“Ich bin unrund” oder der “Post-Erasmus Blues”

Irgendwie hat man das Heimkommen immer vor Augen, das Abreisedatum, der 2. Juli ist immer so über mir geschwebt, zu gerne habe ich verdrängt, dass es irgendwann, zu bald, wieder Richtung Heimat geht. Die Heimat – Segen und Fluch zugleich. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart. Natürlich hab ich mich gefreut meine Freunde wiederzusehen, die Berge, die Seen, das Essen, meine Familie – all das wiederzuhaben, meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können, aber was man zurücklässt ist dann doch einiges. Und dann diese Angst – ich weiß zwar, dass ich mich in der Zeit im Ausland verändert habe, die Veränderung sehen aber dann die Daheimgebliebenen eher als man selbst. – Angst mehr oder weniger vor mir selbst – vor dem Ich, dieser Version seiner Selbst – vor dem Erasmusaufenthalt. Ich weiß, dass mancher vermutlich sagen wird: “Mach ma halblang, du warst fünf Monate in Italien und langsam is auch wieder gut.” Aber so einfach ist das nicht – in dieser Zeit verändert man sich – wenn man nach Hause kommt schlüpft man nicht wieder einfach in seine alte Haut zurück – vor allem wenn man genug Pasta und Pizza intus hat, kommt man da schlichtweg nicht mehr rein. Und dann hatte ich Angst genau davor – wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen, wieder alten Problemen und Sorgen zu begegnen. Doch ich hab beschlossen mich meinen Ängsten zu stellen – ich war schon an Orten mit denen ich sehr viel verbinde, sowohl positive als auch negative Erinnerungen – Erinnerungen die mir Gänsehaut verpassen und mich die Luft anhalten lassen- und es ist gut gegangen. Einmal tief durchatmen und weiter gehts. Was ich in diesen Momenten, an diesen Orten gefühlt habe war eher Leere – ich dachte, dass mich Wellen an Emotionen aus dem Gleichgewicht bringen würden doch dem war nicht so. Was passiert ist, ist nunmal passiert – vielleicht bin ich endlich soweit weiterzugehen und abzuschließen. Im Zuge dieses Beitrags blicke ich zwar nochmals zurück, aber allzu oft werde ich mich dem nicht mehr widmen – jetzt bin ich eher am heulen weil ich einer der großartigsten Städte in denen ich je Zeit verbringen durfte zurücklassen habe und wieder zu Hause bin. Neue, wunderschöne Erinnerungen haben die alten, wegen denen ich mich oft elendig gefühlt habe, verdrängt und den guten die ich bereits hatte und dazugewonnen habe, Platz gemacht. Lange halte ich es daheim nicht aus. In der Arbeit bin ich von 7-16:00 – eine Arbeit bei der sich gefühlt mein Hirn zersetzt – würde ich nicht mit meinen jüngeren MitarbeiterInnen und ebenfalls Ferialpraktikantinnen quatschen und herumblödeln, wäre ich wohl schon durchgedreht. In der Arbeit komme ich nicht mal zum Nachdenken, irgendwie gelingt es mir im Moment generell nicht gut meine Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu richten. Parallel schreibe ich an diesem Beitrag, sowie an einem anderen in dem ich meine Lieblingsorte in Bologna präsentiere. 10 Minuten mache ich mein Sportprogramm, dann latsche ich wieder zum Kühlschrank, im nächsten Moment sitze ich auf der obersten Stufe des Pools und observiere Insekten die sich scheinbar mit Selbstmordgedanken am Beckenrand tummeln. Abends auf der Couch observiert mich meine Mutter und kneift die Augen zusammen. Ich keife los „Was ist denn?“ – „Du bist unrund…“ merkt sie an und schüttelt kaum sichtbar den Kopf. „Das alles stiehlt meinen Spirit“ grummle ich nur und ich vergrabe mein Gesicht im Polster. Schon wenn ich dies schreibe habe ich einen Kloß im Hals und wiegesagt, ich weiß, ich übertreibe ein wenig – Aber ich gebe mich grad einfach gerne diesem Sog hin der mich am Boden hält – dem Erasmus Blues. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Pubertäts-Remake – daheim fühle ich mich unverstanden und ich will die ganze Zeit nur raus, on the road, den Wind wieder in den Haaren spüren, die Meeresluft atmen und das Salz auf den Lippen schmecken. Meinen verbrannten Poppes im Spiegel betrachten, billige Pizza essen und meine Finger durchs verdörrte Gras gleiten lassen. Erst eine Woche da und ich bin schon wieder urlaubsreif. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Ich hab hier absolut alles was ich brauche – aber hier geht es nicht um Materielles. Ich fühle mich als wäre mein Horizont wieder näher an mich herangerückt und mit allen Mitteln will ich ihn von mir wegstoßen, den Himmel öffnen – alles von oben sehen. Hier in St. Pölten ist es nicht so leicht einen guten Hügel zu finden von dem ich einen Blick über die Stadt habe – für mich hat sich das Besteigen der Bologneser Hügel, einer der Torri oder auch das Hinaufgehen auf die Krankenhausterrasse immer angefühlt wie ein erlösendes Ausatmen. Wenn sich einfach alles anstaut, waren dies die Orte wo ich loslassen, die Augen schließen und einfach mal atmen konnte.

Himmel

Auch hier kommt in diesen Tagen einfach viel zusammen : Arbeiten, allen wieder Hallo sagen, Wohnungen besichtigen, vl bald in die Selbständigkeit starten… ich bin wieder in der Realität angekommen – eindeutig – spätestens dann, als ich mit einem leichten Druck mit dem Zeigefinger wieder zum ersten Mal den Induktionsherd betätigt habe und ein klägliches Geräusch von mir gab. Meine Schwester verdrehte bei dieser Aktion nur die Augen, drängte sich an mir vorbei und meinte „Get over it“. Theatralisch verkündigte ich auch beim gestrigen Grillen mein “1 Week at home anniversary” und erntete ein … „Jetzt gib an Frieden und iss“, in der Innenstadt lasse ich mich nur ungern vom italienischen Eisverkäufer wegziehen und meine Tennisladies seufzen nur hörbar als ich ihn irgendwie versuche in ein Gespräch zu verwickeln. Ich merke – Verständnis für meine Zustände fehlt eindeutig, aber es sind die kleinen Dinge die mir schließlich helfen. Die eine Freundin die mir für den nächsten Tag am Handy eine Veranstaltung mit dem Namen „Ich hab dich lieb ❤ „ einspeichert, die andere die einfach 2h mit mir im Pool hängt oder die, die dank einem mehrstündigen Telefonat Sizilienfeeling bei mir aufkommen lässt, Sprachnachrichten meiner italienischen Mitbewohnerinnen, beim Inlineskaten einfach mal laut lossingen obwohl da Leute stehen ( „I’m in loooooooove with your boooodyyyy – ah Grüßgott ..“) am See liegen und mich nach oben starrend in den Wolkenformationen verlieren…

Wiegesagt – der Erasmusblues gehört zur Erasmusexperience wohl einfach dazu und möglicherweise ist es gar nicht so schlecht meine Schwester beim Wort zu nehmen, denn ein Rezept für die Bekämpfung dieses Zustandes gibt es nicht – I’ll get over it – (mit ein bissi Sudern und ganz ganz viel <InschönenErinnerungenschwelgen> mit Riesenvorfreude auf neue).

Was ich auf Erasmus gelernt habe…

Mein Erasmussemester ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber das Ende rückt mit Riesenschritten näher, sodass es für mich langsam an der Zeit ist Bilanz zu ziehen. Gelernt habe ich viel während der letzten Monate – in diesem Post konzentriere ich mich auf zwei Aspekte bei welchen die Italiener Experten sind: Essen und Glücklichsein 😉

IMG_2029

  1. Den Umgang mit italienischem Essen

Beim Essen gibt es echt soooo brutal viele Unterschiede zwischen Österreich und Italien, dass ich mich in diesem Fall auf Pasta und Süßspeisen beschränke. In Italien ist Pasta heilig – Pasta wirfst du nicht in einen Topf mit kaltem Wasser und drehst dann den Herd auf– so schnell kannst du gar nicht schauen ist dir der holy-pasta-god nicht mehr wohlwollend gestimmt. Nein ernsthaft: Willst du es dir nicht mit deinen italienischen Freunden verscherzen behandelst du Pasta mit Respekt. Wenn du sagst, dass du beim Nudelessen gerne einen Löffel verwendest lachen sie dich aus weil du offensichtlich unfähig bist. Wenn du Nudeln länger als auf der Packung angeben kochst lachen sie dich aus weil du unfähig und noch dazu „schifo“ – widerlich bist. Solltest du es wagen 2 Nudelsorten zu mischen weil sich die eine Penne – Packung dem Ende zuneigt und du irgendwie auch Guster auf die Farfalle hast, wirst du im besten Falle ausgelacht, weil, ja richtig – du unfähig bist. In meinem Fall hat meine Mitbewohnerin nur gekeucht und gefragt :“Was zur Hölle machst du da – die haben unterschiedliche Kochzeiten“ – ach ja, ich dachte immer Italiener bekommen die Fähigkeit Nudeln ‘Al dente’ zu kochen mit der Muttermilch. Außerdem sollte man es ja nicht wagen seine Nudeln nach dem Anrichten auf dem Teller zu salzen. Bist du des Wahnsinns ?! – hast du denn nicht dein Kochwasser gesalzen, reicht das denn nicht ? Alessandra meinte sogar, dass sie diesen Gewaltakt persönlich nehmen würde und ich fürchtete kurzzeitig um meinen Mietvertrag. Ich glaube aber, dass bei Italienern ein allgemeines Misstrauen vorherrscht wenn es um Ausländer und deren Weise Nudeln zu kochen geht. Als Alessandras Eltern aus Kalabrien zu Besuch waren und sahen wie ich Pasta ins kochende Wasser warf legte ihr mein Papa nur die Hand auf die Schulter und sagte „Iss lieber mit uns“. Understatement für – du bist unfähig.

