage-Cheese her?“ aufgepeppt wurde. Außerdem bewertete er jedes Lied das wir hörten als „absolut megageil“ bis ich ihn darauf hinwies, dass wir ja SEINE Playlist hörten. Soweit so gut – der erste Krach kündigte sich an, als wir langsam checkten, dass Schottland doch nicht so touristenbefreit war wie wir dachten. Möglicherweise wäre es klug gewesen doch ein paar Unterkünfte vorzubuchen und nicht super hipster-abenteuerlustig wie wir waren die genaue Route erst 3 Tage vorher festzulegen. Anstatt konstruktiv zusammenzuarbeiten schoben wir uns erstmal gegenseitig die Schuld zu und beschlossen dann einstimmig einen Hügel in Glencoe zu besteigen um Frust abzulassen. Der Ausblick von dort oben ließ uns die Komplikationen für ein paar Stunden vergessen, nur, dass meine Schwester dort ohne Haube durch den Nieselregen hirschte, ließ die Mama in mir erwachen – und ich sollte Recht behalten. Die Verkühlung mit leichtem Fieber erwischte erst sie, dann meinen Bruder und kurz vorm Heimfahren schließlich mich – danke nochmal dafür haha. Wieder unten angekommen ging dann das große Telefonieren los – noch nieeeeeee habe ich so viele Hostels und B&Bs durchtelefoniert und auch mein Englischtandem der gerade in Kolumbien saß, bekam eine leicht schniefige Nachricht mit Hilferuf von mir. Irgendwann hatten wir schließlich Glück und wir bezogen ein zuckersüßes B&B in Fort Williams. Spätestens als wir jeweils eine große Portion hausgemachte Fish and Chips vor uns hatten, beruhigten sich unsere Gemüter. In Schottland gings für uns durch die Highlands rauf bis nach Ullapool und auch auf die Inseln Skye und Harris. Steffi und Christian haben sich total in Ullapool verliebt, auch wenn wir am Strand eine kopflose Robbe entdeckten. Auch hier saßen wir nach Fish and Chips, die wir bis auf den Tod gegen die Möwen verteidigt hatten, gesättigt und zufrieden am Kieselstrand, warfen Steine und beobachteten eine große Fähre die in den Hafen einfuhr. Christians Kommentar dazu war „I moch jo vü Sochn die so a Klischee Mann nicht macht – wie kochen und so .. aber wenn was groß, technisch is und raucht, find is a geil – wie des Schiff do“ – Alles klar.

Reale Road Trip BilderAuf Skye hatten wir ein weiteres nices Erlebnis – nach einem Tag mit viel Wandern, langen Autofahrten und typischen Nieselregen freuten wir uns einfach nur aufs B&B Zimmer und eine warme Dusche. Nach dem Abstellen des Autos gings sofort zur Rezeption und freudenstrahlend verkündete ich „We have a reservation for 3 people– Mayer“. Die Empfangsdame verzog jedoch keine Miene und meinte nur „no“. Mein Gesichtsausdruck muss göttlich gewesen sein – ich stotterte nur „What do you mean ?“ – Nach ein paar Minuten stellte sich heraus, dass Booking.com ein Zimmer zweifach belegt hatte und wir somit keine Unterkunft für die Nacht hatten. Die Hausbesitzer telefonierten all ihre Freunde mit kleinen Hotels durch – vergebens. In der Zwischenzeit kraulte ich mit einer Hand den Kopf des blinden Hotelhundes mit der anderen durchforstete ich Isle of Skye-Accomodation Facebookgruppen. Steffi steigerte sich in eine leichte „Omg wir werden im Auto schlafen – das ist alles so furchtbar“ – Hysterie und Christian telefonierte erstmal mit seiner Freundin. Erstaunlicherweise blieb ich unglaublich ruhig – wahrscheinlich hab ich dieses Urvertrauen in Italien gelernt – irgendwie ergibt sich immer was. Und so war es dann auch – der Chefkoch hatte Mitleid mit uns, spendierte uns schließlich ein Bier und ließ uns in der Hotellobby schlafen. Jeder von uns hatte eine fette Couch, Decke, Polster und jede Menge Platz. Gott sei Dank haben wir einfach komplett fertig und durchnässt ausgesehen – die Chefin des Hauses wollte uns nämlich vor die Tür setzen, wir überhörten aber die Reaktion des Koches „Do you really want to let those 3 kids sleep on the street tonight?“ – wir waren dann sehr happy 3 kids, für jeweils 10 Pfund haben wir a night to remember verbracht. Am nächsten Tag starteten wir dann in einem Höllentempo Richtung Norden um unsere Fähre nach Harris zu erwischen – ich weiß ich wiederhole mich aber die 1,5 stündige Fahrt war wunderwunderschön, das Wasser, das Licht, die Babyinseln und sogar ein Delfin der uns ganz kurz begleitete machen die Bilder aus die sich in meine Erinnerung gebrannt haben. Auf Harris huschten wir dann ganz schnell in eine Gin Destillerie, kauften jeweils eine Flasche Harris Gin und eilten weiter in den Norden. Meine Geschwister meinen ich bin nach 5 Minuten auf der Rückbank in ein Koma gefallen, Schlaf war aber auch bitter notwendig denn wir hatten uns im Vorfeld für eine Bootstour angemeldet. Gemeinsam mit circa 7 anderen wurden wir in fette, figurschmeichelnde Anzüge gesteckt und bestiegen ein „Speedboot“ mit dem wir in See stachen um kleine Inseln zu umkreisen, Graukopfrobben und beeindruckende weiße Strände mit türkisfarbenen Wasser zu sehen. Bei einem dieser Strände machten wir schließlich Halt – am Strand legten wir 3 uns einfach mal nebeneinander in den Sand und feierten insgeheim, dass wir es bis hier her geschafft hatten und noch alle am Leben waren. Über die Ostküste gings dann verteilt über 2 Tage Richtung Edinburgh – der letzten Station unseres Schottland Roadtrips. In Fort Williams genoss ich den Luxus eines Einzelzimmers – an jenem Abend war ich einfach mega schlafgrantig, maulte herum weil ich statt dem pikanten Frühstück doch lieber ein süßes haben wollte (#firstworld) und ließ zu guter letzt auch noch meine Flip Flops liegen. Meine Geschwister hingegen waren produktiv und fanden auf booking.com ein extrem günstiges Angebot für ein Hotel in Fraserburgh. Frage 1 – Wo zur Hölle ist Fraserburgh? Frage 2 – Wo ist der Haken ? Das kann nicht so billig sein. Scheinbar hatten wir Glück! Dort angekommen bezogen wir ein riesiges Familienzimmer mit großem Fernseher und tollem Bad. Gezeichnet von den letzten Tagen ließen wir uns in die weichen Betten fallen, kochten wie immer am Zimmer Tee, verkosteten den mitgebrachten Gin und schauten dann gemeinsam eingekuschelt im Bett die Serie „Friends from College“.

Wer meinen Bruder kennt, weiß, dass dieser Typ es nicht recht lange ohne Sport aushält. Während er im Auto eine Packung Kekse in einer 5 Minuten Session auf einmal inhalierte klagte er mir sein Leid – „Wenn i hamkumm werd i fix nimmer in mein Rennanzug passen schmatz schmatz so eine Scheiße“. Meine Reaktion war meist nur ein Augenverdrehen und der Versuch anzumerken, dass ich vielleicht auch gern einen Keks gekostet hätte.. egal. Bevor es weiter Richtung Aberdeen ging, gönnten wir uns eine kleine Laufrunde – Christian trabte wie immer wie ein flinkes Rehlein voran, Steffi und ich hinkten leicht schnaufend hinterher.

21764002_10208095402701578_555278767_nZum ersten Mal während dieses Urlaubs war es nun warm genug um kurze Hosen anzuziehen und beim nächsten Strandstop auch mal die Zehen ins Wasser zu tauchen. Danach wurde ein Wunsch meines Bruders erfüllt – es ging nach Glennfiddich zu der berühmtesten Whiskybrauerei Schottlands. Dort machten wir eine Führung und durften danach verschiedene Jahrgänge verkosten. Mein Bruder – der einzige auf das Auto zugelassene Autofahrer musste sich zähneknirschend mit dem Beschnuppern der verschiedenen Sorten zufriedengeben. Leider kann ich Whiskey nichts abgewinnen – mein Mund fühlte sich nach dem Probieren einfach nur taub an. Gut, dass im Anschluss meine Castle – Wünsche erfüllt wurden – Glamis Castle hat mir besonders gefallen. Hier ist die Queen Mum und Ehefrau von King George VI aufgewachsen. Mein Englisch Maturaprojekt drehte sich um den berühmten stotternden König wider Willen und da ich sowieso eine Schwäche für alles habe was in irgendeiner Weise mit englischer Geschichte zu tun hat, war ich dort nur durchgehend am schwärmen und emotional werden. Dann wurde es knapp – bis um 5 Uhr mussten wir das Mietauto wieder zurückgeben und mit dem heftigen Verkehr pünktlich zum Fringe Festival in Edinburgh hatten wir absolut nicht gerechnet. Gott sei Dank verlief die Rückgabe ohne Probleme, wir schulterten unsere Rucksäcke und starteten durch Menschenmassen Richtung Hostel. Die Umstellung war für uns einfach gewaltig – von unendlich scheinenden Landschaften, riesigen Seen, Feldern mit ein paar vereinzelten Schafen, auf einen Schlag wieder in einer großen Stadt zu sein war einfach schräg und hat uns echt ein bissl überfordert. Vor allem Christian der, wenn er mich mal in Wien besucht, spätestens nach den ersten 30 Sekunden in der U6 einen Anfall bekommt, kam mit den vielen Leuten nicht zurecht. Als dann im Hostel auch noch sein Bett zu kurz und der asiatische Stockbettkollege eine ganze Wassermelone in Kombination mit Milch und Hendlhaxn aß, war seine Geduld relativ am Ende und man sah ihm an, dass er nicht so recht wusste ob er lieber weinen oder lachen soll. Am nächsten Tag war aber alles wieder gut, weil ihm dann ein Kindheitstraum erfüllt wurde. Im Museum für Luftfahrt konnte er zum allerersten Mal, real life, no shit – eine echte Concord sehen. Falls ihr euch jetzt fragt was das ist – ein Flugzeug! Hierzu muss erwähnt werden, dass mein Bruder schon mit 5 Jahren vor dem Flightsimulator saß während ich mich daneben fleißig mit Paint vergnügte. Fliegen hat er im Blut – schon mein Großvater und auch mein Papa sind früher regelmäßig geflogen und Opas Klingelton ist „Über den Wolken“. Egal worüber wir in den nächsten Tagen sprachen, Christian schaffte es immer wieder das Gespräch iwie auf Flugzeuge zu lenken und so saßen wir nicht nur einmal da und beäugten seine geschossenen Fotos. „Also das Essen in dem Pub war eeeeeecht gut“ – „Wissts was noch gut war ? – A Concord von innen zu sehen!“.

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Edinburgh ist eine Stadt mit ganz ganz vielen Geschichten – z.B hat J.K Rowling hier in einem Hotelzimmer Teile ihrer Harry Potter Romane verfasst, auf einem Friedhof in der Innenstadt gibt es ein eigenes Grab für einen Hund der gemeinsam mit seinem Herrl als Verbrecherjäger Kultstatus erreicht hat, John Knox liegt hier unter einem Parkplatz begraben ec. Auch in diese Stadt will ich unbedingt wieder zurück – Dank dem Fringe Festival – einem Kulturfestival bei dem es um Kunst, Literatur, Film, Theater ec. geht, waren in den Straße immer Künstler unterwegs die Teile ihrer Stücke zum besten haben, die Besucher wuselten auf den Food und Vintage Markets herum und am Uni Gelände gab es eine unendliche Menge an Food Trucks. Es kam wieder Italienfeeling auf – Leute mit Getränk in der Hand auf der Straße, viel Lärm und einfach eine gute Stimmung. Am besten haben mir die „Silent Disco Touren“ gefallen– so hab ich sie getauft. Die Teilnehmer hatten nämlich alle Kopfhörer auf und hörten dieselbe Musik – und so zogen sie tanzend durch die Straßen und animierten alle Zuschauer zum mitshaken. Da konnte man einfach nicht still sitzen bleiben J

Nach Edinburgh ging es noch weiter nach York und Cambridge. Auch hier verlief alles ähnlich wie bisher – in York nahmen wir an einer Ghost Tour teil – York gilt nämlich als eine der most haunted cities auf der Welt. In Cambridge wurde uns dank weltbekannter Universität wieder in Erinnerung gerufen, dass bald die Uni wieder startet – ab Oktober nämlich auch fürs Schwesterlein – woraufhin mein Bruder und ich unseren Frust ein wenig im Alkohol ertränkten. Klingt schlimmer als gedacht – Christian und ich haben das Glück oder Pech – wie mans sieht- dass wir ziemlich wenig vertragen und dann noch der gleiche Betrunken-Typ Mensch sind – Blödsinn labern und alles mega lustig finden, also kurz gesagt – ziemlich anstrengend sein. Am Heimweg seufzte meine Schwester – die komplett immun gegen Alkohol zu sein scheint – nur „Also wenn ihr alleine unterwegs wärt …“

London hat uns schließlich den schönsten Abschied beschert den man sich vorstellen kann. Im obersten Stock unseres Hostels gab es eine kleine Aussichtsterrasse die eigentlich immer versperrt war. Am letzten Abend war sie aber offen und wir 3 dann die einzigen Gäste oben. 10 Minuten sind wir dann erstmal nur am Geländer gestanden um einfach nur zu sehen – um diese unglaubliche Aussicht zu fassen – der Himmel – getaucht in ein intensives Rosa und die Abendsonne reflektierte sich in den Glasfassaden der riesigen Gebäude. Die Millionenmetropole London wirkte auf einmal ganz entschleunigt und ruhig – als wollte sie uns vermitteln – < Ihr habt es geschafft. Willkommen zurück> und meine Geschwister und ich standen nur da und lächelten glückselig – vielleicht in Gedanken daran mit wie vielen schönen Erinnerungen im Gepäck wir nun wieder in die Heimat zurückkehren durften.

21744598_10208095403421596_1499554989_nNach den 3 Wochen 24/7 Geschwisterpresence kann ich euch nur raten – Wenn ihr das Glück habt eine Schwester oder einen Bruder zu haben, packt sie ein und fahrt mit Ihnen auf Urlaub. Niemand kennt euch besser als sie – eure Launen, Phasen wenn ihr mal Zeit für euch braucht und Momente wo nur mehr Kaffee (Steffi + Christian) oder ein Keks (ich) hilft. Auch wenn wir uns zwischendurch ab und zu nicht sehen, hören oder riechen konnten, haben wir in den wichtigen Momenten zusammengearbeitet und zusammengehalten. Wir haben Rücksicht auf die Wünsche der anderen genommen und es so geschafft ein richtig schönes Programm zusammenzustellen von dem wir alle etwas hatten.

Unsere Favourites

 Free Walking Tours – Wir haben fast überall Sandman’s oder Footprint Free Walking Tours gemacht. Die Guides waren meistens junge Studenten

London

  • Hostel – https://www.wombats-hostels.com/london/ – Hier hatten wir den Luxus eines Badezimmers im Schlafsaal. Außerdem gabs im Erdgeschoss eine coole Bar (Man bekommt bei der Ankunft einen Getränkegutschein) und einen gemütlichen Außenbereich mit Hängematten.
  • Rapha Stores – Für alle Radfanatiker ein absolutes Muss. Die Läden sind richtig stilvoll gestaltet und bieten im eigenen Café Getränke und Snacks an. Christian hat sich hier sofort zuhause gefühlt – wahrscheinlich weil er wie 90% der anderen Kunden die berühmten Radfahrer Bräunungsstreifen vorzuweisen hatte – übrigens ….nur mit diesem Aussehen wird man hier ernstgenommen 😉
  • Das Kipferl – ein österreichisches Café im coolen Viertel Islington. Rund um die Ubahnstation Angel gibt es viele kleine Lokale und Vintageshops. http://www.kipferl.co.uk/locations/

Bath

  • Hostel – http://www.bathymca.co.uk – Auch dieses Hostel war sehr sehr süß und der Schlafsaal erinnerte mich mehr an ein gemütliches Wohnzimmer. (Und Schminktisch im Zimmer gabs auch).
  • Alexandra Park – Wagt den „Aufstieg“ und genießt einen wunderschönen Blick auf die hügelige grüne Landschaft und die Stadt.

Cardiff – Jeder der auf Burgen steht sollte unbedingt Cardiff Castle machen. Aus dem anliegenden Park starten auch günstige Bootstouren in den Hafenbereich. Für Fußballfans ist natürlich das Stadion ein absolutes Muss – hier fand in diesem Jahr auch das Champions League Finale statt.

Bristol –

Chester – Hier empfehle ich euch : Einfach treiben lassen, bisschen shoppen gehen und unbedingt einen Blick in die riesige Kathedrale werden. Ach ja – und unbedingt einen Spaziergang auf der Stadtmauer machen J

Isle of Harris –

Isle of Skye – Früh genug Accomodation buchen. Mehr gibt’s nicht zu sagen haha.

York

Cambridge –

  • Bester Burger – http://www.butchannies.com/wp-content/uploads/BA_Main-menu_web.pdf – Ich schwärme noch immer von dem Burger hier. Es war echt einer der besten meines Lebens – no shit.
  • Pub – http://pintshop.co.uk – Hier hatten wir unseren kleinen Absturz – immerhin gepflegt mit gutem Gin und Ales. Um die Ecke gibt’s übrigens ein empfehlenswertes Standl bei dem es Onion Rings gibt die um 2 Uhr Früh besonders gut schmecken.

Ullapool

  • Fantastische Fish and Chips bei Seafood Shack.
  • Argyll Hotel – Hier gab es unten ein Café das Christian im Independent Coffee Guide entdeckt hat. Nette Beratung und guter Kuchen.
  • https://www.indycoffee.guide

Dundee – 

Fraserburgh – 

  • Hotel: https://www.jdwetherspoon.com/hotels/scotland/aberdeenshire/the-saltoun-inn – Hier haben wir über booking.com ein mega günstiges Angebot für ein Familienzimmer bekommen
  • Schottland Ostküste – Im Westen von Schottland findet man raue Natur wie zum Beispiel im Glencoe Tal, große Seen und unberührte Landstriche – im Gegensatz dazu ist man im Osten „wieder unter Menschen“. Gefallen haben mir fast alle Orte entlang der Ostküste – besonders der Strand bei Fraserburgh war toll.

 

 

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Julie’s big fat Bologna guide

IMG_9174Those who are following me on Facebook or Instagram know – my Erasmus semester is officially over, which does not mean that I have fully arrived in Austria yet. No – my grieving process has only begun which is probably just part of everybody’s Erasmus experience. In order to cope with this mass of emotions I am currently experiencing (haha) I decided to collect all of my knowledge concerning my favourite city to provide future Erasmus students or just Bologna – tourists with an easy-written guide that includes my favourite spots concerning eating, free time, views, sport, escursions and … jep food again. When I arrived in Bologna, I had soooo many questions and was just overwhelmed by the city in general, the huge university and having to handle sooo many different things on my own + in Italian. Maybe this guide will help you to successfully start your Erasmus semester in this beautiful place – before we start: You made a really good choice ❤

  • After your arrival don’t immediately abandon yourself to Prosciutto and Mozzarella, maybe finding a place to live for the following 6-12 months might be a good idea. I was extremely lucky because I found my room in the perfect apartment including the greatest flatmates really early. I consulted the following websites and wrote a post in which I introduced myself and described what I was looking for. Thankfully a German girl responded immediately which made the – finding a room project – a lot easier.

https://www.facebook.com/groups/172693152831725/

https://www.facebook.com/groups/BolognaAffittoStudentiLavoratori/

https://www.facebook.com/groups/ErasmusBologna20162017/

  • In order to sign a housing contract you definitely need a Codice fiscale – which is your personal tax code card ! I went to the “Agenzia delle entrate” which is 30 minutes outside of Bologna. You can take the bus Nr. 14 or 55 to get there. (https://www.tper.it/bo-14 – here you can find all the bus lines and its stops) In case you made it there I would advise you to go to one of the Information points which you can’t miss as soon as you’ve entered the building. “Bongiorno, avrei bisogno di un codice fiscale per favore” – should be sufficient. The man who approached me was really really nice, helped me fill out various forms, and on the whole, it didn’t take me longer than 45min to get the code (waiting time included).There will be a similar code on your university badge – Remember: This is NOT your personal “codice fiscale”.

http://www.agenziaentrate.gov.it/wps/content/Nsilib/Nsi/Home/CosaDeviFare/Richiedere/Codice+fiscale+e+tessera+sanitaria/Richiesta+TS_CF/schedai/

http://www.agenziaentrate.gov.it/wps/file/Nsilib/Nsi/Strumenti/Modelli/Modelli+in+altre+lingue/Vordrucke/AA4+8+tedesco/Vordrucke+AA48+Editierbare/AA4_8_Modello_TED.pdf – This is the form you can already print out and bring along with you (they have forms there as well – this particular one is the bilingual version in German and Italian but they are available in other languages too).

  • After your arrival in Bologna you should probably do your Erasmus check-in at the International Office in Via Filippo Re, which is really close to Via Zamboni – one of the streets you will be familiar with pretty soon 😉

http://www.unibo.it/en/international/contacts-for-international-students – here you can find all the contacts of the University of Bologna which might be helpful for you, such as The International Desk in Via Filippo Re 4. In order to complete your Check-in you should bring along a small photo of you – one that is similar to the one in your passport- for your university badge. Moreover, you’ll get an invitation for one of the Welcome Sessions which usually takes place a few days after your Check-In. There you will be finally equipped with your University badge which you have to bring along to all of your exams!

3) At your home university you already filled out your “Learning Agreement before the mobility” and chose courses you want to take during this semester. It is pretty likely that you will want to change or add a few of them. I changed nearly all of my courses and as soon as I decided on what I wanted to do I added them to my Study Plan on Almaesami. Your courses must be part of you Study Plan in order to have access to exam dates.

https://almaesami.unibo.it/almaesami/welcome.htm

If there is anybody who has questions regarding the last points à just write me a message.

Let’s move on to the more entertaining parts. Food plays a major role in Bologna – I guess, I spent most of my Erasmus scholarship on the various specialities that are offered in this great city. I truly had the impression that people living here are appreciating food a great deal and employ loads of time to taste different types of wine, meat, cheese, dolci etc.

APERITIVO

A concept that I learned to love in Bologna is “aperitivo”. There are several places that offer aperitivo – you just order a drink and have access to a buffet. Italian people very often take aperitivo before having dinner at home and don’t eat that much. Poor Erasmus students, however, can save lots of money by “investing into this concept”. My favourite places were the following :

Naerea – I usually payed between 5-6 Euros, depending on whether I took an alcoholic or a non-alcoholic cocktail. I really liked the non-alcoholic fruit cocktails because they were served with lots of fresh fruit and are very refreshing especially in summer. The buffet is not that big but everything that’s offered is of good quality, pizza is good!

http://www.neaeraloungebar.com/contatti.html

Lab16 – This place is in Via Zamboni and it’s usually really crowded which is why it’s probably a good idea to make a reservation beforehand. I usually payed 7 euros – Aperol Spritz + buffet which is huuuuuuuuuuge and offers soooo many different antipasti as well as pizza, pasta ec. It’s lovely to sit outside on the small piazza when it’s warm.

http://lab16.it/contact/

Cucchiaio d’oro – I will be honest with you: In case you’re planning to get a little wasted – Cucchiao d’oro is the perfect pre-drinking spot. You have to pay 12 euros in order to have access to a rather small buffet and drink “UNLIMITED” until 11 p.m, I can hiiiighly recommend the homemade Sangria and making a reservation. Cucchiaio d’oro is located in Via Petroni where you can find numerous places where you can grab a drink or a shot at reasonable prices.

http://www.cucchiaiodoro.it/contatti.php

C’entro – I only went there once to have an aperitivo but I was rather impressed with the quality of the drinks as well as the food. Altogether – 1 drink + buffet = 8 euros. The Pina Colada and the Mochito were really nice.

http://www.camst.it/centro-bologna

Prosciutteria – My flatmate Alessandra recommended this place to me and I simply loved it. It felt as if I was having dinner at an Austrian “Heurigen” given that they serve huge plates with various kinds of cheese, prosciutto, sausages, fruits, vegetables conserved in oil ec. Don’t take your vegan or vegetarian friends there, huge pieces of prosciutto are hanging from the ceiling. (I did not particularly like that they only use plastic plates and cutlery, hopefully this will change in the future).

STREETFOOD

Are you planning to gain a little weight ? – Bologna – great choice. In my hometown, I’m usually having to face the problem of not finding a place to eat after 2 a.m. – here in Bologna it was the other way round. Too many places were still open and I was just trying to not fall for all the different delicious types of Streetfood.