Weiter geht’s mit den Süßspeisen. Ich liebe es in die zahlreichen Pasticcerias in Bologna zu gehen – hier gibt es alles was mein Herz begehrt. Cornetto (Croissant) mit Pistazien, Nuss, Schoki, Vanille etc. – Creme und vieles vieles mehr. JA – auch Zimtschnecken habe ich schlussendlich gefunden. Wenn es aber ums richtige Backen geht, habe ich gelernt , dass in diesem Fall ICH ihnen Unfähigkeit unterstellen darf. Gestern habe ich es ernsthaft gewagt nach einem Mixer zu fragen – was soll das bitte sein? Auch im Supermarkt habe ich eine halbe Stunde nach dem Backzutatenregal suchen müssen – welches es dann aber nicht gab. Schließlich habe ich es aber trotzdem zustandegebracht eine Torte zu backen und gleichzeitig meinen Bizeps zu trainieren. Der Kuchen wurde dann an Mitbewohnerinne, Freunde und Nachbarn verteilt und ordentlich gefeiert. Mein Nachbar meinte sogar : „Vorher mochte ich dich , aber jetzt, jetzt lieb ich dich“. und Michela attestierte mir Heiratsfähigkeit „Sei proprio da sposare!“

   2. Glücklichsein

Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch der gerne, leicht und viel lacht. Als meine Freundin Hannah zuletzt gegen eine Mauer der Portici gelaufen ist, musste ich mich sogar mitten auf der Straße hinsetzen um vor Lachen nicht zu ersticken. Hier muss auch dazugesagt werden, dass meine Ur-Ur-Oma laut Familienlegende nach einem Besuch eines Rummelplatzes ins Krankenhaus eingeliefert wurde und eine Spritze bekam weil sie nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Soweit so gut. Jeder mich aber gut kennt, weiß auch, dass ich extrem gerne herumsuder, die Fähigkeit habe alles schlechtzureden und alles zu zerdenken. Soll heißen: Ich steh mir unglaublich oft selbst im Weg, fresse viel in mich rein und sage nicht was ich mir denke. In den letzten Monaten habe ich erst gemerkt, wie sehr das eigene Verhalten und die eigene Stimmung auf die der anderen abfärben kann. Als ich wegen einer Geschichte zu Hause ziemlich down war hab ichs geschafft die Stimmung der ganzen Gruppe in den Keller zu bringen, musste mich dann echt mal zusammenreißen, mich entschuldigen und erklären was eigentlich los war. Auch meine Mitbewohnerin Alessandra hat mir bei einem langen Spaziergang erklärt, dass sie mit sich selbst viel mehr im Reinen ist, seitdem sie geradeaus sagt was sie stört und es ihr nicht gut mit etwas geht. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung. Nach einem schön verbrachten Tag, einem gemeinsamen Abend oder nur nach einem kurzen Hallo auf der Straße zu hören :“ Es ist schön dich zu sehen!“, „Heut war es wieder so schön mit euch!“ – „Ich bin so froh, dass ich euch habe und das mit euch teilen kann!“ (Schnulzigkeit : Off) macht einfach so so viel aus. Solche Sätze zaubern einfach ein Lächeln auf die Lippen und versüßen einem den Tag. Glücklichen Menschen sieht man an, dass sie glücklich sind. Wer zufrieden ist mit sich und dem was er tut strahlt dies auch aus und dieses Strahlen hat meist eine gute Reichweite. Nicht nur hier in Italien sondern auch während meiner Zeit im Studentenheim habe ich bereits gelernt mehr Komplimente zu machen, anderen zu ihren Arbeiten zu gratulieren und das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Auch wenn ich es in mir drin längst weiß, hier in Bologna habe ich es aber erst wieder geschafft mir dies zu verdeutlichen. Was bringt es mir mich über etwas aufzuregen, dass ich im Moment einfach nicht ändern kann? Was bringt es mir neidisch auf den Besitz anderer zu sein? Wer sich ständig mit anderen vergleicht kann doch nie nie nie glücklich sein! Wenn ich höre, dass andere zur Matura ein Auto bekommen oder wieder andere eine tolle Reise auf einen anderen Kontinenten geschenkt bekommen, dann ist das eben so aber macht mich nicht minderwertiger. Nur weil du auf einem aufblasbaren Einhorn mit einem Pina Colada in der Hand in einem Pool entspannst heißt das nicht dass du zufriedener bist 😉 Begonnen über das Glücklichsein nachzudenken habe ich erst letzte Woche als Alessandra beim Abgeben der Post völlig unvermittelt mit der zuerst grantigen Postangestellten zu witzeln begann und mir dann auf dem Nachhauseweg einfach ein Armband schenkte Als ich sie fragte womit ich das denn verdient hätte, meinte sie nur : “Einfach so- weil ich dich mag.” Danach erzählte sie mir, dass sie die Menschen in Italien allgemein als „più solari“ – also als sonniger und damit offener und positiver wahrnimmt als beispielsweise in Deutschland. „Ihr seid manchmal so unnahbar“ beschwerte sie sich. Irgendwo hat sie Recht: Es klingt komisch aber hier greift man sich z.B viel mehr an. Jedes Mal wenn eine vom Wochenende Zuhause in die Wohnung zurückkehrte wurde sie mit viel Trara empfangen und abgebusselt. Dasselbe beim Abschied, vor jeder Prüfung oder einfach so. Manchmal sitze ich im Zimmer, dann spaziert Ale vorbei, gibt mir einen Schmatzer auf den Kopf und fragt wie mein Tag war. Man grüßt sich mit „Ciao bella“ und Kosenamen wie „Pulcino“ oder „Topino“ stehen an der Tagesordnung. Und das ist genauso das, was ich so gerne mit nach Österreich nehmen würde. Eine positivere Grundeinstellung und mehr Sonne im Herzen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass man so viel Negativität wie möglich aus seinem Leben streichen sollte. Jeder kennt sie nur zu gut und wird sie dennoch nicht immer los : Energiefresser. Menschen, Dinge, Angewohnheiten die dich unglücklich machen, dich stressen – deine Energie rauben. Inzwischen weiß ich, dass ich so viele tolle Menschen und Dinge, die jeden Tag bereichern und von denen ich viel lernen kann, in meinem Leben hatte, und dazugewonnen habe, sodass ich so manches weglassen kann. In Zukunft will ich aufmerksamer im Bezug auf meine Mitmenschen, wacher und glücklicher durchs leben latschen und nicht mehr so viel sudern. Seitdem ich mir auch regelmäßig vor Augen führe wofür ich dankbar sein kann und, dass nichts Gutes das mir widerfährt selbstverständlich ist, merke ich, dass ich zufriedener bin. Das Verlassen meiner Comfort Zone hat mir geholfen offener zu sein für Neues und mehr Platz für Glücksmomente zu schaffen.

Die wichtigste Quelle des Glücklichseins bleibt jedoch die der Freundschaft – dazu gehört vor allem auch andere glücklich zu machen (und sich zurückzuziehen wenn man andere unglücklich macht). So kann ich Eleonora nur recht geben wenn sie sagt: “Lächle einfach – es kostet nichts.“

Meine Freundinnen haben an Punkten noch hinzugefügt:

  1. – alleine sein
  2. – spontaner sein
  3. – die Heimat zu schätzen weil…
  • einem da nicht jedes Monat das Rad geklaut wird
  • das Wasser aus der Leitung bombe schmeckt
  • jeder versteht was mit „Knödel“ gemeint ist
  • Topfen, Schnitzel, Kasnudeln, Germknödel,….
  1. – den Besitz von Erfahrungen über den von Dingen zu stellen
  2. – ebenfalls: dankbarer sein
  3. mehr Komplimente machen
  4. mehr auf sich selbst zu hören und den Dingen die einem gut tun mehr Zeit einräumen
  5. besser zuhören
  6. bewusster leben
  7. mehr Sonnenuntergänge ansehen
  8. öfter bis zum Sonnenaufgang ausbleiben
  9. mehr spazieren gehen
  10. weniger stundenlanges Serienschauen
  11. mehr rausgehen
  12. mehr Schokocroissants essen
  13. weniger Salat essen
  14. weniger drauf geben was andere sagen
  15. mehr in der Natur laufen gehen
  16. weniger sinnloses Gewichtestemmen im Fitti
  17. mehr reisen
  18. weniger sparen
  19. weniger auf später verschieben
  20. mehr machen – weniger denken
  21. mehr tanzen gehen
  22. mehr Bücher lesen
  23. mehr mit seinen Leuten machen
  24. mehr Leute kennenlernen
  25. weniger das Gefühl haben allein sein zu wollen
  26. mehr hosenfreie Zonen schaffen
  27. mehr Gespräche mit Freunden über die Liebe, Sex und das Leben
  28. weniger Fleisch essen
  29. mehr spontanes Welpenstreicheln
  30. mehr Vintageshopping
  31. noch viel mehr sinnlos lachen
  32. mehr Umarmungen
  33. “Ich liebe das” – “Ich liebe dich” sagen

Vielen vielen Dank an dich Tesi für die vielen Punkte – hatte beim Durchlesen ein fettes Grinsen im Gesicht ❤

….

IMG_1860

 

Benvenuti al sud !

Im Süden Italiens war ich bis jetzt noch nie, mal abgesehen von einem Nachmittag den meine Familie und ich im Zuge einer Kreuzfahrt in Bari verbracht haben. Gemeinsam mit der Erasmusorganisation Erasmusland die alle paar Wochen Reisen oder Tagestrips in verschiedene italienische Städte oder ganze Regionen anbietet, haben wir es dann schließlich gewagt. Dadurch, dass dem „Napoli“ Trip schon ein gewisser Ruf vorauseilte wollten wir diesen natürlich nicht auslassen. Für zukünftige Bologna-Erasmusstudenten: Bei Erasmusland-(http://www.erasmusland.org/section/index.php?lang=us&section_id=Bologna) reserviert man online vor und zahlt dann entweder direkt im Büro in der Via Irnerio oder via Paypal oder Kreditkarte online.

18836556_10207399239137924_1083646170_o

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es im Doppelstockbus los Richtung Süden. In den neun Stunden Fahrt hab ich leider kein Auge zugetan aber dafür den wunderschönen Sonnenaufgang auf einer unglaublich idyllischen Raststätte in der Nähe von Rom beobachten dürfen. Während meine Freundinnen halbtot an der Scheibe klebten oder alle zehn Minuten mit dem Kopf auf den Tisch vor ihnen knallten machte ich mich mit dem geplanten Programm vertraut. 1 Tag auf der Insel Capri, 1 Tag Napoli, Vesuv Rundgang, die Stadt Sorrento und zum Abschluss Pompeij. Schon zu dem Zeitpunkt war mir klar, dass nicht jeder fähig sein würde samstagmorgens den Vesuvio zu erklimmen …

Nach unserer Ankunft in Neapel, ging es straight vom Hafen rauf auf die Fähre. Da fiel ich dann in einen sofortigen, komatösen Schlaf – Danke Körper, dass das auch im Bus so gut funktioniert hat. Aber schon alleine das Einfahren in den Hafen von Capri war toll. Hier hatte ich nicht mehr das Gefühl in Italien zu sein. Mein erster Eindruck dieser Insel erinnerte mich eher an Griechenland – mit den vielen kleinen weißen Häuschen, engen Gassen, Zitronenbäumen und unglaublich vielen Blumen. Was macht man dann in der aufkommenden Mittagshitze am ehesten ? – Richtig: Wandern. Circa 2,5 Stunden „spazierten“ wir durch den inseleigenen Nationalpark und haben dafür aber wirklich traumhafte Ausblicke genossen. Als wir dann abgekämpft und hungrig an Chanel, Louis Vuitton, Valentino und Co. vorbeilatschten wurde mir klar worher Capri seinen Ruf als Luxusdestination hat. Hier trifft sich definitiv Reich und Schön und der kleine Maximilian Octavian kann im neuesten Capristyle sein erstes Granita in angemessener Manier genießen.

Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch gings dann endlich Richtung Strand und rein ins kühle Nass. Türkisblaues Wasser, Gelato und … Qualle. War aber nur eine Babyqualle und erwischts hats Irini – sie lebt noch. Nach zwei Stunden in der Sonne brutzeln gings dann auf drei mittelgroße Boote, insgesamt waren wir eine Gruppe von gut 70 Leuten. Natürlich erwischten wir das Boot mit den meisten Spaniern – was für die Stimmung einfach nur Hammer is. Begleitet von Despacitos, wie eigentlich immer, gings laut grölend rund um die Insel. Vom Boot haben wir uns dann unter ständigem Gekreische ins Wasser gestürzt, getanzt und einfach die Sonne genossen. Auf Capri gibt es auch den sogenannten Liebesbogen, wenn man hier mit dem Boot drunter durchfährt soll man an die Person denken die man am liebsten küssen würde. Wenn man das Glück hat mit seinem Schätzelein unter dem Felsbogen durchzucruisen bringt das auf jeden Fall Glück für die Liebe.

Anschließend haben wir wunderschöne Grotten gesehen, in einer gab es zum Beispiel eine Gesteinsformation die einer Marienstatue ähnelt, und mit den Pensionisten von anderen Ausflugsschiffen gebondet. Gegen sechs Uhr abends gings dann wieder auf die Fähre, komatöser Schlaf wieder inklusive. Aufgewacht bin ich nur eine Millisekunde weil das ganze Boot aufgrund des starken Wellenganges zwei Mal hintereinander laut synchron seufzte. In Napoli wurden wir dann auf zwei Hostels aufgeteilt und kosteten deren schönen Seiten aus….wie… Gemeinschaftsduschen yey. Wenn circa 25 Mädels gleichzeitig heimkommen gibt’s da fix keinen Stress. Beim Inspizieren der Hochbetten war schnell klar: Hier herrscht akute Absturzgefahr und ich hatte förmlich die Stimme meiner Mutter im Ohr „Oben wird nicht geschlafen!!“. Irini aber ließ sich von unserem beginnenden Sudern nicht beirren, klopfte fröhlich ihre „Kissen“ auf und gab griechische Sprichwörter zum Besten „So wie du dein Bett machst, schläfst du auch!“ Mein Favourit ist und bleibt aber „Du isst gleich Holz“ – quasi : „Du kriegst glei ane am Deckl!“.

In Italien beginnt ja das Abendprogramm immer recht spät, im Süden aber beginnt alles RICHTIG spät. Erst gegen halb 10 waren wir Richtung Abendessen ins City Centre unterwegs, was darin resultierte, dass wir schon alle etwas hangry waren. Inzwischen kenn ich meine Mädels schon so gut, dass ich weiß dass man am besten gleich vorher entscheidet wo man hingeht um nicht zu riskieren, dass am Weg unschuldige Menschen Schaden nehmen. Danke nochmal an Lisa für den Restauranttipp, wir haben in dem Lokal Antica Pizzeria dell’Angelo in der Nähe der Piazza San Domenica wirklich unglaublich gute original neapolitanische Pizzen gegessen. Dass danach gefühlsmäßig wieder alles OK war, erkannte man wie immer am leicht dümmlichen Post-Food-Grinsen unsererseits. Im Anschluss gabs noch ein Eis und ein kleines Get-together auf der Piazza Domenica, doch dann sind wir, wie mein Bruder sagen würde, ziemlich schnell ins Bett einegstorben.

18901150_10207399238617911_406601466_o

Am nächsten Morgen starteten wir dann nach einem ziemlich unitalienischen Frühstück (Es gab Toast, Marmelade, Schinken, Käse etc.) in die neapolitanische Innenstadt. Geführt wurden wir von einem feschen Italiener der so manchen Mädels Schwierigkeiten bereitete sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Meine beiden Lieblingsaussagen seinerseits waren ja zum einen, dass der aragonesische Herrscher Alfonso der 1. „always problems with the poop“ hatte (Natürlich sprach er vom Papst aber die italienisch-englische Aussprache ist einfach göttlich) und zum anderen die Geschichte über einen König von Neapel der bekannt dafür war viel Zeit mit dem “gemeinen Volk” zu verbringen. Zu seiner Krönung erschien er zuerst gar nicht und wurde dann später spaghettiessend in einer Taverne aufgegabelt. Simpatico. Aber noch besser gefiel mir seine Frau, denn sie war dafür bekannt nie zu lachen. Als hätten wir nicht schon genügend Gemeinsamkeiten stellte sich auch noch heraus, dass sie das erste Mal erst geschmunzelt hat als man ihr eine süße Ricottatorte vorsetzte – die Frau ist meine Heldin. Auf unserem Rundgang haben wir dann noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter den Dom S. Gennaro gesehen, Sagt euch das sogenannte Blutwunder etwas? Schon seit 1646 befindet sich dort eine Ampulle mit getrocknetem Blut des Märtyrers S. Gennaro. Seit Ende des 15. Jahrhunderts ist die Kapelle del tesoro di San Gennaro der Ort an dem jedes Jahr im Mai und September der Festtag des San Gennaro stattfindet. Im Zuge dessen wird für die Verflüssigung des Blutes in der Kapsel gebetet, denn dies ist ein glücksverheißendes Zeichen. Letzten September ist das Blutwunder übrigens ausgeblieben.. Trump..hust. Außerdem gibt es in Napoli einige Bauten die man so auch in anderen italienischen Städten findet. Z.B die Galleria Umberto I, eine Einkaufsgallerie die von einer großen Glaskuppel überdacht ist und so auch in Mailand zu finden ist. Inmitten derer gibts es eine Stelle an der man sich selbst die Zukunft voraussagen kann. Umkreist von verschiedenen Mosaiken auf dem Boden muss man sich in der Mitte unter die Glaskuppel stellen, sich mit geschlossenen Augen im Kreis drehen und dann, nach eigenem Gefühl, in eine Richtung losstarten. Am Boden erwarten die Gäste dann verschiedene Bilder die eben den Verlauf des weiteren Lebens beschreiben sollen. Bei mir wars ein Stier, ein kleiner Vogel und ein Blumentopf, was eigentlich nur eines bedeuten kann: Zufriedenheit und Reichtum, isch doch klar.

18901127_10207399237897893_1672463252_o

Als wir unsere erste Pause machten, wurden sofort die Musikboxen ausgepackt und , ohne ständig diese Vorurteile bedienen zu wollen – alle Südamerikaner und Spanier brauchten keine 10 Sekunden um wieder in Tanzlaune zu sein. Der Rest bevorzugte es zu der noch relativ frühen Uhrzeit die vom Buffett gestanzten Snacks zu verdrücken und die neapolitanischen Polizisten, die eine Art Schlafmütze tragen die ein bisschen so ausschaut wie die des Meindlmohrs in Wien, zu beobachten. Vor dem Mittagessen wurden wir dann mit einem Aperitivo- oder wie hier alle sagen „Spriiiiiiiiiiiiitz“- versorgt, was bei der Hitze in meinem Fall nicht die genialste Idee war. Die gesamte Meute stürmte dann ein Restaurant, das auf unsere Ankunft bereits vorbereitet war und als sich das Gerücht bestätigte, dass es Rotwein unlimited geben würde gabs bei den meisten kein Halten mehr. Schon nach der Vorspeise tanzten die ersten auf ihren Stühlen und wir wurden feucht fröhlich in die italienische Trinkkultur eingeführt. Ich sag nur „Acqua fa male – il vino fa cantare“ was übersetzt heißt „Wasser tut dir nicht gut aber Wein lässt dich tanzen!“ – Oh ja, wenns nur das Tanzen wäre.

18870246_10207399239017921_218238343_o

Von leicht bedüdelt bis stark bedient ging es nun zum Meer zum Castel dell’Ovo von welchem man einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Golf von Neapel und den Vesuv hat. Auf dem Weg dorthin dürfte die Horde an Erasmusstudenten die alle mit einem Glas Limoncello ausgestattet und in der Begleitung von, wie könnte es anders sein, spanischer Musik durch die Straßen liefen einen Mordseindruck gemacht haben. Die Spaziergänger, Touristen und Restaurantbesucher blieben teilweise sogar stehen und packten ihre Smartphones aus um das Gesehene zu dokumentieren … Adieu seriöse Jobangebote. Als Irini von einem Burschen, dem das Chaos das wir veranstalteten wohl auf den Keks ging, mit einem Basketball abgeschossen wurde war ihre Reaktion nur „Alter jetzt hätt ich doch glatt meinen Limoncello verschüttet“ – woraufhin ich mich fast setzen musste um nicht zu ersticken. Auf zuvor genannte Burg, welche sich auf einer kleinen Insel befindet, gelangt man über eine eigene Straße auf der wir wieder Halt machten. Jetzt wo ich darüber schreibe fallen mir erst die Gemeinsamkeiten zu meiner Maturareise vor drei Jahren auf. Es wurde weitergetanzt, weitergetrunken – bis schließlich die ersten schlapp machten und sich zurück ins Hostel schleppten. Wir schafften es dann noch unter ständigem Gekicher die Burg zu erklimmen auf welcher wir dank angenehmer Meeresbrise auch ein wenig ausnüchterten. Auf dem Rückweg probierten wir dann noch eine neapolitanische Spezialität genannt Baba – kleine Hefeteigküchlein getränkt in einem Rum-Zuckersirup (wie war das mit dem Ausnüchtern…?) und in unserem Fall mit Creme und Schokosauce – ein Traum. Nach einer gefühlten Ewigkeit landeten wir nun in unseren Betten und gönnten uns zwei Stunden Schlaf um für den um 23:30 angesetzten „Limoncello-Pfad“ fit zu sein. Bekommen hat dann JEDER von uns eine 0,75l Flasche Limoncello, es wurde fleißig getrunken und der Pfad der eigentlich aus 7+ Stationen bestanden hätte wurde kurzerhand unter großem Beifall auf nur zwei verkürzt. Noch etwas geschwächt vom Nachmittag beschlossen meine Mädels und ich uns zu fünft auf nur zwei Flaschen zu beschränken was eindeutig genug war. Dieses zuckrige gelbe Saftl geht leider auch echt nicht leicht runter. Fazit des Abends: 7 Leute waren nicht fähig am nächsten Tag auf den Vesuv mitzukommen, ein Mädel landete im Krankenhaus und beim Versuch einmal ein nicht spanisches Lied in die Playlist zu schmuggeln wurden wir halb gelyncht.