Piadina and Tigelle

Piadina is a typical Bolognese flatbread filled with e.g. prosciutto, parmigiano, grilled vegetables, radicchio, ec. – Tigelle is more or less the same but smaller and in a round version. I really loved the ones from Tigelleria Tigellino and Piadineria la Piadeina (both are in a small side road of Via Rizzoli) because they offer a great range of vegetarian, “normal” and even sweet ones. I’m a big fan of the sweet one filled with ricotta, chocolate flakes and honey.

http://www.tigelleriatigellino.it

https://www.google.at/maps/place/Piadineria+the+Piadeina/@44.4942272,11.3452154,15z/data=!4m5!3m4!1s0x0:0xe77f2053c432bf71!8m2!3d44.4942272!4d11.3452154

Pizza

The place where you can buy really really cheap and goooood pizza is Pizza Casa – Trust me – absolutely everybody in Bologna knows this place. When it was still cold we usually went out to party in the city centre and before going home we often grabbed a pizza, sat down on the floor in Piazza Verdi and enjoyed the Dolce Vita. Margherita – 2,50 € – do I even have to say more ?

https://www.google.at/maps/place/Pizza+Casa/@44.4975439,11.3458898,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x477fd4bcf8cd026f:0xec3ffc36946de1f4!8m2!3d44.4975439!4d11.3480785

When it comes to good pizza and Italian food in general I can also recommend Trattoria Belle Arti – the pizza is enormous and delicious or Osteria dell’Orsa.

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Secret Bakery

Given that it’s secret – I want to make sure it remains one so I am not telling you where it is 😉 It is a bakery that is open from 1:30 a.m to 6 a.m in the morning which makes it the perfect place to end a night out with friends. You always have that one friend who rather fancies a cornetto con Nutella instead of pizza.

Greek Pita

Given that my Erasmus Bestie is Greek, I was quickly introduced to places that offer great Greek food. I parituclarly loved a place that sells amazing Greek pita with Gyros, Tsaziki, chips, onions, salad, tomatoes and sauce for 5 euros in the beginning of Via Pratello – you can’t miss it.

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BREAKFAST

As you probably know, Italians do not really give a fuck when it comes to breakfast. Usually a few cookies and a strong cappuccino or espresso are sufficient to start the day. As an Austrian, I really do care about breakfast and I don’t feel very much alive without getting something between my teeth. I was so happy when one of my friends discovered this place: Pappare ! It is really close to Via Zamboni and the 2 Torri, offers great coffee (When it’s hot I highly recommend the caffè estivo), Müsli/Granola and …… Cinnamon rolls ❤

https://www.tripadvisor.at/Restaurant_Review-g187801-d11660959-Reviews-Pappare-Bologna_Province_of_Bologna_Emilia_Romagna.html

DRINKS AND GOING OUT

In Bologna the people usually order a drink inside a bar and then gather outside on the street to talk, laugh and be quite loud in general. In Piazza Verdi there are guys walking around whispering “fumoo fumoo?” – or “birra, birra?” or even “Bici bici ?”. 1. Rule – Don’t buy your bike in Piazza Verdi – it will be stolen for sure!. Stick to “birra birra” and you will be provided with cold beer that costs around 2 euros.

Moreover, you can have a drink nearly everywhere in Via Petroni or Via Pratello. In Via Pratello you are more likely to actually encounter Italian people – or maybe even people from Bologna, which is considered the coolest thing ever among Erasmus students – “Look here is my friend Irene – she’s from Bologna!” – “You mean Bologna Bologna ?” – “Jep” – “Nooooo fucking way ?!”

On Wednesdays we also liked to participate in so called “Tandem nights” that took place in either the Empire pub or “The Cluricane” – both in Via Zamboni. As an Erasmus student you get a discount of 1 euro on almost all drinks. There we met soooo many people from all around the world while sipping a nice Guiness.

In winter, we often went to Hobby One which is located in the city centre, in summer, however, we changed to the Chalet in the Giardini Margherita. It’s a huge disco in the middle of the park with a particularly nice outside-area. Before going there, we often joined the so called “Botellon” organised by the Erasmus association “Erasmusland”. Just bring your own drinks and join the “gettogether” before moving on to the dancefloor and killing yourself because you have to listen to Despacito again for the 1000 000th time.

I also recommend simply buying a few bottels of wine and sitting down in Piazza Santo Stefano. It’s absolutely stunning because of the lights and the church and the relaxed atmosphere there. + don’t give in on strange guys who want to sell lighters that have the shape of a toilet to you. (After 5 months of avoiding these people I really felt the need to possess one of those toilet lighters .. just because )

Another really small place I discovered waaay to late was “Ruggine” in Vicolo Alemagna which is also just around the corner from the Due Torri.

http://www.ruggine.bo.it

ICE – CREAM

How could I forget about Ice cream – Italian gelato – which just cannot be compared to any other ice cream offered in your home country. My favourite places to grab a “cono” or a “coppa” were the following

Cremeria Funivia – Try “Alice“ – you won’t be disappointed. Before putting the absolutely delicious ice cream in the <cono> they add melted warm chocolate – do I have to say more ?

Cremeria Santo Stefano – Pistaccio for sure. – Crema di pistaccio in general, it’s gorgeouuuuuus.

FREE TIME

Apart from constantly being at university and studying (HAHA) we also had some time to explore the surroundings of Bologna – such as the pretty pretty … countryside. I can recommend going to 300 scalini – the perfect place to have a nice picnic and watch the sun go down on a clear day. Moreover, you could also walk up to San Luca – it takes around 40 minutes, depending on your overall condition. Don’t drink alcohol beforehand and don’t go on a hot summer day, you will die – but still, the view from the top is amazing and definitely makes up for the torture.

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As I have already discussed on the Blog – I loooooooove great views and Bologna is the perfect place for that. First of all, you have to go up Torre degli Asinelli. Even though local students believe that going up the tower before having graduated from university brings bad luck, I would take the risk because the view is absolutely stunning. 498 steps + really narrow stairs– you will definitely burn some calories – which is obligatory concerning the great food in Bologna. (ticket – 3 euros)

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My fellow Austrian friend Gernot also introduced me to a really nice place where we had an amazing view of Bologna. Next to the church of San Michele (breathtaking view from there – I nearly started to cry when I went there for the first time), there’s a hospital that has a huge panoramic terrace. We actually wanted to watch the sunset, but due to clouds and trees that covered the sun, we just ended up eating chocolate croissants and enjoying the changing colours of the sky and the tranquillity surrounding us. (Attenzione – it closes at 9 p.m)

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In addition, you can also take the stairs, or the elevator up to the panoramic terrace next to the Archiginnasio. It is located at the backside of the duomo and you have to pay 3 euros. Finally, my flatmates also told me about the campanile (bell tower) of San Pietro which is located in Via dell’Indipendenza.

On weekends, my Erasmus buddies and me very often took trips to different cities. I recommend going by train as taking the regional ones is rather cheap. I can also recommend Flixbus, which is also a cheap way to travel (Bologna-Rome – I payed 15 euros!!) https://www.flixbus.at . Another way of traveling that I tried twice is BlaBlaCar. On their homepage, you simply enter where you would like to go and see if anybody is going there by car and offers seats. I went to Innsbruck once and paid 20 euros and had a great travel companion! + I also went to Rome by BlaBlaCar and paid 17 euros.

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In general, Bologna has the perfect location to go to various cities in the north. When it was still cold, we went to Ferrara and Modena (20m by train). Moreover, you can also go to Parma, Firenze, Venezia, Verona ec. In summer I would recommend going to Riccione or Ravenna to enjoy a nice day at the beach! During the Easter holidays my girl squad and me went to San Benedetto al Tronto which is a bit further in the South but really easy to reach by train. Moreover, I visited my friend Jessica in Rome and we had the craziest Italian dining experience ever. We went to a restaurant called Dino e Tony as recommended by my Roman buddies Lorenzo and Giacomo (Grazie di nuovo. Mortacci vostra!). From the outside it looks like a pretty small and calm place and you can’t even see inside. As soon as we walked in, we were stripped of the capacity to make decisions regarding what we would like to eat. The waiter came over to our table and asked “Antipasti??” and we answered “Do you have a menu ?”. The guests sitting next to us just slowly shook their heads and couldn’t hold back their laughter. From then on the waiters just put various dishes on the table, provided us with wine and ignored our desperate attempts to protest. – therefore, we just let it happen and we had the best food night ever! Everything we tasted was absolutely delicious and homemade – please try the “granita al caffè con la panna”. Afterwards I felt pretty close to having to give birth to a foodbaby and my stomach hurt because we were laughing the whole evening!

In Bologna, there are 2 big Erasmus organisations. I became a member of Erasmusland which offered so many cool trips. I took the trip to Napoli and to Cinque Terre. Both of them were really well organised and really cheap! Take a look at their homepage – they also host many events in Bologna such as movie nights and sometimes you get a discount on entrance fees or drinks in discos when you are a member. http://www.erasmusland.org/section/index.php?section_id=Bologna

In case you want to do sports and don’t have enough money to afford going to a “palestra” = fitness studio, I recommend simply going for a run and exploring the outdoors at the same time. I particularly liked running up to San Michele and even in the city centre in the late evening. – The Giardini Margherita are the perfect place for doing sports.

Where to study?

At some point during your Erasmus semester you will have to do some work for university. I’m not a big fan of studying at home as I’m really good at distracting myself. Therefore, I was determined to find the perfect library in Bologna.

Sala Borsa – It’s the eldest libraby in Bologna and it is located in Piazza Maggiore – you just can’t miss it. Tourists are allowed in there, which is why I recommend going to the first floor to study to escape the crowds. There are places to charge your laptop, a café and the inside of the building is just beautiful. (It can be really busy at times, so make sure to be amongst the first who throw their towels on the limited number of chairs before rushing back to the café).

Other libraries I really liked were

The library oft the Dipartimento di musica e spettacolo in Via Barberia as well as the one in Sede S. Cristina – Portineria – piazzetta G. Morandi, 2.

SHOPPING

Of course you can find many popular supermarkets such as Carrefour, Pam, Meta or Coop in Bologna but I preferred buying my fruits and vegetables in a shop in the end of Strada Maggiore. Coming from the Due Torri it is located on your right, in front of the post office, next to a cash machine. Shopping there is waaaay cheaper than in the supermarkets. After some time the owner of the shop even accepted that I always brought my own bags and did not mean to offend him by not using his plastic bags.

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http://www.bolognawelcome.com/home/vivi/shopping/tipologia-di-acquisto/mercati/mercato-ritrovato/ – “Slow Food” Market in Bologna

Meta offers a 10% discount for university students – you just have to show your badge! Carrefour also has a “Spesa Online” = Online Shopping option – which is really helpful when it comes to ordering water to your home – you won’t have to carry all those bottles up to your apartment.

https://myshop.carrefour.it/spesa-consegna-domicilio/20133

Given that I am really interested in sustainably produced fashion, I loved Bologna for its Vintage stores and Fair Fashion shops.

My favourites were the following:

  • Vintage Boutique by Silvia Fini – Via Massimo D’Azeglio. The owner knows the story of her pieces of clothing and I found I really nice original top from the 50s.
  • There is another sweet Vintage store next to the Gelateria Majori in Via Guglielmo Oberdan.
  • Gruccialterna – They sell handmade clothes that are all sewed in Bologna. They also offer bracelets, rings, socks or backpacks.

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I really really hope this is of any help for some of you. I loved my time in Bologna and I truly believe that you will do too ❤

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiße Decke

UK6Ich starr nach oben,
unbeeindruckt starrt sie zurück – die weiße Decke..
was will ich schon – von einer weißen Decke ?
“Erklär es mir !” – bitt ich sie lautlos
“Wie spricht man mit Decken?” – frag ich mich und blick hoch.

>Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Fülle von guten Tagen< pflegte schon meine Mutter schon immer zu sagen, wenn meine Geschwister und ich uns damals – im Urlaub – halb im Pool ertränkten, uns die Pommes vom Teller fraßen und uns beim Autodromfahren rein gar nichts schenkten.

Warum hab ich ihn bloß – diesen Kloß im Hals?
Hab doch nichts zu beklagen-
schöne Stunden erlebt
Freundschaften gepflegt
Ausblicke genossen
gut gegessen – und hey! – noch nicht mal was vergessen. Ach shit, außer die Seife in Chester, aber das ist halb so wild, denn Seife – ja die hat auch die Schwester.

“Weiße Decke, erklär es mir – starr mich nicht nur an. Es ist diese Stille mit der ich nichts Anfang. Doch die Decke bleibt still…
– geht ihr wohl ziemlich am Putz vorbei, dass ich ein auditiver Lerntyp bin.
bleibt an Ort und Stell,
und starrt zu mir runter.
Rat and Fremde vergibt sie nicht, ja das ging ihr zu schnell.