18870611_10207399232097748_1712097313_o

Da ich im Moment ein paar Prüfungen bzw. First World Freizeitstress habe und nebenbei vor Hitze sterbe wird Teil 2 meines Süden-Trips in den nächsten Tagen kommen 😀

Napoli war für mich so anders als jede andere italienische Stadt in der ich bis jetzt war. Hohe Häuserfronten, enge, teils düstere Gassen, dann wieder eine riesige, helle Piazzas – manchmal wirkt es so als hätte man hier verschiedene Stile einfach wie wild zusammengewürfelt. Bologna wirkt mit seinen 50 Shades of Orange gegen das Gewusel das hier herrscht richtig spießig.

Mein Senf zum modernen Feminismus

Als ich mit dem Beitrag angefangen habe ging es gar nicht um Feminismus, eigentlich ging es nur um mein Rad, etwas Olivenöl und chauvinistische Polizisten – aber liest einfach mal selbst.

fullsizeoutput_2136

Zu allererst muss ich sagen, dass ich mich als Erasmusstudentin in Bologna immer gut aufgehoben fühle – als Teil einer Multikultistadt mit vielen Jugendlichen aus allen Teilen der Erde, als Weltbewohnerin oder etwas spezifischer als Europäerin. Letzte Woche hat man mir aber schließlich meine Wirhabenunsallesolieb- Brille heruntergerissen und mir zum ersten Mal seit meiner Ankunft das Gefühl gegeben hier „fremd“ zu sein, was sich so unglaublich komisch anfühlt weil ich das einfach nicht bin. Ich identifiziere mich mit so vielen Dingen, spreche mit ItalienerInnen, esse das italienische Essen und sehe Ähnlichkeiten und Unterschiede zu meinem Leben in der Heimat. Ich finde mich also in einem anderen kulturellen Umfeld bin aber in keinem Fall fremd.

Wie bereits erwähnt, werden in Bologna jeden Tag unglaublich viele Räder gestohlen um dann wieder billigst an verschiedenen Ecken der Stadt verscherbelt zu werden. Mein halb verschrottetes Rad würde man zwar vermutlich nicht mal mehr geschenkt nehmen aber ich bemüh mich trotzdem es ausreichend zu schützen und hänge es immer mit 2 Schlössern an. Vor einer Woche wars dann auch bei mir soweit, während ich mit meiner Mitbewohnerin Michela bei einem Physikabend unserer Mitbewohnerin Alessandra war muss sich wohl jemand an meinem kleineren Schloss versucht haben- ist aber kläglich gescheitert (Tigers 3 Euro Schloss- in your face). Mit vereinten Kräften haben Michi und ich versucht das malträtierte Schloss irgendwie zu öffnen, geholfen hat nicht mal das gute Allheilmittel Olivenöl vom Mci. So haben wir dann zu zweit das Rad bis zum Piazza Maggiore geschleppt in der Hoffnung auf Polizisten zu treffen die das Schloss eventuell hätten knacken oder im Notfall aufschneiden können. Genau an diesem Abend waren natürlich keine Polizisten da – eh klar. So entschied ich diesen Wink des Schicksals zu nutzen um am nächsten Morgen mal wieder meinen Pizza und Biscottiverseuchten Körper an die frische Luft zu schleppen, eine Runde laufen zu gehen und direkt bei meinem Rad vorbeizuschauen. Als ich dann verschwitzt an der Piazza ankam steuerte ich sofort auf ein Grüppchen Polizisten zu. Nach Erklärung meines Problems begleiteten mich zwei auch gleich zu meinem Rad, einer blieb an seinem Posten. Beide waren von Anfang an total nett, haben mich gefragt was ich studiere und wie es mir in der Stadt gefällt. Leider scheiterten aber sogar sie an dem Schloss schlugen mir aber vor in ein Eisenwarengeschäft zu gehen um dort nach einer Zange zu fragen. Dann sollte ich wieder zu ihnen kommen und sie würden mir helfen „damit nicht jeder glaubt ich würde am hellichten Tag Räder stehlen“. Danke für die Umsicht – „Halo papa ich han ein Rad gstohln. Ich bims deim Tochter“. Gesagt getan, Zange ausgeborgt und zurückmarschiert zu meinen neuen friends den Polizisten. Als ich sie aus ein bisschen Entfernung erblickte winkte ich schon mit meinem neu erstandenen Goodie : einer Riesenzange, Dinge die eindeutig nicht in meine Hände gehören. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir eigentlich schon blöd vorkommen sollen. Denn dann hatte sich die kleine Gruppe Polizisten zu einer 20 köpfigen Meute vergrößert, keine Bedenken vorerst bei mir, gibt’s mehr zum Schauen 😉 Als ich ankam hatten sich meine zwei Burschen in den Bus verdünnisiert, die anderen schienen mich nicht zu beachten. Trotz allem erklärte ich mein Problem und wies darauf hin, dass ich bereits mit Kollegen gesprochen hatte. Wenn ich jetzt wieder darüber nachdenke werde ich schon wieder grantig. Einer der sich mir nur halb zuwendete meinte dann ob ich mir sicher sei mit Leuten von ihnen gesprochen zu haben. Verwundert hab ich dann nur genickt und gesagt dass es die zwei waren die gerade ins Auto gestiegen waren. Er entgegnete darauf „Ja und wie haben die geheißen?“ – Woher zu Hölle soll ich wissen wie die heißen?! Ok, nur weil ich schon von Roadtrips in nicht vorhandenen Polizeicabrios geträumt habe bedeutet das nicht, dass ich bereits über das Stammdatenblatt der zwei Typen verfüge. Ich antwortete „Ma sta scherzando?“ und hab erneut mein Problem erklärt. Ein anderer fragte dann „Ma lei è una straniera?“ (Ist das eine Ausländerin?) und alle grinsten sich dumm an und zuckten mit den Schultern. Erneut erklärte ich, mit meiner Zange gestikulierend, dass ich das Schloss nicht alleine öffnen wollte. Inzwischen hatte sich die Gruppe mir gegenüber vereint aufgestellt, alle mit verschränkten Armen und Sonnenbrille auf der Nase. Einer kam nun näher auf mich zu – „Wir machen sowas nicht, wir dürfen uns hier nicht wegbewegen“. Mein „Aber Ihre Kollegen haben mein Rad schon gesehen !“ wurde nur in einem weiteren „Wir bewegen uns hier nicht weg!“ erstickt. Toll wenn ihr euch zu zwanzigst hier nicht wegbewegt, was ist dann wenn mal wirklich was Gravierendes passiert? Noch bevor ich ein letztes Mal ansetzen konnte, baute sich einer vor mir auf und meinte mit einem Grinsen im Gesicht: „DU (nicht dass ich auf das Sie bestehen würde aber in diesem Fall war es einfach ein fließender Wechsel zum Du) kannst gern warten wenn du willst. Hier wird dir aber keiner helfen. Schönen Tag!“ Ok – somit war das nicht existente Gespräch nun endgültig beendet. Weil ich jemand bin der in solchen Situationen nah am Wasser gebaut ist zog ich nur schnell die Luft ein und floh auf schnellstem Wege. Sofort schickte ich eine leicht schniefige Sprachachricht an meine Mädels-Bologna Whatsappgruppe und ließ mich über diese – Zitat „SCHOowinistischen Italo-Matcho-Arschlöcher“ aus – wenn ich grantig bin dann bin ich wirklich grantig. Zurück beim Rad hatte ich dann instantly diesen „Was ich nicht alles hätte sagen können – Moment“. Anstatt einfach kehrtzumachen hätte ich ihm die Stirn bieten und ihm sagen sollen, dass er mich nicht so behandeln kann. Aber wie so oft: unter Stress und in der fremden Sprache ließ meine Schlagfertigkeit auf sich warten. Für mich war die Lage dann auch schnell klar: Offensichtlich hätten die zwei ihren Posten nicht verlassen dürfen, im Gespräch mit dem Vorgesetzten muss ihnen dies dann klargemacht worden sein – sonst ergibt das plötzliche Verdünnisieren einfach keinen Sinn. Schlussendlich habe ich mein Schloss dann unter verwunderten Blicken der Passanten aufgezwickt – noch nie ein halb verheultes, verschwitztes Mädel im Laufdress gesehen das am meist frequentiertesten Platz Bologna Räder knackt? – understatement ist nicht so mein Style. Um meinen angeknacksten Stolz zu retten bin ich dann erhobenen Hauptes an der Gruppe vorbeigefahren – puh Würde gerettet? Zuhause angekommen war ich dann aber noch immer so wütend und wollte das was passiert war nicht einfach auf mir sitzen lassen, sodass ich dann eine E-Mail geschrieben habe, vermutlich an die falsche Stelle- aber einfach schon darüber zu schreiben hat geholfen den Ärger abzulassen.

Ich dachte bis jetzt, gerade weil Feminismus zum letzten Hipstershit auserkoren wurde, mich diesem Bereich nicht annehmen zu müssen – aber nun kommt auch mein Senf zum Thema. Es war einfach so frustrierend für mich auf diese Weise von einer Gruppe von 20 ausschließlich männlichen Polizisten gedemütigt zu werden. Manche meinen jetzt vielleicht, dass ich übertreibe aber schon allein, dass ich mich nach dem Vorfall so ungerecht behandelt gefühlt habe zeigt mir, dass hier etwas schiefgelaufen ist. Ich habe um Hilfe gebeten, auf eine höfliche Art und Weise und wurde behandelt als wäre ich eine Grenzdebile oder als hätte ich eine Straftat begangen. Es klingt so banal, aber in der Gruppe hat sich diese Horde poliziotti einfach unglaublich stark gefühlt; zuvor als ich mit den zweien allein war, fühlte ich mich ernstgenommen mit meinem Problem und konnte mit ihnen auch herumscherzen. Aber als ich dann wie ein Idiot mit meiner Riesenzange auf der Piazza gestanden bin und diese beiden einfach zu feig waren sich mir „zu stellen“ und stattdessen ihre Kollegen vorgeschickt haben, hab ich mich einfach nur verarscht und irgendwo auch klein gefühlt. In dem Moment habe ich erst wieder gemerkt, dass es doch Unterschiede bei der Behandlung von Männern und Frauen gibt. Ich bin mir absolut sicher, dass sie anders mit mir umgegangen wären, wäre ich in Begleitung eines Mannes gewesen. Und das ist das was ich absolut nicht einsehe, nicht im Jahr 2017. Denn mit solchen Problemen bin ich nicht allein, so etwas passiert Frauen überall tagtäglich und die häufigste Reaktionen auf Geschichten wie diese ist: „Bringt nix wennst dich jetzt aufregst, das sind verschwendete Nerven, so is das halt!“

Ich bin keine Instagram Feministin die, wie man jetzt immer häufiger sieht, mit T-Shirts mit der Aufschrift „Girls just wanna have fundamental human rights“ oder „GRL PWR“ post und sich grade jetzt, weils eben grad in ist, auf diesem Wege für die Rechte von Frauen einsetzt. Feminismus wird in der letzten Zeit immer mehr zum Produkt gemacht und könnte man daraus gerade kein Geld machen wäre es auch nur halb so cool. Fast jede High Street Marke die ich kenne bietet T-Shirts mit ähnlichen Logos und Schriftzügen an, dass diese Kleidungsstücke aber von Näherinnen mit null „fundamental human rights“ genäht werden interessiert mal wieder kein Schwein – #nur5centverdient bringt wohl nicht so viele Follower. Ich will aber auch keine „Hardcore Feministin“ sein die darüber sinniert wie toll es nicht wäre alle Männer abzuschlachten weil wir uns doch selbst genügen – meiner Meinung nach verdienen solche Aussagen nicht das Label „Feminismus“. Ich bin überzeugt Feminismus oder wie es eigentlich heißen sollte „Common Sense“ – ist immer in und ich bin eigentlich extrem froh, dass durch die sogenannten Influencer auf Facebook, Instagram und Co das Bewusstsein und Interesse für Gleichberechtigung und Anliegen der Frauen wieder einen Aufwind bekommt und viele junge Mädels auf die Straße gehen um auf ihre Wünsche aufmerksam zu machen. Auch mit den Aussagen Trumps mit seinem bekannten Lockerroom Talk sowie den verbalen Abgasen meines Lieblings Felix Baumgartner ist das Thema Feminismus wieder in aller Munde.

Ich weiß, dass es in Italien das Klischee des Matchomannes gibt der am liebsten bis 35 zu Hause bei seiner Mamma bleiben würde – aber nicht alle Männer sind gleich, eigentlich. In Italien wurde ich bis jetzt von Männern immer supergut behandelt, manches Kompliment wie „ciao belle“ wenn man abends mit seinen Mädels unterwegs ist kann ja auch schmeichelnd sein aber, dass man mit mir so abwertend umspringt nur weil ich eine Frau bin ist einfach nur bedenklich und wiegesagt, sicherlich kein Einzelfall. Würde ich jetzt einfach alles „lasciare stare“ (= nichts tun) lassen würde, würde ich auf diesem Weg diesen Typen wieder Recht geben und dieses Verhalten als in Ordnung abtun. Insofern werde ich mich jetzt auf meine vier Buchstaben setzen und herausfinden an welcher Stelle ich möglicherweise eine Reaktion auf meine Mail bekommen könnte. Bei Feminismus sollte es ja eben nicht nur ums Darüber-Schreiben, Tragen des richtigen T-Shirts und ums Image gehen sondern auch darum etwas zu tun.

Ich bin stolz und froh eine Frau zu sein – und ich will verdammt nochmal einfach mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden, vor allem von Menschen die mich nicht einmal persönlich kennen und die im Grunde nichts von mir brauchen, also nichts davon haben wenn sich mich degradieren außer, dass sie sich in ihrem kleinen Ego gepusht fühlen und meine Gefühle verletzen. Neid und Missgunst gibt es unter uns Frauen, leider, schon zur Genüge.

Ethical Statements Shirts gibt’s übrigens hier :

http://peppermynta.de/2017/04/22/fair-fashion-politische-statement-t-shirts/

http://www.peopletree.co.uk/edits/slogan-tshirts

Infos zum österreichischen Frauenvolksbegehren gibts hier

“Jetzt erst recht!
Es ist an der Zeit, die Umsetzung lange bestehender frauenpolitischer Forderungen und nötiger Maßnahmen mit Nachdruck einzufordern.
Wir möchten bis 2018 ein neues Frauen*volksbegehren organisieren und wir brauchen deine Unterstützung, um die Arbeit, die vor uns liegt, gemeinsam zu bewältigen.
Von Fernsehinterview bis Podiumsdiskussion wird alles dabei sein. Wir planen eine österreichweite Kampagne, die Frauen*poltik in allen Facetten diskutiert.https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren&#8221;

https://www.startnext.com/frauenvolksbegehren

Und sorry für das Bild Papa haha. und danke Franzi ❤

Blogs Blogs Blogs – und warum wir alle selbstbezogene Arschlöcher sind

Es ist einfach ein schönes Bild mit makelloser Haut und tollem Make up online zu stellen – diversen Schminkapps und Instagram sei Dank. Es ist einfach ein Selfie mit dem neu erstandenen Outfit zu posten und sinnbefreite Hashtags darunter zu setzen – #follow4follow, hauptsache die Likes fließen, ich fühl mich gut – Bestätigung durch andere, ihr wisst schon und niemand beschwert sich – Oder doch? Vor ein paar Wochen habe ich den scheinbaren Fehler begangen in einem Blogpost über meine Gefühle zu schreiben, mich zu öffnen und festzuhalten was mir so durch den Kopf ging – zu einem Thema zu dem, wie ich dachte, vielleicht der ein oder andere in dieser Welt einen Bezug finden würde, vielleicht nickt und sagt „Das kommt mir irgendwie bekannt vor..“ Es ging um die Suche nach dem Selbst. Wer fühlt sich im Zuge des Erwachsenwerdens denn nicht oft hilflos und desorientiert? Gerade lese ich das Graphic Novel „Ghost World“ von Daniel Clowes in dem es um zwei Mädchen geht die nach Ende ihrer Schulzeit versuchen ihren Weg in die Erwachsenenwelt zu finden – jede auf ihrer eigene Art und Weise. Die eigene Identität aufzubauen, die des erwachsenen, hoffentlich einmal finanziell unabhängigen, arbeitenden, fühlenden Selbst und gleichzeitig die Kindheit und all die Dinge wie Spielsachen oder das alte Kinderzimmer – Dinge über die man sich definiert hat zurückzulassen ist schwer, verdammt schwer. Mit 17, 18 hab ich mich oft gefragt: Wer bin ich und wer möchte ich eigentlich sein? Die Kinderversion von mir selbst erschien mir damals die Identität derer ich mir sicher war; Mein Jetzt-Ich war gerade noch im Konstruktionsprozess und mein zukünftiges Ich – woher zur Hölle sollte ich wissen was ich in 10 Jahren so treiben würde. Oftmals erscheint es mir so als würden wir uns als junge Erwachsene in einem Zwischenuniversum bewegen. Den Platz in der Vergangenheit, in der Kindheit haben wir trotz Spielsachen oder alter Kleider an die wir uns bis zuletzt klammern und einfach nicht wegwerfen können verloren, in der Erwachsenenwelt sind wir jedoch auch nicht richtig angekommen. Etwas lost irren wir umher, auf der Suche nach einem Platz in dieser Gesellschaft, in dieser Welt; Auf der Suche nach Dingen über die wir uns definieren können, auf der Suche nach Menschen durch die wir lernen wer wir sind, Menschen von welchen wir uns abgrenzen um zu begreifen wer wir nicht sind. In dieser Zeit ist unser Selbstbild nichts Beständiges – Wünsche, Ängste und Träume ändern sich jeden Tag – oder zumindest bei mir ist es so. Wir ändern unser Aussehen, probieren verschiedene Stile aus, decken uns mit Zeug ein das wir nicht brauchen, grenzen uns ab oder andere aus – wir konstruieren unsere Identität oder ein Bild unser selbst wie wir gerne wären. Und ist man endlich soweit, dass man akzeptiert, dass man auch mal verwirrt ist und nicht immer weiß oder sich selbst nicht erklären kann was man will und dies dann auch noch offen zugibt wird man angreifbar, im schlechtesten Fall sogar zur Zielscheibe. Wer über seine Gefühle schreibt, zugibt, dass er Arbeit in die Texte steckt welche schlussendlich gepostet werden macht sich verletzlich. „Blogs find ich eigentlich grundsätzlich scheiße!“ – hab ich schon öfter gehört und es ist auch legitim das zu sagen obwohl ich solchen verbalen Rundumschlägen immer kritisch gegenüberstehe. Es tut mir nicht persönlich weh wenn jemand so etwas sagt, viel mehr tut es mir leid, dass viele den Zugang zu der geballten Erfahrung die viele Blogs vermitteln nicht finden können. Dank Blogs habe ich schon in einigen Städten wunderschöne, versteckte Plätze entdeckt oder ohne großartiges Suchen in tollen Lokalen gegessen. Ich kann mich tagtäglich in Bereichen die mich interessieren weiterentwickeln und profitiere von der Arbeit die sich andere Menschen für ihre Leser machen.

Sophie hat mir einen Artikel mit dem Titel „Schnappatmung“ gezeigt. Die Autorin kritisiert, dass sehr viele Menschen in der heutigen Zeit vor allem in sozialen Netzwerken oder allgemein im Internet ständig ihre Meinung zu einem Thema kundtun ohne überhaupt verstanden zu haben worum es geht. Man spricht in diesem Fall auch von einer Helikoptermoral – jedes Wort wird auf die Waagschale gelegt, Verständnis oder Humor – leider nicht vorhanden. Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt, dass unsere Gesellschaft dies – ein ständiges und gnadenloses Werten – braucht um die eigene Unsicherheit die man aufgrund der immer komplexer werdenden Vorgänge in einer sich ständig aktualisierenden Welt zu überwinden. Aber wenn wir schon werten und kritisieren sollten wir uns dann nicht wenigstens vorher im Klaren darüber sein worum es geht ? Noch bevor wir verstehen worum es eigentlich richtig geht, noch bevor wir uns Zeit nehmen, uns nochmals hinsetzen um uns eine reflektierte Meinung zu bilden steigt unser Blutdruck und im nächsten Moment wettern wir schon los. “Wieso sollte ich den Artikel überhaupt lesen – die Überschrift sagt doch schon alles?!” Natürlich bekommt niemand gerne negative Kritik und ich merke auch, dass wir Menschen zunehmend empfindlicher im Bezug darauf werden. Benimmt sich die Person wegen mir jetzt so komisch? Hat die mich grad doof angemacht ? – würden meine deutschen Freunde fragen. Aber warum zur Hölle ist das so – sind wir alle zu selbstbezogenen Arschlöchern geworden die in ihrer Psychose jeden Mist auf sich beziehen müssen? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns unsere Bestätigung viel zu oft von außen holen – „Wie viele Likes hat mein Bild auf Instagram?“ – „Also mein Profilbild muss auf jeden Fall mehr Likes haben als das letzte sonst…“ – fühl ich mich wie der letzte Dreck oder wie ?