Und während ich so lieg und mich frag
wie es die Decke wohl mit Beziehungen pflegen mag,
spür ich wie er langsam verschwindet, der Kloß in meinem Hals,
seinen Weg hinaus findet und ich mir sag:
“Gibt doch keinen Grund dich immer zu sorgen – bloß keine Angst haben,
schon gar nicht vor morgen.”

Wird so viel geben zu erzählen,
Geschichten die erst geschehen
– Mappen auseinanderfalten
– all die Pfundmünzen verwalten
– Scones mit Cream beschmieren
– vielleicht endlich Toffee probieren
– Bruder in Glasgow empfangen
– ziemlich fix ums neue Mietauto bangen
– für Hotelduschen ein Ranking erstellen
– dem Schwesterlein – ich zitiere “wieder Unfähigkeit unterstellen”.
BTW das mach ich nicht mit Absicht, manchmal fehlt mir einfach die Geduld,
nicht für dich sondern für mich selbst.
Ich hör mich schon seufzen wenn wir wieder ahnungslos vorm Süßigkeitenregal stehen,
den Ausgang nicht finden und unsere Finger sich kreuzen auf den maps aller cities in the U.K.

Draußen pulsiert noch die Stadt
und erfüllt diesen Raum.
– drängt sich durch jede Ritze
ein neuer Sound.
Die Charts im Mix mit lautem Grölen und Beatles Coverbands,
hinzu gesellt sich ein ächzendes Stockbett, ein Seufzen..
und ich geb zu mir gefällts. – und schon wirkt sie gar nicht mehr weiß
– die weiße Decke – und so schau ich nach oben, doch frage nichts mehr.
In Gedanken färb ich sie längst bunt, die weiße Decke.
Von ihr brauch ich keinen Rat, keinen wohlwollenden Blick, oder ne Antwort
– denn die liefert das Leben wohl selbst und es reicht wenn sie zuschaut.

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Der Text ist entstanden, als meine Schwester und ich Station in Liverpool gemacht haben und ich eine Zeit lang das sonst so wuselige Hostelzimmer mehr oder weniger für mich allein hatte. Schwesterlein, der Text ist dir gewidmet – ich hatte die letzten 3 Wochen wirklich einen unglaublichen Spaß und ich bin überzeugt, dass wir ein genial- verschrobenes, verwirrtes Travelteam sind. Manchmal frag ich mich nur was in deinem Kopf so vorgeht, wünschte ich hätte mehr Einblick und könnte dir öfter zu verstehen geben, dass wir vielleicht gar nicht so unähnlich sind wie du oft denkst. ❤

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Wolken im Kopf

IMG_3680.JPGFür eine Freundin

Wir gehen rauf auf den Berg
blicken rüber zum Strand,
die Hand geb ich dir nicht,
eher seh ich dich an.
Das Haar so lang, fast ein wenig blond, dein Blick leicht verloren
– Stunden im Flugzeug, das alles
für mich, und dennoch…
Die Fehler suchst du bei dir anstatt zu schauen und zu sehen, dass ich es bin der die Dinge verkompliziert und probiert alles schwerer zu machen als es tatsächlich ist- denn darin bin ich gut.
Rauf zum Himmel ists blau und ich sag “schau doch genau” – wie sie fliegen die Vögel und gleiten im Wind- so möcht ich sein und so
will ich ihn gehen meinen Weg, will nicht im Weg stehen, nicht zu weit gehen, am liebsten alles verstehen und mich selbst und die Dinge von oben sehen.
Und mein Blick – er bleibt hängen an dir, und ich kann mich sehen in deinen Augen, zum allerersten Mal – ach könnt ich nur ein klein bisschen so sein wie du.

Doch spür ich sie kommen,
und sie trüben die Sicht,
ignorieren alle Klarheit,
Lichter brauchen sie nicht.
Ich hab Wolken im Kopf,
die sonst keiner sieht,
und so gibt’s keinen Schalter, keinen Knopf, kein Hochdruckgebiet oder ein Wunder das einfach geschieht – sondern nur deine Hand die du mir wieder und wieder herstreckst, doch ich nehm sie nicht an.
Und mein Blick – er bleibt hängen an dir.
Ich hab Wolken im Kopf und das ist wohl der Grund warum ichs einfach nicht kapier, was es heißt loszulassen und Platz zu schaffen,
Für dich
Für uns
Ein Wir.

 

Haus, Kinder, Hund …

Du sagst du willst ein Haus, Kinder, vielleicht einen Hund
Du blickst mich fragend an – „Und du ?“ –
„Ich weiß nicht“ – hab keinen Plan, ja und ?
Fragen die im Raum stehen – mit 21, ich dreh mich um.. muss ich mir über sowas wirklich schon Gedanken machen ?

Was fang ich an – mit dem angerissenen Stück Leben?
Ewig treiben lassen, ‚Mal-schauen-Mentalität’ trifft auf immer weniger Anklang
Bachelor, Master – was dann? Ach, schauen wir uns doch mal die anderen an
Eltern schütteln den Kopf, Freundin träumt schon von Hochzeit – „Wart nur ab, auch bei dir ists mal soweit“. Mein Herz krampft sich zusammen, setzt einen Augenblick aus – ich blicke in den Spiegel – Will ich das auch ?
„Das ist meine Kleine, die Bella – ach ja und nächste Woche feier ich meinen 23. – hast du Zeit?“ – Ich hör nur halb zu, 23 und Mama, achja ist schon das Zweite, wie schön – ich schau lieber mal ob ich meinen letzten Zug noch erreiche.

Dieses Fehlen an Überlegungen, das passt nicht zu dir – oder ist es gerade das?
Am See liegen, das Wasser unter den Füßen vorbeiziehen sehen, abends im Zimmer Nachtfalter fangen, dir das Wasser reichen – einmal tief durchatmen.
Ist es das was wir meinen wenn wir uns so sehr auf „nicht das Ziel sondern die Reise Gebrabbel“ versteifen ?

„Wenn du mal keine Familie willst – was willst du dann?“
Hm, „Ich weiß nicht“ – hab keinen Plan, ja und ?
Aus der Windel, erste Blicke, uns verlieben, „Willst du meine ….“ – ach hör schon auf, das kann doch nicht alles gewesen sein! – Wo wartet sie – die Erfüllung, die Antworten auf all meine Fragen, bedingungslose Zufriedenheit nach der wir uns so bitterlich sehnen ?
Und mit all diesem Nachdenken nehm ich mir wohl die Möglichkeit es selbst zu erleben.

Und so mach ich mir einen Zeitplan – 30 Minuten am Tag Nachdenken, das muss doch genug sein. Doch das Rad interessieren meine Pläne nicht und so dreht es sich unermüdlich weiter und weiter – und erst jetzt merke ich, dass es an mir liegt die Zweifel zu beseitigen, mich auf die Reise zu begeben, nach Antworten, nach der Liebe – zu suchen, sie zu leben und auch mal danebenzuliegen. Haus, Kinder und Hund – vielleicht mal, noch habe ich andere Prioritäten – Was ess ich zu Mittag -wo zur Hölle ist mein Pass und sollt ich mal checken ob ich meine Fahrkarte überhaupt mithab ?

Warum spricht man solche Fragen überhaupt an ? – Ich bin 21, woher soll ich wissen ob ich mir ein ganzes Leben mit dir vorstellen kann ? Andere können das, ich eben nicht und so stehen wir vor der Entscheidung ob wir jenen Fragen und deren vermeintlichen Antworten eine Bühne geben. Ich wollte mich nicht damit befassen, ich wollte chillen, die Hände vom Lenker nehmen, mich in den Süden zurückversetzt fühlen – durch das Zirpen der Grillen, den Ausblick genießen, Liegen auf den Terrassen dieser Welt und erfüllt sein vom Nichtfassen der Wege und Dinge die passieren und einfach mal akzeptieren, dass wir sind wie wir sind und alle Möglichkeiten haben und sie ergreifen können solange wir nicht daran zerbrechen sondern uns erlauben glücklich zu sein, unser Herz auf der Zunge zu tragen, uns die Hände zu reichen, Momente zu speichern und aufzuhören uns andauernd zu vergleichen. Das alles mit dir – oder auch nicht. Alleinesein war noch nie mein Problem – eher andersrum, aber das kennen wir ja.

Wir alle kommen an, irgendwann und vielleicht blicken wir dann zurück und realisieren wie lächerlich es war geplant so haben was nicht zu planen ist oder wir bedauern so ziellos gewesen zu sein..

Aber im Moment will ich den Ausblick genießen, die Augen schließen, und akzeptieren, dass ich bin wie ich bin – mit ganz viel Kopfzerbrechen.
Mein Plan reicht bis zum Bachelor, dann – na klar reisen, doch nicht weiter – schlussendlich macht das Planen das Leben nicht leichter.
Haus, Hund (ein Mops wär doch fein), Kinder – ihr wartet auf mich. Vielleicht werden wir uns sehen, vielleicht aber auch nicht.

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“Ich bin unrund” oder der “Post-Erasmus Blues”

Irgendwie hat man das Heimkommen immer vor Augen, das Abreisedatum, der 2. Juli ist immer so über mir geschwebt, zu gerne habe ich verdrängt, dass es irgendwann, zu bald, wieder Richtung Heimat geht. Die Heimat – Segen und Fluch zugleich. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart. Natürlich hab ich mich gefreut meine Freunde wiederzusehen, die Berge, die Seen, das Essen, meine Familie – all das wiederzuhaben, meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können, aber was man zurücklässt ist dann doch einiges. Und dann diese Angst – ich weiß zwar, dass ich mich in der Zeit im Ausland verändert habe, die Veränderung sehen aber dann die Daheimgebliebenen eher als man selbst. – Angst mehr oder weniger vor mir selbst – vor dem Ich, dieser Version seiner Selbst – vor dem Erasmusaufenthalt. Ich weiß, dass mancher vermutlich sagen wird: “Mach ma halblang, du warst fünf Monate in Italien und langsam is auch wieder gut.” Aber so einfach ist das nicht – in dieser Zeit verändert man sich – wenn man nach Hause kommt schlüpft man nicht wieder einfach in seine alte Haut zurück – vor allem wenn man genug Pasta und Pizza intus hat, kommt man da schlichtweg nicht mehr rein. Und dann hatte ich Angst genau davor – wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen, wieder alten Problemen und Sorgen zu begegnen. Doch ich hab beschlossen mich meinen Ängsten zu stellen – ich war schon an Orten mit denen ich sehr viel verbinde, sowohl positive als auch negative Erinnerungen – Erinnerungen die mir Gänsehaut verpassen und mich die Luft anhalten lassen- und es ist gut gegangen. Einmal tief durchatmen und weiter gehts. Was ich in diesen Momenten, an diesen Orten gefühlt habe war eher Leere – ich dachte, dass mich Wellen an Emotionen aus dem Gleichgewicht bringen würden doch dem war nicht so. Was passiert ist, ist nunmal passiert – vielleicht bin ich endlich soweit weiterzugehen und abzuschließen. Im Zuge dieses Beitrags blicke ich zwar nochmals zurück, aber allzu oft werde ich mich dem nicht mehr widmen – jetzt bin ich eher am heulen weil ich einer der großartigsten Städte in denen ich je Zeit verbringen durfte zurücklassen habe und wieder zu Hause bin. Neue, wunderschöne Erinnerungen haben die alten, wegen denen ich mich oft elendig gefühlt habe, verdrängt und den guten die ich bereits hatte und dazugewonnen habe, Platz gemacht. Lange halte ich es daheim nicht aus. In der Arbeit bin ich von 7-16:00 – eine Arbeit bei der sich gefühlt mein Hirn zersetzt – würde ich nicht mit meinen jüngeren MitarbeiterInnen und ebenfalls Ferialpraktikantinnen quatschen und herumblödeln, wäre ich wohl schon durchgedreht. In der Arbeit komme ich nicht mal zum Nachdenken, irgendwie gelingt es mir im Moment generell nicht gut meine Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu richten. Parallel schreibe ich an diesem Beitrag, sowie an einem anderen in dem ich meine Lieblingsorte in Bologna präsentiere. 10 Minuten mache ich mein Sportprogramm, dann latsche ich wieder zum Kühlschrank, im nächsten Moment sitze ich auf der obersten Stufe des Pools und observiere Insekten die sich scheinbar mit Selbstmordgedanken am Beckenrand tummeln. Abends auf der Couch observiert mich meine Mutter und kneift die Augen zusammen. Ich keife los „Was ist denn?“ – „Du bist unrund…“ merkt sie an und schüttelt kaum sichtbar den Kopf. „Das alles stiehlt meinen Spirit“ grummle ich nur und ich vergrabe mein Gesicht im Polster. Schon wenn ich dies schreibe habe ich einen Kloß im Hals und wiegesagt, ich weiß, ich übertreibe ein wenig – Aber ich gebe mich grad einfach gerne diesem Sog hin der mich am Boden hält – dem Erasmus Blues. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Pubertäts-Remake – daheim fühle ich mich unverstanden und ich will die ganze Zeit nur raus, on the road, den Wind wieder in den Haaren spüren, die Meeresluft atmen und das Salz auf den Lippen schmecken. Meinen verbrannten Poppes im Spiegel betrachten, billige Pizza essen und meine Finger durchs verdörrte Gras gleiten lassen. Erst eine Woche da und ich bin schon wieder urlaubsreif. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Ich hab hier absolut alles was ich brauche – aber hier geht es nicht um Materielles. Ich fühle mich als wäre mein Horizont wieder näher an mich herangerückt und mit allen Mitteln will ich ihn von mir wegstoßen, den Himmel öffnen – alles von oben sehen. Hier in St. Pölten ist es nicht so leicht einen guten Hügel zu finden von dem ich einen Blick über die Stadt habe – für mich hat sich das Besteigen der Bologneser Hügel, einer der Torri oder auch das Hinaufgehen auf die Krankenhausterrasse immer angefühlt wie ein erlösendes Ausatmen. Wenn sich einfach alles anstaut, waren dies die Orte wo ich loslassen, die Augen schließen und einfach mal atmen konnte.