Natürlich sind wir soziale Wesen die auf das Wohlwollen ihrer Mitmenschen angewiesen sind, den Menschen die ich liebe und welchen ich vertraue muss ich dies aber auch nicht jeden Tag schriftlich mitteilen und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass wir viel zu überempfindlich auf unsere Umwelt reagieren – ich eingeschlossen. Auch wenn ich aus der Vergangenheit lerne und versuche mit dem was ich auf meiner wordpress Seite poste niemanden zu verletzen, tue ich es scheinbar doch – meine Mitmenschen kritisiere ich nämlich am liebsten subtil über Blogposts – direkt mit den Leuten zu sprechen die mir auf den Keks gehen  find ich nämlich viel zu Mainstream. Wenn ich sage, dass uns nicht jeder was Böses will oder nicht hinter jedem Facebook Post eine versteckte Hassbotschaft steckt hat dies nichts mit Naivität zu tun, vermutlich sind wir unseren Mitmenschen manchmal einfach viel egaler als wir denken.

fullsizeoutput_1fac.jpeg

10 Wochen Bologna und mein erstes Kussverbot

10 Wochen Bologna. 10 Wochen – und weiterhin vergeht die Zeit für mich wie im Flug.

Ein Aspekt für den ich unglaublich dankbar bin, denn dies war im Vorfeld meine einzige Angst: Dass ich mich nicht wohlfühlen, mich zurückziehen und meine Zeit in Italien nur „absitzen“ würde. Nun ist das genaue Gegenteil eingetreten – ich habe fast jeden Tag der letzten 10 Wochen genossen. Warum nur fast werdet ihr im kommenden Blogpost erfahren.

IMG_0748.JPG

Fahrt nach Rom. Klimaanlage. Verkühlung. Perfekt. Nachdem ich von meinem Spontantrip zu meiner Lieblingsjessy, einer Freundin von mir aus Wien die ihr Erasmussemester gemeinsam mit einer Mopslady in der italienischen Hauptstadt verbringen darf, zurückkam, fing das Halsweh schon an. Bereits im Flixbus, als sich über allen Sitzen die Klimaanlage einschaltete versuchte ich mir mein T-Shirt bis über die Ohren zu ziehen – zu lebendig waren die Erinnerungen an die Mittelohrentzündung die ich mir vor drei Jahren auf dem Rückweg von New York im eiskalten Flieger eingefangen hatte. Insofern – ich war gewappnet, eigentlich. Denn ich rechnete nicht mit dem was dann kam. Laut meiner hochprofessionellen Eigendiagnose waren schlichtweg meine Lymphknoten geschwollen, ein klarer Fall: Verkühlung, kein Grund sich zu schonen oder gar zu Hause zu bleiben. Als ich dann aber ein kleines Knötchen weiter unten am Hals entdeckte und den Fehler beging dies im Telefongespräch mit meiner Mutter zu erwähnen war mein Zugticket nach Innsbruck quasi schon gebucht. Trotzdem konnte ich Mutters davon überzeugen, dass auch in Italien die Menschen nicht von einfachen Verkühlungen dahingerafft werden und versprach ihr den Knoten einem italienischen Arzt zu zeigen. Meine Mitbewohnerinnen erklärten mir dann, dass es in Italien eigentlich so ist, dass jeden Familie einen „medico di famiglia“ zugeteilt bekommt, da ich aber keine italienische Staatsbürgerin sei mir nun aber selbst einen suchen müsse (Was ist das für 1 Konjunktiv). Schließlich bin ich bei einem alten dottore gelandet der mich nach einer Stunde Warten endlich durchcheckte und trocken meinte „Mandelentzündung“. Er schrieb mir ein Rezept für Antibiotikum, als nächstes gings in die farmacia. In Bologna gibt es gefühlt hunderte Farmacias, ich entschied mich aber für jene neben den due torri – ging eindeutig nach meinem Bauchgefühl, denn direkt daneben ist eine der besten Gelaterias der Stadt und wer hat sich nach einem Besuch beim Arzt kein Eis verdient?? Der Apotheker fluchte dann nur über das falsch geschriebene Rezept und erklärte mir wie es richtig ausgefüllt werden müsse. 3 Euro bezahlt, verabschiedet – in dem Glauben die Entzündung wäre ich in ein paar Tagen schon wieder los. – Falsch gedacht. Nach weiteren 2 Tagen brauchte ich in der Früh mindestens eine halbe Stunde um mich in ein schluckfähiges Wesen zu verwandeln, konnte ich dann endlich einen Schluck Wasser trinken wollte ich vor Schmerzen an die Wand gehen und mein Kopf fühlte sich an als hätte ihn jemand mit Zement gefüllt. Als dann die Schmerzen auch noch Richtung Ohren wanderten war es bei mir vorbei. Ich bin eindeutig kein wehleidiger Mensch aber sowas hab ich auch noch nicht erlebt. Alles wieder zurück auf Anfang und back zu meinem Lieblingsdoktor. Der schaute mir in den Hals und sagte nur „Ma che tonsille!!!!“ – Was soviel heißt „Oh was für Mandeln !“ – Ja oh was für Mandeln – “Bitte schneid sie mir einfach raus oder schlag mich instantly bewusstlos, es wäre mir egal”  – waren meine einzigen Gedanken in dem Moment. Stattdessen bekam ich Rezepte für Schmerzmittel, Ohrentropfen und einer Überweisung zum HNO. In Italien ist es nämlich so, dass man als „Auswärtige“ seine Arzttermine bei Spezialisten in der Farmacia ausmacht – demnächst frag ich ob die Farmacia auch ein Mittagsmenü anbietet. In der Apotheke wurde ich schon mit „Ciao – ahhh la ragazza austriaca“ begrüßt. Von da an war ich dann fast alle 2 Tage dort. Einmal um endgültig einen HNO Termin auszumachen und einmal um mir neue Schmerzmittel zu holen. Meinen Lieblingsapotheker hatte ich inzwischen adoptiert, die anderen Angestellten ignorierten mich und ich sie. Meine Rezepte vom Arzt füllte ich inzwischen auch selbst aus- Auf mein stolzes „Das Rezept hab ich ganz alleine ausgefüllt““ bekam ich jedoch nur ein müdes Lächeln geschenkt. Die Zeit bis ich endlich meinen HNO Termin hatte war nur eines – furchtbar. Ich war den ganzen Tag im Bett und meine Aktivitäten ähnelten jenen eines fiebrigen Pandas. Abgesehen davon, dass Pandas auch ohne Schmerzmittel ihr Essen runterbekommen. Auf die morgendliche Frage meiner Mitbewohnerinnen wie es mir denn heute ginge antwortete ich nur röchelnd mit „Male“, „Non riesco a degluttire“ (Ich kann nicht schlucken) oder in meiner dramatischen Phase “Potresti uccidermi per favore?” (Könntest du mich bitte umlegen?).  Am Tag meines HNO Termines ging es mir dann aber schon um einiges besser. In der Praxis, 20 Minuten raus aus Bologna, fühlte ich mich nun um eindeutig besser aufgehoben als bei meinem, trotz allem, Lieblingshausarzt. Nach der Untersuchung erklärte mir der behandelnde Arzt, dass er die Vermutung habe, dass es „Mononucleosis“ sei – Keine Zeit um das zu googlen. Auf jeden Fall musste ich dann wieder in die Farmacia um zu erfahren, dass man Termine für Blutuntersuchungen direkt im Labor ausmachen müsse. Ich war fast beleidigt – fühlte sich meine Farmacia nicht mehr für mich zuständig ? Nach einer Woche waren die Blutergebnisse da mit denen es schnurstracks zu meinem Hausarzt ging der nur schmunzelte, eine Augenbraue hob und sagte: „Ja Sie haben Pfeiffersches Drüsenfieber“. Inzwischen weiß ich auch, dass diese Krankheit den Beinamen „Kusskrankheit“ oder „Studentenfieber“ hat und eben hauptsächlich durch seeeeeeeehr engen Kontakt zwischen Menschen übertragen wird. Natürlich verstand ich seine Vorurteile – Blondes österreichisches Mädel, auf Erasmus in Bologna – da wird schon mal geknutscht. In meinem Fall saß aber der letzte Bursche den ich geküsst hatte in Wien und der letzte Kuss war einige Wochen her. Zum Abschied sagte mein dottore circa 10 Mal, dass ich niemanden küssen sollte worauf ich dann leicht genervt mit „Wie siehts mit meinen Feinden aus?“ reagierte und daraufhin schallendes Gelächter kassierte. Grazie.

Alla fine hatte ich nach ein paar Tagen dann noch eine Ultraschalluntersuchung um die Größe meiner Milz zu checken, die aber Gott sei Dank nicht vergrößert war und ich deswegen auch kein Sportverbot sondern nur den Hinweis bekam mich in der nächsten Zeit nicht zu überanstrengen. Nichts lieber als das – Überanstrengung find ich eh nicht so prickelnd. In conclusione, jetzt geht’s mir endlich wieder sehr gut, wenn ich erzähle dass ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte reagieren die meisten weiterhin mit „Du weißt schon dass das auch Küsserkrankh…“ – JA VERDAMMT ICH WEIß DAS –  und beim Vorbeigehen an der Apotheke winke ich ab und zu wehmütig meinem favourite Farmacista…

Ansonsten war ich wieder auf Reisen, habe meine ersten beiden Gäste gehostet, hab geschminkt, geschlemmt, war auf der Uni, hab “Spriiiitz” verkostet und vieles mehr – aber da sprechen die Bilder wohl eher für sich!

Um ein bisschen mehr auf die Städte einzugehen die ich in letzter Zeit besucht habe wird es einen eigenen Beitrag geben.

  • Ravenna
  • Rimini
  • Urbino
  • Fano
  • Bologna – San Luca

Buona Pasqua e tanti baci ❤ – Ich hab das Glück dieses Jahr Ostern am Meer in San Benedetto del Tronto zu verbringen und lass mir die Sonne ordentlich auf meinen Käsebauch scheinen.

Erasmus und die berühmte Selbstfindung…

Erasmus Trennungen, Erasmus Beziehungen, Erasmus Gspusi, Erasmus Depression- Erasmus hat sein Label vielen Dingen aufgedrückt in denen es um Gefühle geht. Ja Erasmus ist etwas Schönes, eine Zeit die man im Leben vielleicht nur einmal so erlebt aber manchmal ist Erasmus auch echt scheiße – nämlich dann wenn man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss.