Himmel

Auch hier kommt in diesen Tagen einfach viel zusammen : Arbeiten, allen wieder Hallo sagen, Wohnungen besichtigen, vl bald in die Selbständigkeit starten… ich bin wieder in der Realität angekommen – eindeutig – spätestens dann, als ich mit einem leichten Druck mit dem Zeigefinger wieder zum ersten Mal den Induktionsherd betätigt habe und ein klägliches Geräusch von mir gab. Meine Schwester verdrehte bei dieser Aktion nur die Augen, drängte sich an mir vorbei und meinte „Get over it“. Theatralisch verkündigte ich auch beim gestrigen Grillen mein “1 Week at home anniversary” und erntete ein … „Jetzt gib an Frieden und iss“, in der Innenstadt lasse ich mich nur ungern vom italienischen Eisverkäufer wegziehen und meine Tennisladies seufzen nur hörbar als ich ihn irgendwie versuche in ein Gespräch zu verwickeln. Ich merke – Verständnis für meine Zustände fehlt eindeutig, aber es sind die kleinen Dinge die mir schließlich helfen. Die eine Freundin die mir für den nächsten Tag am Handy eine Veranstaltung mit dem Namen „Ich hab dich lieb ❤ „ einspeichert, die andere die einfach 2h mit mir im Pool hängt oder die, die dank einem mehrstündigen Telefonat Sizilienfeeling bei mir aufkommen lässt, Sprachnachrichten meiner italienischen Mitbewohnerinnen, beim Inlineskaten einfach mal laut lossingen obwohl da Leute stehen ( „I’m in loooooooove with your boooodyyyy – ah Grüßgott ..“) am See liegen und mich nach oben starrend in den Wolkenformationen verlieren…

Wiegesagt – der Erasmusblues gehört zur Erasmusexperience wohl einfach dazu und möglicherweise ist es gar nicht so schlecht meine Schwester beim Wort zu nehmen, denn ein Rezept für die Bekämpfung dieses Zustandes gibt es nicht – I’ll get over it – (mit ein bissi Sudern und ganz ganz viel <InschönenErinnerungenschwelgen> mit Riesenvorfreude auf neue).

Was ich auf Erasmus gelernt habe…

Mein Erasmussemester ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber das Ende rückt mit Riesenschritten näher, sodass es für mich langsam an der Zeit ist Bilanz zu ziehen. Gelernt habe ich viel während der letzten Monate – in diesem Post konzentriere ich mich auf zwei Aspekte bei welchen die Italiener Experten sind: Essen und Glücklichsein 😉

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  1. Den Umgang mit italienischem Essen

Beim Essen gibt es echt soooo brutal viele Unterschiede zwischen Österreich und Italien, dass ich mich in diesem Fall auf Pasta und Süßspeisen beschränke. In Italien ist Pasta heilig – Pasta wirfst du nicht in einen Topf mit kaltem Wasser und drehst dann den Herd auf– so schnell kannst du gar nicht schauen ist dir der holy-pasta-god nicht mehr wohlwollend gestimmt. Nein ernsthaft: Willst du es dir nicht mit deinen italienischen Freunden verscherzen behandelst du Pasta mit Respekt. Wenn du sagst, dass du beim Nudelessen gerne einen Löffel verwendest lachen sie dich aus weil du offensichtlich unfähig bist. Wenn du Nudeln länger als auf der Packung angeben kochst lachen sie dich aus weil du unfähig und noch dazu „schifo“ – widerlich bist. Solltest du es wagen 2 Nudelsorten zu mischen weil sich die eine Penne – Packung dem Ende zuneigt und du irgendwie auch Guster auf die Farfalle hast, wirst du im besten Falle ausgelacht, weil, ja richtig – du unfähig bist. In meinem Fall hat meine Mitbewohnerin nur gekeucht und gefragt :“Was zur Hölle machst du da – die haben unterschiedliche Kochzeiten“ – ach ja, ich dachte immer Italiener bekommen die Fähigkeit Nudeln ‘Al dente’ zu kochen mit der Muttermilch. Außerdem sollte man es ja nicht wagen seine Nudeln nach dem Anrichten auf dem Teller zu salzen. Bist du des Wahnsinns ?! – hast du denn nicht dein Kochwasser gesalzen, reicht das denn nicht ? Alessandra meinte sogar, dass sie diesen Gewaltakt persönlich nehmen würde und ich fürchtete kurzzeitig um meinen Mietvertrag. Ich glaube aber, dass bei Italienern ein allgemeines Misstrauen vorherrscht wenn es um Ausländer und deren Weise Nudeln zu kochen geht. Als Alessandras Eltern aus Kalabrien zu Besuch waren und sahen wie ich Pasta ins kochende Wasser warf legte ihr mein Papa nur die Hand auf die Schulter und sagte „Iss lieber mit uns“. Understatement für – du bist unfähig.

Weiter geht’s mit den Süßspeisen. Ich liebe es in die zahlreichen Pasticcerias in Bologna zu gehen – hier gibt es alles was mein Herz begehrt. Cornetto (Croissant) mit Pistazien, Nuss, Schoki, Vanille etc. – Creme und vieles vieles mehr. JA – auch Zimtschnecken habe ich schlussendlich gefunden. Wenn es aber ums richtige Backen geht, habe ich gelernt , dass in diesem Fall ICH ihnen Unfähigkeit unterstellen darf. Gestern habe ich es ernsthaft gewagt nach einem Mixer zu fragen – was soll das bitte sein? Auch im Supermarkt habe ich eine halbe Stunde nach dem Backzutatenregal suchen müssen – welches es dann aber nicht gab. Schließlich habe ich es aber trotzdem zustandegebracht eine Torte zu backen und gleichzeitig meinen Bizeps zu trainieren. Der Kuchen wurde dann an Mitbewohnerinne, Freunde und Nachbarn verteilt und ordentlich gefeiert. Mein Nachbar meinte sogar : „Vorher mochte ich dich , aber jetzt, jetzt lieb ich dich“. und Michela attestierte mir Heiratsfähigkeit „Sei proprio da sposare!“

   2. Glücklichsein

Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch der gerne, leicht und viel lacht. Als meine Freundin Hannah zuletzt gegen eine Mauer der Portici gelaufen ist, musste ich mich sogar mitten auf der Straße hinsetzen um vor Lachen nicht zu ersticken. Hier muss auch dazugesagt werden, dass meine Ur-Ur-Oma laut Familienlegende nach einem Besuch eines Rummelplatzes ins Krankenhaus eingeliefert wurde und eine Spritze bekam weil sie nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Soweit so gut. Jeder mich aber gut kennt, weiß auch, dass ich extrem gerne herumsuder, die Fähigkeit habe alles schlechtzureden und alles zu zerdenken. Soll heißen: Ich steh mir unglaublich oft selbst im Weg, fresse viel in mich rein und sage nicht was ich mir denke. In den letzten Monaten habe ich erst gemerkt, wie sehr das eigene Verhalten und die eigene Stimmung auf die der anderen abfärben kann. Als ich wegen einer Geschichte zu Hause ziemlich down war hab ichs geschafft die Stimmung der ganzen Gruppe in den Keller zu bringen, musste mich dann echt mal zusammenreißen, mich entschuldigen und erklären was eigentlich los war. Auch meine Mitbewohnerin Alessandra hat mir bei einem langen Spaziergang erklärt, dass sie mit sich selbst viel mehr im Reinen ist, seitdem sie geradeaus sagt was sie stört und es ihr nicht gut mit etwas geht. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung. Nach einem schön verbrachten Tag, einem gemeinsamen Abend oder nur nach einem kurzen Hallo auf der Straße zu hören :“ Es ist schön dich zu sehen!“, „Heut war es wieder so schön mit euch!“ – „Ich bin so froh, dass ich euch habe und das mit euch teilen kann!“ (Schnulzigkeit : Off) macht einfach so so viel aus. Solche Sätze zaubern einfach ein Lächeln auf die Lippen und versüßen einem den Tag. Glücklichen Menschen sieht man an, dass sie glücklich sind. Wer zufrieden ist mit sich und dem was er tut strahlt dies auch aus und dieses Strahlen hat meist eine gute Reichweite. Nicht nur hier in Italien sondern auch während meiner Zeit im Studentenheim habe ich bereits gelernt mehr Komplimente zu machen, anderen zu ihren Arbeiten zu gratulieren und das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Auch wenn ich es in mir drin längst weiß, hier in Bologna habe ich es aber erst wieder geschafft mir dies zu verdeutlichen. Was bringt es mir mich über etwas aufzuregen, dass ich im Moment einfach nicht ändern kann? Was bringt es mir neidisch auf den Besitz anderer zu sein? Wer sich ständig mit anderen vergleicht kann doch nie nie nie glücklich sein! Wenn ich höre, dass andere zur Matura ein Auto bekommen oder wieder andere eine tolle Reise auf einen anderen Kontinenten geschenkt bekommen, dann ist das eben so aber macht mich nicht minderwertiger. Nur weil du auf einem aufblasbaren Einhorn mit einem Pina Colada in der Hand in einem Pool entspannst heißt das nicht dass du zufriedener bist 😉 Begonnen über das Glücklichsein nachzudenken habe ich erst letzte Woche als Alessandra beim Abgeben der Post völlig unvermittelt mit der zuerst grantigen Postangestellten zu witzeln begann und mir dann auf dem Nachhauseweg einfach ein Armband schenkte Als ich sie fragte womit ich das denn verdient hätte, meinte sie nur : “Einfach so- weil ich dich mag.” Danach erzählte sie mir, dass sie die Menschen in Italien allgemein als „più solari“ – also als sonniger und damit offener und positiver wahrnimmt als beispielsweise in Deutschland. „Ihr seid manchmal so unnahbar“ beschwerte sie sich. Irgendwo hat sie Recht: Es klingt komisch aber hier greift man sich z.B viel mehr an. Jedes Mal wenn eine vom Wochenende Zuhause in die Wohnung zurückkehrte wurde sie mit viel Trara empfangen und abgebusselt. Dasselbe beim Abschied, vor jeder Prüfung oder einfach so. Manchmal sitze ich im Zimmer, dann spaziert Ale vorbei, gibt mir einen Schmatzer auf den Kopf und fragt wie mein Tag war. Man grüßt sich mit „Ciao bella“ und Kosenamen wie „Pulcino“ oder „Topino“ stehen an der Tagesordnung. Und das ist genauso das, was ich so gerne mit nach Österreich nehmen würde. Eine positivere Grundeinstellung und mehr Sonne im Herzen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass man so viel Negativität wie möglich aus seinem Leben streichen sollte. Jeder kennt sie nur zu gut und wird sie dennoch nicht immer los : Energiefresser. Menschen, Dinge, Angewohnheiten die dich unglücklich machen, dich stressen – deine Energie rauben. Inzwischen weiß ich, dass ich so viele tolle Menschen und Dinge, die jeden Tag bereichern und von denen ich viel lernen kann, in meinem Leben hatte, und dazugewonnen habe, sodass ich so manches weglassen kann. In Zukunft will ich aufmerksamer im Bezug auf meine Mitmenschen, wacher und glücklicher durchs leben latschen und nicht mehr so viel sudern. Seitdem ich mir auch regelmäßig vor Augen führe wofür ich dankbar sein kann und, dass nichts Gutes das mir widerfährt selbstverständlich ist, merke ich, dass ich zufriedener bin. Das Verlassen meiner Comfort Zone hat mir geholfen offener zu sein für Neues und mehr Platz für Glücksmomente zu schaffen.