Immer wieder beschleicht mich das Gefühl, dass Erasmus die einmalige Gelegenheit für alles ist -um jedes Wochenende einen anderen Kerl aufzureißen („Ich bin ja schließlich nur einmal auf Erasmus!!“) – sich vom Lebenspartner zu trennen („Ich bin jetzt doch so lange auf Erasmus“) oder einfach mal casually 10 Kilo zuzunehmen („ Ach bitte mit panna ich bin schließlich auf Erasmus“). Was hinzukommt ist die berühmte Suche nach dem Selbst. Freundinnen die bereits im Ausland waren teilten mir nach ihrer Rückkehr kryptisch mit „Auch du wirst dich in der Zeit noch anders kennenlernen!“ – Vielen Dank, ich komme schon mit dem Ich was ich jetzt kenne nicht richtig zurecht. Aber auch ich muss zugeben, dass ich die Ausrede mit der Selbstfindung benutzt habe um mich mit gewissen Dingen einfach vorerst nicht auseinandersetzen zu müssen. z.B mit meinem Kopfchaos in dem ich mich viel zu oft verliere. Besonders vor meiner Abreise fühlte ich mich oft orientierungslos, stellte meine Entscheidungen infrage und vertraute meinen Gefühlen nicht. Soll ich überhaupt ins Ausland gehen, hast du nicht eigentlich keine Zeit dafür ? – meldete sich die Vernunft. Hab Spaß, mach mal wieder durch, betrink dich und finde ein Bier was dir schmeckt- verlautbarte mein unvernünftigeres Selbst. Hinzu kam Prüfungsstress, Beziehungswirrwarr und Freundinnen die ihr Leben ebenfalls nicht ganz unter Kontrolle hatten. Soll schnell konnte ich gar nicht schauen war ich schon hier in Italien, gefühls- und kopfmäßig aber noch in Wien. Konfrontiert mit Herausforderungen und wunderschönen Bekanntschaften und neuen Eindrücken verdrängte ich das was mich bei meiner Rückkehr wieder erwarten würde schnell in den Hintergrund. Du schaust jetzt mal auf dich – lautete meine Devise. Wenn ich jetzt Bilder vom letzten Semester anschaue merke ich es – das bin zwar ich auf den Fotos aber oft war ich einfach nicht da. Ich bin untergangen in den Problemen die mich belastet haben, hab versucht mir vor den anderen so wenig wie möglich anmerken zu lassen und nicht gesehen wer es eigentlich gut mit mir meint.

Rückblickend hat es mir in den ersten Wochen hier gut getan einfach mal den Kopf abzuschalten aber irgendwann – ob man will oder nicht – muss man sich dann doch mit sich selbst auseinandersetzen, denn auch wenn gerade mal 6 Wochen vergangen sind weiß ich, dass das Ende meiner Erasmuszeit schneller vor der Tür stehen wird als gedacht und dann will ich nicht wieder genauso weit sein wie vor meiner Abreise. Immerhin ein paar Dinge habe ich in Italien schon über mich erfahren.

Ich bin ein Mensch der nicht ständig Programm braucht oder von anderen bespaßt werden muss. Manche würden vielleicht sogar sagen, dass ich ab und zu zu einzelgängerisch unterwegs bin, zu viel für mich behalte was ich aber an sich nicht schlecht finde. Als strong and independent ragazza kann ich alleine ins museo oder shoppen gehen ohne mir dabei blöd vorzukommen. Es ist wichtig nicht komplett durchzudrehen wenn man nur seine eigene company hat sondern man sollte lernen diese schätzen und es vielleicht einfach mal zu akzeptieren, dass man, wie in meinem Fall, ein emotionales Wirr Warr ist. Es gibt so viel im Leben was ich will und vieles was ich nicht will. Bei dem meisten was mir da durch den Kopf geht bin ich ziemlich unsicher – an einem Tag will ich rosa Haare, am nächsten ein Tattoo und am übernächsten eine eigene Nähmaschine besorgen und endlich lernen wie man mit Stoffen umgeht. Und das ist erst der Anfang. Vielleicht ist mein Selbstfindungsergebnis bis jetzt einfach, dass ich mir eingestehen kann dass ich nicht weiß was ich will. Ich will mich nicht immer rechtfertigen müssen für die Entscheidungen die ich treffe und gleichzeitig verlange ich es aber von anderen Leuten. Ich will jetzt noch nicht mein Leben für die nächsten 10 Jahre vorausplanen, gleichzeitig bewundere all jene die es tun. Ich will meiner Mutter nicht erklären müssen, dass ich ihr nicht garantieren kann, dass sie mal eine junge Oma wird die eventuell noch für die Mama ihrer Enkelkinder gehalten wird. Ich will kein schlechtes Gewissen haben wenn ich sage, dass ich nicht weiß ob ich mal als Lehrerin in einer Klasse stehen möchte und zeige gleichzeitig Unverständnis bei jenen die Medizin nicht geschafft haben und nun Jus studieren.

Ich möchte die Pflichten die auf mich warten meistern, ich will mein Studium abschließen und irgendwann als Visagistin oder sogar als Make up Artist auf eigenen Beinen stehen. Ich will tagtäglich Entscheidungen treffen durch die ich Leid nicht vergrößere sondern durch jede zu dem Weltbild beitrage das ich mir wünsche. Aber vor allem möchte ich mit Stolz hinter diesen Entscheidungen stehen, deren Konsequenzen mit Freude tragen und mir Fehler eingestehen können. Ich will Dinge und Menschen die mir nicht gut tun hinter mir lassen und all dem was mich glücklich macht mehr Zeit schenken. Ich will weniger materialistisch sein und mich von dem Gedanken befreien immer mehr zu brauchen und mich ständig vergleichen zu müssen.

So abgeklatscht es klingt: Jetzt ist nicht die Zeit um jeden zweiten Tag meinen Kleiderschrank upzudaten („Bologna, die Modemetropole schlechthin – „Bologna is doch gar keine…“ –„DIE MODEMETROPOLE“) oder mich sinnlos zu betrinken wenn mir einfach nicht danach ist („na geeeeeh, du bist nur einmal auf Erasmus”) sondern eher Stimmungen einzufangen und Momente sowie Bilder zu sammeln. Die Zeit, um einfach mal kurz innezuhalten wenn ich in der Früh mit meinem Rad über die Piazza Maggiore rolle, mir die warme Sonne ins Gesicht scheint und der Dom sich mächtig vor mir aufbaut.

Meine Zeit hier zeigt mir schon jetzt wie wertvoll jeder Ort und jeder einzelne Mensch für mich ist und wie dankbar ich sein kann, dass so viele neue Personen in mein Leben getreten sind mit denen ich ein Stück des Weges gemeinsam gehen kann. Denn sie alle testen mich – ich merke endlich, dass meine Begeisterung für so viele Dinge zurückkommt und ich oft einfach nur dastehe und sage „Hej, das macht mich grad echt glücklich!“.

Ja – vielleicht ist Erasmus die Zeit um „sich selbst zu finden“ und sich „selbst anders kennenzulernen“ – aber wahrscheinlich ist es auch die Zeit in der man sich eingestehen kann, dass man sich oft selbst nicht versteht, grinsend auf der Piazza sitzt und nicht weiß wieso (ok vielleicht ist es das Eis in meiner linken Hand, ach ja und der Schlagobers,..vielleicht..) und das alles einfach mal so hinnimmt und sein Erasmus-Ich lieben lernt.

IMG_0120

Bologna – meine Stadt?

Nach den ersten 4 Wochen in Italien wage ich es nun es Wanda gleichzutun und zu sagen : Bologna meine Stadt. Trotz trauriger Abschiede, einer Woche strömenden Regen und meinem Kampf mit dem italienischen Vokabular, war die Zeit seit meiner Ankunft so ziemlich perfekt. In diesem Sinne – fröhliches Lesen meines 4 Wochen Resümees.

Aus Wien bin ich es gewohnt jeden Tag auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein und auch mal viel Zeit mit dem Warten auf diese zu verplempern. Alle Srecken in der österreichen Hauptstadt zu Fuß zurückzulegen dauert schlichtweg zu lange. Bologna hingegen ist eine Studentenstadt mit der perfekten Größe. Hier sagt man auch „Nel centro di Bologna non si perde neanche un bambino“ – was übersetzt so viel heißt wie „Nicht einmal ein Kind verirrt sich in Bologna“ – Und genau so ist es. Ich habe das Glück noch innerhalb der Stadtmauern zu wohnen und mit meinem Rad bin ich innerhalb von knappen 10 Minuten auf der Piazza Maggiore im absoluten Zentrum und in der gleichen Zeit bei den Giardini Margherita, einem wunderschönen Park im Südosten der Stadt. Auch wenn ich mir im Vergleich mit anderen Erasmusstudenten eher selten zu viele Gläser Rotwein reinstelle ist es gut zu immer zu wissen, dass man auf jeden Fall heimkommt und nicht wie in Wien am Gürtel überlegt ein Zelt aufzuschlagen weil man nicht weiß man ob man es in seinem Zustand nach Hause schafft.

 

Biciiiiiii- Ein Rad zu haben ist meiner Meinung nach in Bologna ein absolutes Muss. Ungeduldig wie ich war, habe ich mir bereits am 2. Tag eins von einem mexikanischen Studenten besorgt. And the mexicans paid for it!! Scherzi a parte – Unglaublicherweise musste ich selbst dafür bezahlen und war von dem Zeitpunkt an ausgestattet mit einem gefühlt 50 Jahre altem, immerhin italienischen Rad, mit nur einer funktionierenden Bremse und ohne Licht. Mit viel Motivation gings zu Tigers (in dem Geschäft gibt’s alles, von Keksen, Notizblöcken, Perücken, Fahrradschlössern bis Schüsseln, Lesebrillen oder Schneebesen) wo ich mir ein Schloss zugelegt habe und beim Chinesen meines Vertrauens zwei Lichter, einmal in rot und einmal in weiß. Mit dem Rad in Bologna unterwegs zu sein ist ein absolutes Erlebnis, sowohl positiv als auch negativ. Meine Bilanz bis jetzt: Einmal ziemlich elegant gestürzt und einen Crash mit einem anderen Radfahrer in der Fußgängerzone. Tipp für zukünftige Bologna Erasmusstudenten: Jeden Tag werden in Bologna zahlreiche Räder gestohlen. Deshalb sind zwei Schlösser, eines für den Rahmen und das Vorderrad und eines für das Hinterrad fast Pflicht, wenn man innerhalb von fünf Monaten nicht fünf Räder kaufen möchte. Außerdem rate ich euch davon ab die Räder der gruseligen Typen an der Piazza Verdi zu kaufen. So verlockend es auch sein mag um Mitternacht in der Euphorie des Fortgehens ein Schnäppchenrad um 20 Euro abzustauben ….tut es nicht. Denn diese Räder sind zu 100% gestohlen und werden euch mit hoher Wahrscheinlichkeit von genau jenen Typen die es euch mit Schloss verkauft haben, wieder gestohlen.