Die wichtigste Quelle des Glücklichseins bleibt jedoch die der Freundschaft – dazu gehört vor allem auch andere glücklich zu machen (und sich zurückzuziehen wenn man andere unglücklich macht). So kann ich Eleonora nur recht geben wenn sie sagt: “Lächle einfach – es kostet nichts.“

Meine Freundinnen haben an Punkten noch hinzugefügt:

  1. – alleine sein
  2. – spontaner sein
  3. – die Heimat zu schätzen weil…
  • einem da nicht jedes Monat das Rad geklaut wird
  • das Wasser aus der Leitung bombe schmeckt
  • jeder versteht was mit „Knödel“ gemeint ist
  • Topfen, Schnitzel, Kasnudeln, Germknödel,….
  1. – den Besitz von Erfahrungen über den von Dingen zu stellen
  2. – ebenfalls: dankbarer sein
  3. mehr Komplimente machen
  4. mehr auf sich selbst zu hören und den Dingen die einem gut tun mehr Zeit einräumen
  5. besser zuhören
  6. bewusster leben
  7. mehr Sonnenuntergänge ansehen
  8. öfter bis zum Sonnenaufgang ausbleiben
  9. mehr spazieren gehen
  10. weniger stundenlanges Serienschauen
  11. mehr rausgehen
  12. mehr Schokocroissants essen
  13. weniger Salat essen
  14. weniger drauf geben was andere sagen
  15. mehr in der Natur laufen gehen
  16. weniger sinnloses Gewichtestemmen im Fitti
  17. mehr reisen
  18. weniger sparen
  19. weniger auf später verschieben
  20. mehr machen – weniger denken
  21. mehr tanzen gehen
  22. mehr Bücher lesen
  23. mehr mit seinen Leuten machen
  24. mehr Leute kennenlernen
  25. weniger das Gefühl haben allein sein zu wollen
  26. mehr hosenfreie Zonen schaffen
  27. mehr Gespräche mit Freunden über die Liebe, Sex und das Leben
  28. weniger Fleisch essen
  29. mehr spontanes Welpenstreicheln
  30. mehr Vintageshopping
  31. noch viel mehr sinnlos lachen
  32. mehr Umarmungen
  33. “Ich liebe das” – “Ich liebe dich” sagen

Vielen vielen Dank an dich Tesi für die vielen Punkte – hatte beim Durchlesen ein fettes Grinsen im Gesicht ❤

….

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Benvenuti al sud !

Im Süden Italiens war ich bis jetzt noch nie, mal abgesehen von einem Nachmittag den meine Familie und ich im Zuge einer Kreuzfahrt in Bari verbracht haben. Gemeinsam mit der Erasmusorganisation Erasmusland die alle paar Wochen Reisen oder Tagestrips in verschiedene italienische Städte oder ganze Regionen anbietet, haben wir es dann schließlich gewagt. Dadurch, dass dem „Napoli“ Trip schon ein gewisser Ruf vorauseilte wollten wir diesen natürlich nicht auslassen. Für zukünftige Bologna-Erasmusstudenten: Bei Erasmusland-(http://www.erasmusland.org/section/index.php?lang=us&section_id=Bologna) reserviert man online vor und zahlt dann entweder direkt im Büro in der Via Irnerio oder via Paypal oder Kreditkarte online.

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In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es im Doppelstockbus los Richtung Süden. In den neun Stunden Fahrt hab ich leider kein Auge zugetan aber dafür den wunderschönen Sonnenaufgang auf einer unglaublich idyllischen Raststätte in der Nähe von Rom beobachten dürfen. Während meine Freundinnen halbtot an der Scheibe klebten oder alle zehn Minuten mit dem Kopf auf den Tisch vor ihnen knallten machte ich mich mit dem geplanten Programm vertraut. 1 Tag auf der Insel Capri, 1 Tag Napoli, Vesuv Rundgang, die Stadt Sorrento und zum Abschluss Pompeij. Schon zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass nicht jeder fähig sein würde samstagmorgens den Vesuvio zu erklimmen …

Nach unserer Ankunft in Neapel, ging es straight vom Hafen rauf auf die Fähre. Da fiel ich dann in einen sofortigen, komatösen Schlaf – Danke Körper, dass das auch im Bus so gut funktioniert hat. Aber schon alleine das Einfahren in den Hafen von Capri war toll. Hier hatte ich nicht mehr das Gefühl in Italien zu sein. Mein erster Eindruck dieser Insel erinnerte mich eher an Griechenland – mit den vielen kleinen weißen Häuschen, engen Gassen, Zitronenbäumen und unglaublich vielen Blumen. Was macht man dann in der aufkommenden Mittagshitze am ehesten ? – Richtig: Wandern. Circa 2,5 Stunden „spazierten“ wir durch den inseleigenen Nationalpark und haben dafür aber wirklich traumhafte Ausblicke genossen. Als wir dann abgekämpft und hungrig an Chanel, Louis Vuitton, Valentino und Co. vorbeilatschten wurde mir klar worher Capri seinen Ruf als Luxusdestination hat. Hier trifft sich definitiv Reich und Schön und der kleine Maximilian Octavian kann im neuesten Capristyle sein erstes Granita in angemessener Manier genießen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch gings dann endlich Richtung Strand und rein ins kühle Nass. Türkisblaues Wasser, Gelato und … Qualle. War aber nur eine Babyqualle und erwischts hats Irini – sie lebt noch. Nach zwei Stunden in der Sonne brutzeln gings dann auf drei mittelgroße Boote, insgesamt waren wir eine Gruppe von gut 70 Leuten. Natürlich erwischten wir das Boot mit den meisten Spaniern – was für die Stimmung einfach nur Hammer is. Begleitet von Despacitos, wie eigentlich immer, gings laut grölend rund um die Insel. Vom Boot haben wir uns dann unter ständigem Gekreische ins Wasser gestürzt, getanzt und einfach die Sonne genossen. Auf Capri gibt es auch den sogenannten Liebesbogen, wenn man hier mit dem Boot drunter durchfährt soll man an die Person denken die man am liebsten küssen würde. Wenn man das Glück hat mit seinem Schätzelein unter dem Felsbogen durchzucruisen bringt das auf jeden Fall Glück für die Liebe.

Anschließend haben wir wunderschöne Grotten gesehen, in einer gab es zum Beispiel eine Gesteinsformation die einer Marienstatue ähnelt, und mit den Pensionisten von anderen Ausflugsschiffen gebondet. Gegen sechs Uhr abends gings dann wieder auf die Fähre, komatöser Schlaf wieder inklusive. Aufgewacht bin ich nur eine Millisekunde weil das ganze Boot aufgrund des starken Wellenganges zwei Mal hintereinander laut synchron seufzte. In Napoli wurden wir dann auf zwei Hostels aufgeteilt und kosteten deren schönen Seiten aus….wie… Gemeinschaftsduschen yey. Wenn circa 25 Mädels gleichzeitig heimkommen gibt’s da fix keinen Stress. Beim Inspizieren der Hochbetten war schnell klar: Hier herrscht akute Absturzgefahr und ich hatte förmlich die Stimme meiner Mutter im Ohr „Oben wird nicht geschlafen!!“. Irini aber ließ sich von unserem beginnenden Sudern nicht beirren, klopfte fröhlich ihre „Kissen“ auf und gab griechische Sprichwörter zum Besten „So wie du dein Bett machst, schläfst du auch!“ Mein Favourit ist und bleibt aber „Du isst gleich Holz“ – quasi : „Du kriegst glei ane am Deckl!“.

In Italien beginnt ja das Abendprogramm immer recht spät, im Süden aber beginnt alles RICHTIG spät. Erst gegen halb 10 waren wir Richtung Abendessen ins City Centre unterwegs, was darin resultierte, dass wir schon alle etwas hangry waren. Inzwischen kenn ich meine Mädels schon so gut, dass ich weiß dass man am besten gleich vorher entscheidet wo man hingeht um nicht zu riskieren, dass am Weg unschuldige Menschen Schaden nehmen. Danke nochmal an Lisa für den Restauranttipp, wir haben in dem Lokal Antica Pizzeria dell’Angelo in der Nähe der Piazza San Domenica wirklich unglaublich gute original neapolitanische Pizzen gegessen. Dass danach gefühlsmäßig wieder alles OK war, erkannte man wie immer am leicht dümmlichen Post-Food-Grinsen unsererseits. Im Anschluss gabs noch ein Eis und ein kleines Get-together auf der Piazza Domenica, doch dann sind wir, wie mein Bruder sagen würde, ziemlich schnell ins Bett einegstorben.

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Am nächsten Morgen starteten wir dann nach einem ziemlich unitalienischen Frühstück (Es gab Toast, Marmelade, Schinken, Käse etc.) in die neapolitanische Innenstadt. Geführt wurden wir von einem feschen Italiener der so manchen Mädels Schwierigkeiten bereitete sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Meine beiden Lieblingsaussagen seinerseits waren ja zum einen, dass der aragonesische Herrscher Alfonso der 1. „always problems with the poop“ hatte (Natürlich sprach er vom Papst aber die italienisch-englische Aussprache ist einfach göttlich) und zum anderen die Geschichte über einen König von Neapel der bekannt dafür war viel Zeit mit dem “gemeinen Volk” zu verbringen. Zu seiner Krönung erschien er zuerst gar nicht und wurde dann später spaghettiessend in einer Taverne aufgegabelt. Simpatico. Aber noch besser gefiel mir seine Frau, denn sie war dafür bekannt nie zu lachen. Als hätten wir nicht schon genügend Gemeinsamkeiten stellte sich auch noch heraus, dass sie das erste Mal erst geschmunzelt hat als man ihr eine süße Ricottatorte vorsetzte – die Frau ist meine Heldin. Auf unserem Rundgang haben wir dann noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter den Dom S. Gennaro gesehen, Sagt euch das sogenannte Blutwunder etwas? Schon seit 1646 befindet sich dort eine Ampulle mit getrocknetem Blut des Märtyrers S. Gennaro. Seit Ende des 15. Jahrhunderts ist die Kapelle del tesoro di San Gennaro der Ort an dem jedes Jahr im Mai und September der Festtag des San Gennaro stattfindet. Im Zuge dessen wird für die Verflüssigung des Blutes in der Kapsel gebetet, denn dies ist ein glücksverheißendes Zeichen. Letzten September ist das Blutwunder übrigens ausgeblieben.. Trump..hust. Außerdem gibt es in Napoli einige Bauten die man so auch in anderen italienischen Städten findet. Z.B die Galleria Umberto I, eine Einkaufsgallerie die von einer großen Glaskuppel überdacht ist und so auch in Mailand zu finden ist. Inmitten derer gibts es eine Stelle an der man sich selbst die Zukunft voraussagen kann. Umkreist von verschiedenen Mosaiken auf dem Boden muss man sich in der Mitte unter die Glaskuppel stellen, sich mit geschlossenen Augen im Kreis drehen und dann, nach eigenem Gefühl, in eine Richtung losstarten. Am Boden erwarten die Gäste dann verschiedene Bilder die eben den Verlauf des weiteren Lebens beschreiben sollen. Bei mir wars ein Stier, ein kleiner Vogel und ein Blumentopf, was eigentlich nur eines bedeuten kann: Zufriedenheit und Reichtum, isch doch klar.

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Als wir unsere erste Pause machten, wurden sofort die Musikboxen ausgepackt und , ohne ständig diese Vorurteile bedienen zu wollen – alle Südamerikaner und Spanier brauchten keine 10 Sekunden um wieder in Tanzlaune zu sein. Der Rest bevorzugte es zu der noch relativ frühen Uhrzeit die vom Buffett gestanzten Snacks zu verdrücken und die neapolitanischen Polizisten, die eine Art Schlafmütze tragen die ein bisschen so ausschaut wie die des Meindlmohrs in Wien, zu beobachten. Vor dem Mittagessen wurden wir dann mit einem Aperitivo- oder wie hier alle sagen „Spriiiiiiiiiiiiitz“- versorgt, was bei der Hitze in meinem Fall nicht die genialste Idee war. Die gesamte Meute stürmte dann ein Restaurant, das auf unsere Ankunft bereits vorbereitet war und als sich das Gerücht bestätigte, dass es Rotwein unlimited geben würde gabs bei den meisten kein Halten mehr. Schon nach der Vorspeise tanzten die ersten auf ihren Stühlen und wir wurden feucht fröhlich in die italienische Trinkkultur eingeführt. Ich sag nur „Acqua fa male – il vino fa cantare“ was übersetzt heißt „Wasser tut dir nicht gut aber Wein lässt dich tanzen!“ – Oh ja, wenns nur das Tanzen wäre.

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Von leicht bedüdelt bis stark bedient ging es nun zum Meer zum Castel dell’Ovo von welchem man einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Golf von Neapel und den Vesuv hat. Auf dem Weg dorthin dürfte die Horde an Erasmusstudenten die alle mit einem Glas Limoncello ausgestattet und in der Begleitung von, wie könnte es anders sein, spanischer Musik durch die Straßen liefen einen Mordseindruck gemacht haben. Die Spaziergänger, Touristen und Restaurantbesucher blieben teilweise sogar stehen und packten ihre Smartphones aus um das Gesehene zu dokumentieren … Adieu seriöse Jobangebote. Als Irini von einem Burschen, dem das Chaos das wir veranstalteten wohl auf den Keks ging, mit einem Basketball abgeschossen wurde war ihre Reaktion nur „Alter jetzt hätt ich doch glatt meinen Limoncello verschüttet“ – woraufhin ich mich fast setzen musste um nicht zu ersticken. Auf zuvor genannte Burg, welche sich auf einer kleinen Insel befindet, gelangt man über eine eigene Straße auf der wir wieder Halt machten. Jetzt wo ich darüber schreibe fallen mir erst die Gemeinsamkeiten zu meiner Maturareise vor drei Jahren auf. Es wurde weitergetanzt, weitergetrunken – bis schließlich die ersten schlapp machten und sich zurück ins Hostel schleppten. Wir schafften es dann noch unter ständigem Gekicher die Burg zu erklimmen auf welcher wir dank angenehmer Meeresbrise auch ein wenig ausnüchterten. Auf dem Rückweg probierten wir dann noch eine neapolitanische Spezialität genannt Baba – kleine Hefeteigküchlein getränkt in einem Rum-Zuckersirup (wie war das mit dem Ausnüchtern…?) und in unserem Fall mit Creme und Schokosauce – ein Traum. Nach einer gefühlten Ewigkeit landeten wir nun in unseren Betten und gönnten uns zwei Stunden Schlaf um für den um 23:30 angesetzten „Limoncello-Pfad“ fit zu sein. Bekommen hat dann JEDER von uns eine 0,75l Flasche Limoncello, es wurde fleißig getrunken und der Pfad der eigentlich aus 7+ Stationen bestanden hätte wurde kurzerhand unter großem Beifall auf nur zwei verkürzt. Noch etwas geschwächt vom Nachmittag beschlossen meine Mädels und ich uns zu fünft auf nur zwei Flaschen zu beschränken was eindeutig genug war. Dieses zuckrige gelbe Saftl geht leider auch echt nicht leicht runter. Fazit des Abends: 7 Leute waren nicht fähig am nächsten Tag auf den Vesuv mitzukommen, ein Mädel landete im Krankenhaus und beim Versuch einmal ein nicht spanisches Lied in die Playlist zu schmuggeln wurden wir halb gelyncht.

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Da ich im Moment ein paar Prüfungen bzw. First World Freizeitstress habe und nebenbei vor Hitze sterbe wird Teil 2 meines Süden-Trips in den nächsten Tagen kommen 😀

Napoli war für mich so anders als jede andere italienische Stadt in der ich bis jetzt war. Hohe Häuserfronten, enge, teils düstere Gassen, dann wieder eine riesige, helle Piazzas – manchmal wirkt es so als hätte man hier verschiedene Stile einfach wie wild zusammengewürfelt. Bologna wirkt mit seinen 50 Shades of Orange gegen das Gewusel das hier herrscht richtig spießig.

Mein Senf zum modernen Feminismus

Als ich mit dem Beitrag angefangen habe ging es gar nicht um Feminismus, eigentlich ging es nur um mein Rad, etwas Olivenöl und chauvinistische Polizisten – aber liest einfach mal selbst.

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Zu allererst muss ich sagen, dass ich mich als Erasmusstudentin in Bologna immer gut aufgehoben fühle – als Teil einer Multikultistadt mit vielen Jugendlichen aus allen Teilen der Erde, als Weltbewohnerin oder etwas spezifischer als Europäerin. Letzte Woche hat man mir aber schließlich meine Wirhabenunsallesolieb- Brille heruntergerissen und mir zum ersten Mal seit meiner Ankunft das Gefühl gegeben hier „fremd“ zu sein, was sich so unglaublich komisch anfühlt weil ich das einfach nicht bin. Ich identifiziere mich mit so vielen Dingen, spreche mit ItalienerInnen, esse das italienische Essen und sehe Ähnlichkeiten und Unterschiede zu meinem Leben in der Heimat. Ich finde mich also in einem anderen kulturellen Umfeld bin aber in keinem Fall fremd.

Wie bereits erwähnt, werden in Bologna jeden Tag unglaublich viele Räder gestohlen um dann wieder billigst an verschiedenen Ecken der Stadt verscherbelt zu werden. Mein halb verschrottetes Rad würde man zwar vermutlich nicht mal mehr geschenkt nehmen aber ich bemüh mich trotzdem es ausreichend zu schützen und hänge es immer mit 2 Schlössern an. Vor einer Woche wars dann auch bei mir soweit, während ich mit meiner Mitbewohnerin Michela bei einem Physikabend unserer Mitbewohnerin Alessandra war muss sich wohl jemand an meinem kleineren Schloss versucht haben- ist aber kläglich gescheitert (Tigers 3 Euro Schloss- in your face). Mit vereinten Kräften haben Michi und ich versucht das malträtierte Schloss irgendwie zu öffnen, geholfen hat nicht mal das gute Allheilmittel Olivenöl vom Mci. So haben wir dann zu zweit das Rad bis zum Piazza Maggiore geschleppt in der Hoffnung auf Polizisten zu treffen die das Schloss eventuell hätten knacken oder im Notfall aufschneiden können. Genau an diesem Abend waren natürlich keine Polizisten da – eh klar. So entschied ich diesen Wink des Schicksals zu nutzen um am nächsten Morgen mal wieder meinen Pizza und Biscottiverseuchten Körper an die frische Luft zu schleppen, eine Runde laufen zu gehen und direkt bei meinem Rad vorbeizuschauen. Als ich dann verschwitzt an der Piazza ankam steuerte ich sofort auf ein Grüppchen Polizisten zu. Nach Erklärung meines Problems begleiteten mich zwei auch gleich zu meinem Rad, einer blieb an seinem Posten. Beide waren von Anfang an total nett, haben mich gefragt was ich studiere und wie es mir in der Stadt gefällt. Leider scheiterten aber sogar sie an dem Schloss schlugen mir aber vor in ein Eisenwarengeschäft zu gehen um dort nach einer Zange zu fragen. Dann sollte ich wieder zu ihnen kommen und sie würden mir helfen „damit nicht jeder glaubt ich würde am hellichten Tag Räder stehlen“. Danke für die Umsicht – „Halo papa ich han ein Rad gstohln. Ich bims deim Tochter“. Gesagt getan, Zange ausgeborgt und zurückmarschiert zu meinen neuen friends den Polizisten. Als ich sie aus ein bisschen Entfernung erblickte winkte ich schon mit meinem neu erstandenen Goodie : einer Riesenzange, Dinge die eindeutig nicht in meine Hände gehören. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir eigentlich schon blöd vorkommen sollen. Denn dann hatte sich die kleine Gruppe Polizisten zu einer 20 köpfigen Meute vergrößert, keine Bedenken vorerst bei mir, gibt’s mehr zum Schauen 😉 Als ich ankam hatten sich meine zwei Burschen in den Bus verdünnisiert, die anderen schienen mich nicht zu beachten. Trotz allem erklärte ich mein Problem und wies darauf hin, dass ich bereits mit Kollegen gesprochen hatte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke werde ich schon wieder grantig. Einer der sich mir nur halb zuwendete meinte dann ob ich mir sicher sei mit Leuten von ihnen gesprochen zu haben. Verwundert hab ich dann nur genickt und gesagt dass es die zwei waren die gerade ins Auto gestiegen waren. Er entgegnete darauf „Ja und wie haben die geheißen?“ – Woher zu Hölle soll ich wissen wie die heißen?! Ok, nur weil ich schon von Roadtrips in nicht vorhandenen Polizeicabrios geträumt habe bedeutet das nicht, dass ich bereits über das Stammdatenblatt der zwei Typen verfüge. Ich antwortete „Ma sta scherzando?“ und hab erneut mein Problem erklärt. Ein anderer fragte dann „Ma lei è una straniera?“ (Ist das eine Ausländerin?) und alle grinsten sich dumm an und zuckten mit den Schultern. Erneut erklärte ich, mit meiner Zange gestikulierend, dass ich das Schloss nicht alleine öffnen wollte. Inzwischen hatte sich die Gruppe mir gegenüber vereint aufgestellt, alle mit verschränkten Armen und Sonnenbrille auf der Nase. Einer kam nun näher auf mich zu – „Wir machen sowas nicht, wir dürfen uns hier nicht wegbewegen“. Mein „Aber Ihre Kollegen haben mein Rad schon gesehen !“ wurde nur in einem weiteren „Wir bewegen uns hier nicht weg!“ erstickt. Toll wenn ihr euch zu zwanzigst hier nicht wegbewegt, was ist dann wenn mal wirklich was Gravierendes passiert? Noch bevor ich ein letztes Mal ansetzen konnte, baute sich einer vor mir auf und meinte mit einem Grinsen im Gesicht: „DU (nicht dass ich auf das Sie bestehen würde aber in diesem Fall war es einfach ein fließender Wechsel zum Du) kannst gern warten wenn du willst. Hier wird dir aber keiner helfen. Schönen Tag!“ Ok – somit war das nicht existente Gespräch nun endgültig beendet. Weil ich jemand bin der in solchen Situationen nah am Wasser gebaut ist zog ich nur schnell die Luft ein und floh auf schnellstem Wege. Sofort schickte ich eine leicht schniefige Sprachachricht an meine Mädels-Bologna Whatsappgruppe und ließ mich über diese – Zitat „SCHOowinistischen Italo-Matcho-Arschlöcher“ aus – wenn ich grantig bin dann bin ich wirklich grantig. Zurück beim Rad hatte ich dann instantly diesen „Was ich nicht alles hätte sagen können – Moment“. Anstatt einfach kehrtzumachen hätte ich ihm die Stirn bieten und ihm sagen sollen, dass er mich nicht so behandeln kann. Aber wie so oft: unter Stress und in der fremden Sprache ließ meine Schlagfertigkeit auf sich warten. Für mich war die Lage dann auch schnell klar: Offensichtlich hätten die zwei ihren Posten nicht verlassen dürfen, im Gespräch mit dem Vorgesetzten muss ihnen dies dann klargemacht worden sein – sonst ergibt das plötzliche Verdünnisieren einfach keinen Sinn. Schlussendlich habe ich mein Schloss dann unter verwunderten Blicken der Passanten aufgezwickt – noch nie ein halb verheultes, verschwitztes Mädel im Laufdress gesehen das am meist frequentiertesten Platz Bologna Räder knackt? – understatement ist nicht so mein Style. Um meinen angeknacksten Stolz zu retten bin ich dann erhobenen Hauptes an der Gruppe vorbeigefahren – puh Würde gerettet? Zuhause angekommen war ich dann aber noch immer so wütend und wollte das was passiert war nicht einfach auf mir sitzen lassen, sodass ich dann eine E-Mail geschrieben habe, vermutlich an die falsche Stelle- aber einfach schon darüber zu schreiben hat geholfen den Ärger abzulassen.

Ich dachte bis jetzt, gerade weil Feminismus zum letzten Hipstershit auserkoren wurde, mich diesem Bereich nicht annehmen zu müssen – aber nun kommt auch mein Senf zum Thema. Es war einfach so frustrierend für mich auf diese Weise von einer Gruppe von 20 ausschließlich männlichen Polizisten gedemütigt zu werden. Manche meinen jetzt vielleicht, dass ich übertreibe aber schon allein, dass ich mich nach dem Vorfall so ungerecht behandelt gefühlt habe zeigt mir, dass hier etwas schiefgelaufen ist. Ich habe um Hilfe gebeten, auf eine höfliche Art und Weise und wurde behandelt als wäre ich eine Grenzdebile oder als hätte ich eine Straftat begangen. Es klingt so banal, aber in der Gruppe hat sich diese Horde poliziotti einfach unglaublich stark gefühlt; zuvor als ich mit den zweien allein war, fühlte ich mich ernstgenommen mit meinem Problem und konnte mit ihnen auch herumscherzen. Aber als ich dann wie ein Idiot mit meiner Riesenzange auf der Piazza gestanden bin und diese beiden einfach zu feig waren sich mir „zu stellen“ und stattdessen ihre Kollegen vorgeschickt haben, hab ich mich einfach nur verarscht und irgendwo auch klein gefühlt. In dem Moment habe ich erst wieder gemerkt, dass es doch Unterschiede bei der Behandlung von Männern und Frauen gibt. Ich bin mir absolut sicher, dass sie anders mit mir umgegangen wären, wäre ich in Begleitung eines Mannes gewesen. Und das ist das was ich absolut nicht einsehe, nicht im Jahr 2017. Denn mit solchen Problemen bin ich nicht allein, so etwas passiert Frauen überall tagtäglich und die häufigste Reaktionen auf Geschichten wie diese ist: „Bringt nix wennst dich jetzt aufregst, das sind verschwendete Nerven, so is das halt!“

Ich bin keine Instagram Feministin die, wie man jetzt immer häufiger sieht, mit T-Shirts mit der Aufschrift „Girls just wanna have fundamental human rights“ oder „GRL PWR“ post und sich grade jetzt, weils eben grad in ist, auf diesem Wege für die Rechte von Frauen einsetzt. Feminismus wird in der letzten Zeit immer mehr zum Produkt gemacht und könnte man daraus gerade kein Geld machen wäre es auch nur halb so cool. Fast jede High Street Marke die ich kenne bietet T-Shirts mit ähnlichen Logos und Schriftzügen an, dass diese Kleidungsstücke aber von Näherinnen mit null „fundamental human rights“ genäht werden interessiert mal wieder kein Schwein – #nur5centverdient bringt wohl nicht so viele Follower. Ich will aber auch keine „Hardcore Feministin“ sein die darüber sinniert wie toll es nicht wäre alle Männer abzuschlachten weil wir uns doch selbst genügen – meiner Meinung nach verdienen solche Aussagen nicht das Label „Feminismus“. Ich bin überzeugt Feminismus oder wie es eigentlich heißen sollte „Common Sense“ – ist immer in und ich bin eigentlich extrem froh, dass durch die sogenannten Influencer auf Facebook, Instagram und Co das Bewusstsein und Interesse für Gleichberechtigung und Anliegen der Frauen wieder einen Aufwind bekommt und viele junge Mädels auf die Straße gehen um auf ihre Wünsche aufmerksam zu machen. Auch mit den Aussagen Trumps mit seinem bekannten Lockerroom Talk sowie den verbalen Abgasen meines Lieblings Felix Baumgartner ist das Thema Feminismus wieder in aller Munde.

Ich weiß, dass es in Italien das Klischee des Matchomannes gibt der am liebsten bis 35 zu Hause bei seiner Mamma bleiben würde – aber nicht alle Männer sind gleich, eigentlich. In Italien wurde ich bis jetzt von Männern immer supergut behandelt, manches Kompliment wie „ciao belle“ wenn man abends mit seinen Mädels unterwegs ist kann ja auch schmeichelnd sein aber, dass man mit mir so abwertend umspringt nur weil ich eine Frau bin ist einfach nur bedenklich und wiegesagt, sicherlich kein Einzelfall. Würde ich jetzt einfach alles „lasciare stare“ (= nichts tun) lassen würde, würde ich auf diesem Weg diesen Typen wieder Recht geben und dieses Verhalten als in Ordnung abtun. Insofern werde ich mich jetzt auf meine vier Buchstaben setzen und herausfinden an welcher Stelle ich möglicherweise eine Reaktion auf meine Mail bekommen könnte. Bei Feminismus sollte es ja eben nicht nur ums Darüber-Schreiben, Tragen des richtigen T-Shirts und ums Image gehen sondern auch darum etwas zu tun.

Ich bin stolz und froh eine Frau zu sein – und ich will verdammt nochmal einfach mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden, vor allem von Menschen die mich nicht einmal persönlich kennen und die im Grunde nichts von mir brauchen, also nichts davon haben wenn sich mich degradieren außer, dass sie sich in ihrem kleinen Ego gepusht fühlen und meine Gefühle verletzen. Neid und Missgunst gibt es unter uns Frauen, leider, schon zur Genüge.

Ethical Statements Shirts gibt’s übrigens hier :

http://peppermynta.de/2017/04/22/fair-fashion-politische-statement-t-shirts/

http://www.peopletree.co.uk/edits/slogan-tshirts

Infos zum österreichischen Frauenvolksbegehren gibts hier

“Jetzt erst recht!
Es ist an der Zeit, die Umsetzung lange bestehender frauenpolitischer Forderungen und nötiger Maßnahmen mit Nachdruck einzufordern.
Wir möchten bis 2018 ein neues Frauen*volksbegehren organisieren und wir brauchen deine Unterstützung, um die Arbeit, die vor uns liegt, gemeinsam zu bewältigen.
Von Fernsehinterview bis Podiumsdiskussion wird alles dabei sein. Wir planen eine österreichweite Kampagne, die Frauen*poltik in allen Facetten diskutiert.https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren&#8221;

https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren

Und sorry für das Bild Papa haha. und danke Franzi ❤

Blogs Blogs Blogs – und warum wir alle selbstbezogene Arschlöcher sind

Es ist einfach ein schönes Bild mit makelloser Haut und tollem Make up online zu stellen – diversen Schminkapps und Instagram sei Dank. Es ist einfach ein Selfie mit dem neu erstandenen Outfit zu posten und sinnbefreite Hashtags darunter zu setzen – #follow4follow, hauptsache die Likes fließen, ich fühl mich gut – Bestätigung durch andere, ihr wisst schon und niemand beschwert sich – Oder doch? Vor ein paar Wochen habe ich den scheinbaren Fehler begangen in einem Blogpost über meine Gefühle zu schreiben, mich zu öffnen und festzuhalten was mir so durch den Kopf ging – zu einem Thema zu dem, wie ich dachte, vielleicht der ein oder andere in dieser Welt einen Bezug finden würde, vielleicht nickt und sagt „Das kommt mir irgendwie bekannt vor..“ Es ging um die Suche nach dem Selbst. Wer fühlt sich im Zuge des Erwachsenwerdens denn nicht oft hilflos und desorientiert? Gerade lese ich das Graphic Novel „Ghost World“ von Daniel Clowes in dem es um zwei Mädchen geht die nach Ende ihrer Schulzeit versuchen ihren Weg in die Erwachsenenwelt zu finden – jede auf ihrer eigene Art und Weise. Die eigene Identität aufzubauen, die des erwachsenen, hoffentlich einmal finanziell unabhängigen, arbeitenden, fühlenden Selbst und gleichzeitig die Kindheit und all die Dinge wie Spielsachen oder das alte Kinderzimmer – Dinge über die man sich definiert hat zurückzulassen ist schwer, verdammt schwer. Mit 17, 18 hab ich mich oft gefragt: Wer bin ich und wer möchte ich eigentlich sein? Die Kinderversion von mir selbst erschien mir damals die Identität derer ich mir sicher war; Mein Jetzt-Ich war gerade noch im Konstruktionsprozess und mein zukünftiges Ich – woher zur Hölle sollte ich wissen was ich in 10 Jahren so treiben würde. Oftmals erscheint es mir so als würden wir uns als junge Erwachsene in einem Zwischenuniversum bewegen. Den Platz in der Vergangenheit, in der Kindheit haben wir trotz Spielsachen oder alter Kleider an die wir uns bis zuletzt klammern und einfach nicht wegwerfen können verloren, in der Erwachsenenwelt sind wir jedoch auch nicht richtig angekommen. Etwas lost irren wir umher, auf der Suche nach einem Platz in dieser Gesellschaft, in dieser Welt; Auf der Suche nach Dingen über die wir uns definieren können, auf der Suche nach Menschen durch die wir lernen wer wir sind, Menschen von welchen wir uns abgrenzen um zu begreifen wer wir nicht sind. In dieser Zeit ist unser Selbstbild nichts Beständiges – Wünsche, Ängste und Träume ändern sich jeden Tag – oder zumindest bei mir ist es so. Wir ändern unser Aussehen, probieren verschiedene Stile aus, decken uns mit Zeug ein das wir nicht brauchen, grenzen uns ab oder andere aus – wir konstruieren unsere Identität oder ein Bild unser selbst wie wir gerne wären. Und ist man endlich soweit, dass man akzeptiert, dass man auch mal verwirrt ist und nicht immer weiß oder sich selbst nicht erklären kann was man will und dies dann auch noch offen zugibt wird man angreifbar, im schlechtesten Fall sogar zur Zielscheibe. Wer über seine Gefühle schreibt, zugibt, dass er Arbeit in die Texte steckt welche schlussendlich gepostet werden macht sich verletzlich. „Blogs find ich eigentlich grundsätzlich scheiße!“ – hab ich schon öfter gehört und es ist auch legitim das zu sagen obwohl ich solchen verbalen Rundumschlägen immer kritisch gegenüberstehe. Es tut mir nicht persönlich weh wenn jemand so etwas sagt, viel mehr tut es mir leid, dass viele den Zugang zu der geballten Erfahrung die viele Blogs vermitteln nicht finden können. Dank Blogs habe ich schon in einigen Städten wunderschöne, versteckte Plätze entdeckt oder ohne großartiges Suchen in tollen Lokalen gegessen. Ich kann mich tagtäglich in Bereichen die mich interessieren weiterentwickeln und profitiere von der Arbeit die sich andere Menschen für ihre Leser machen.

Sophie hat mir einen Artikel mit dem Titel „Schnappatmung“ gezeigt. Die Autorin kritisiert, dass sehr viele Menschen in der heutigen Zeit vor allem in sozialen Netzwerken oder allgemein im Internet ständig ihre Meinung zu einem Thema kundtun ohne überhaupt verstanden zu haben worum es geht. Man spricht in diesem Fall auch von einer Helikoptermoral – jedes Wort wird auf die Waagschale gelegt, Verständnis oder Humor – leider nicht vorhanden. Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt, dass unsere Gesellschaft dies – ein ständiges und gnadenloses Werten – braucht um die eigene Unsicherheit die man aufgrund der immer komplexer werdenden Vorgänge in einer sich ständig aktualisierenden Welt zu überwinden. Aber wenn wir schon werten und kritisieren sollten wir uns dann nicht wenigstens vorher im Klaren darüber sein worum es geht ? Noch bevor wir verstehen worum es eigentlich richtig geht, noch bevor wir uns Zeit nehmen, uns nochmals hinsetzen um uns eine reflektierte Meinung zu bilden steigt unser Blutdruck und im nächsten Moment wettern wir schon los. “Wieso sollte ich den Artikel überhaupt lesen – die Überschrift sagt doch schon alles?!” Natürlich bekommt niemand gerne negative Kritik und ich merke auch, dass wir Menschen zunehmend empfindlicher im Bezug darauf werden. Benimmt sich die Person wegen mir jetzt so komisch? Hat die mich grad doof angemacht ? – würden meine deutschen Freunde fragen. Aber warum zur Hölle ist das so – sind wir alle zu selbstbezogenen Arschlöchern geworden die in ihrer Psychose jeden Mist auf sich beziehen müssen? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns unsere Bestätigung viel zu oft von außen holen – „Wie viele Likes hat mein Bild auf Instagram?“ – „Also mein Profilbild muss auf jeden Fall mehr Likes haben als das letzte sonst…“ – fühl ich mich wie der letzte Dreck oder wie ?

Natürlich sind wir soziale Wesen die auf das Wohlwollen ihrer Mitmenschen angewiesen sind, den Menschen die ich liebe und welchen ich vertraue muss ich dies aber auch nicht jeden Tag schriftlich mitteilen und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass wir viel zu überempfindlich auf unsere Umwelt reagieren – ich eingeschlossen. Auch wenn ich aus der Vergangenheit lerne und versuche mit dem was ich auf meiner wordpress Seite poste niemanden zu verletzen, tue ich es scheinbar doch – meine Mitmenschen kritisiere ich nämlich am liebsten subtil über Blogposts – direkt mit den Leuten zu sprechen die mir auf den Keks gehen  find ich nämlich viel zu Mainstream. Wenn ich sage, dass uns nicht jeder was Böses will oder nicht hinter jedem Facebook Post eine versteckte Hassbotschaft steckt hat dies nichts mit Naivität zu tun, vermutlich sind wir unseren Mitmenschen manchmal einfach viel egaler als wir denken.

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