Bologna – La Grassa. Bologna heißt nicht umsonst: Die Fette. Essen wird hier großgeschrieben und vegan lebende Menschen haben es hier definitiv nicht leicht. Sogar im Teig der Piadine – eine Spezialität vergleichbar mit Fladenbrot, gefüllt mit allem was das Herz begehrt – vor allem Prosciutto und Käse, Rucola ec. ist tierisches Fett enthalten. Abgesehen davon, ist Bologna berühmt für seine Tortellini in einer klaren Suppe („brodo“) oder Tagliatelle mit ragù. Spaghetti Bolognese sind hingegen eine Erfindung für die Touristen. Besonders kann ich auch „tigelle“ empfehlen. Das sind flache handflächengroße „Teigteile“ die sowohl sauer als auch süß gegessen werden. Mein Favorit: mit Ricotta, Honig und kleinen Schokostücken. Ein Traum. Jetzt, während des Karnevals werden allgemein viele Süßspeisen gegessen wie z.B Krapfenähnliche Gebilde mit Vanillecreme oder Marmelade und viel Staubzucker. Vergangene Woche habe ich in der Via Zamboni auch einen Laden (Dolceria) entdeckt in dem man nur „Dolci“ wie Waffeln, Crepes oder Croissants die mit Creme nach Wunsch gefüllt werden kaufen kann. Nach einem Croissant mit Cioccolata (es gibt aber auch Bueno, Nutella oder Weiße Schoki Creme) hatte ich erstmal einen Zuckerschock und wahrscheinlich gleich ein halbes Kilo mehr auf den Rippen.

Was das Fortgehen anbelangt, hat man hier ein breites Angebot. Es gibt gefühlt unendlich viele Bars, Discos zum Abshaken und Pubs, bzw die Piazza Verdi oder die Piazza Maggiore auf denen sich die Bologneser nur so tummeln wenn die ersten Sonnenstrahlen herauskriechen. Hier trifft man sich, kauft Bier um 2 Euro von ominösen Typen oder nimmt seine eigene Weinflasche mit. Was es daheim in Wien nicht gibt – aber definitiv geben sollte ist der „aperitivo“. Ab circa 8 Uhr bieten die meisten Bars ihren Gästen Zugang zu einem Buffet mit Salaten, Pizza, gegrilltem Gemüse, Käse, Prosciutto etc. wenn man einen Cocktail/ein Glas Wein/Spritzzzzz ec. trinkt. Der Spaß kostet dann zwischen 5 und 10 Euro und man kann sich sooft Essen nachholen wie man möchte. Ich weiß jetzt schon, dass der Großteil meines Stipendiums diesem Konzept zugute kommen wird… oder Sephora, von denen es hier leider auch zu viele gibt. Für Erasmusstudenten gibt es das Angebot sich bei den verschieden Organisationen eine sogennante „tessera“ – also eine Mitgliedskarte um jeweils 10 Euro zu besorgen mit der es dann Vergünstigungen in verschiedenen Clubs gibt oder mit welcher man sich für Tagestrips oder mehrtägige Reisen die von Firmen wie Erasmusland, ESN oder Elbo angeboten werden anmelden kann. Bis jetzt hab ich mir nur jene von Erasmusland besorgt weil diese Organisation jeden Montag italienische Filmscreenings mit italienischen Untertiteln anbietet (ich empfehle Pizza mitzunehmen) und ich z.B übernächstes Wochenende bei dem Trip nach Rimini und San Marino teilnehmen werde.

Weswegen bin ich eigentlich hier – ja genau: Studieren. Im Grunde ist ganz Bologna – UNIVERSITÄT. An jeder Ecke gibt es eine andere Fakultät und gerade jetzt sieht man überall noch nüchterne oder schon wasted italienische Studenten die ihre Laurea, also ihren Studienabschluss feiern. In Bologna gibt es übrigens den Aberglauben, dass man sein Studium nicht beendet wenn man vor dem Uniabschluss den Torre Asinelli erklimmt. Dadurch, dass ich im Juli schon oben war und die wirklich unglaubliche Aussicht genossen habe, behaupte ich jetzt mal, dass dieses Gerücht nur für 1) italienische und 2) an der Uni Bologna inskribierte Stundenten gilt 😉
Ich habe sowohl in der Via Zamboni, der wichtigsten „Unistraße“ wo zum Beispiel die Fakultät für „Lettere“ – Literatur ist, als auch auf der wunderschönen Geschichtefakultät in der Via San Giovanni in Monte Vorlesungen. Die Professoren sind an Erasmusstudenten gewöhnt und antworten geduldig auf jede noch so holprig formulierte Frage. Lezioni dauern in der Regel zwei Stunden, danach bin ich meistens reif fürs Bett weil man sich wirklich konzentrieren muss um dranzubleiben und im besten Falle noch Notizen zu machen. Ich kann allen Erasmus-Neulingen nur raten sich mit italienischen Studenten zusammenzutun. Dadurch, dass ich jeden Tag neue Leute kennenlerne habe ich meine Scheu Fremde anzusprechen recht schnell verloren. Italiener wissen wie es hier an der Uni zugeht und können wertvolle Tipps geben. Zum Beispiel, dass man nicht jedes Buch für die Lehrveranstaltungen kaufen muss sondern auch in copisterie (Druckerein) gehen und nachfragen kann ob sie die pdf. File gespeichert haben und so das Buch, natürlich um einiges billiger drucken können.

Was noch ….

  • Woran ich mich noch gewöhnen muss ist, dass die Italiener einen unglaublich hohen Plastikverbrauch haben. Im Supermarkt wird ohne Nachfragen der Einkauf sofort in Plastiksackerl eingepackt, meine Mitbewohnerinnen trinken trotz vorhandener Espressotassen ihren Kaffee nur aus Plastikbechern und auch beim Aperitivo gibt es immer nur Einweg-Plastikbesteck und –teller.
  • Was mir noch Kopfzerbrechen bereitet hat war die Suche nach Haferflocken. Die Italiener essen zum Frühstück vorwiegend Kekse, diese werden dann in den Espresso mit Milchschaum eingetunkt oder mit Marmelade beschmiert. Ordentliches Müsli oder gutes Gebäck? – Fehlanzeige. Als absolute Frühstücksliebhaberin ist mir das eindeutig zu wenig weshalb ich ab und an einen Lacher ernte wenn ich mal wieder Porridge kochend am Herd stehe oder mir am Sonntag eine Frühstücksplatte mit Obst, Gemüse und Schinken/Käse sowie Marmelade herrichte. „Ist das jetzt deine Jause oder dein Mittagessen?“ war dann die Reaktion meiner italienischen Mitbewohnerin.
  • Als Österreicherin habe ich es in Bologna ganz gut erwischt. Wenn ich mit Deutschen unterwegs bin höre ich immer nur „wie süüüüüüüüß“ ich nicht sprechen würde und werde aufgefordert bestimmte Wörter oder Phrasen wie „SCHiraffe“, „Radl“, „Reperaturseidl“ oder „Das geht sich nicht aus!“, „Das daugt ma!“ zu wiederholen und „Kaiserschmarrn oder Apfelstrudel“ zu kochen. Meinen Mitbewohnerinnen habe ich auch schon Ofenkartoffeln und einen Topfenauflauf mit Beeren gemacht – ich glaub ich darf jetzt bleiben.

Insomma – die ersten Wochen machen definitiv Lust auf mehr und ich kanns kaum erwarten, dass es endlich wärmer wird und ich mir die Sonne auf meinen Käsebauch scheinen lassen kann. Insgesamt versuche ich mich nicht zu viel auf den eingefahrenen Erasmuspfaden zu bewegen sondern mit möglichst vielen Italienern in Kontakt zu kommen um auch mal andere, authentische Ecken der Stadt oder des ganzen Landes zu sehen. Trotzdem ist es schön Menschen aus aller Welt kennenzulernen und zu erfahren wie man in ihren Heimatländern studiert, was ihre Träume für die Zukunft sind und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Niederlande, Dänemark, Norwegen, Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen – die nächste Interrail Reise kann kommen 🙂

Die WearFair 2016 + “Frauenproblemchen”

Zurück von der Wearfair und mehr– satt – pleite und erschöpft… aber auch wieder voll Euphorie und neu gesammelten Wissen. Fazit: Es war eine gute Entscheidung die Reise alleine nach Linz anzutreten und eine halbe Stunde mit Busfahren in die falsche Richtung zu verplempern. Die WearFair und mehr (haha) Messe war mein Ziel an diesem Sonntag – Linz Tabakfabrik. http://www.wearfair.at/

This slideshow requires JavaScript.

 

Geteilt war die Messe in einen Modeteil und einen zweiten in dem es um die Themen Lifestyle und Ernährung ging. Ich habe mich ein paar Stündchen durch die verschiedenen Ausstellungsstände gewühlt, probiert und gekostet. Von Steinpilzpesto, Bio Linzeraugen und dem „natürlichsten Shampoo der Welt“ war alles dabei. Dadurch dass es sich bei der WearFair um ein so genanntes Green Event handelt wird großer Wert auf Mülltrennung und vor allem Müllvermeidung – zero waste – gelegt. Zudem wurde Werbung gemacht so umweltfreundlich wie möglich anzureisen – Wegbeschreibungen für Rad, Bahn und Bus inklusive.

Im Modeteil tummelten sich Marken wie Veja (Schuhe), Anzüglich, Anukoo, Grüne Erde oder MusoKoroni. Es war toll neue Labels kennenzulernen und vor allem auf kompetente Verkäufer zu treffen die sofort erklären konnten woher das Teil das man gerade in der Hand hält kommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Verliebt hab ich mich in eine kimonoartige schwarze Weste mit kleinem integrierten Gürtel von anzüglich (http://www.anzueglich.at/) und in weiße Sneakers von veja mit Klettverschluss – die  es schließlich auch mit zurück nach St. Pölten geschafft haben. (http://www.veja-store.com/en/women/1329-esplar-white.html) Natürlich blieben mir auch die obligatorischen bunten Filzmäntel und Patchworkröcke nicht erspart.

Beeindruckend fand ich vor allem das große Angebot an Mehrweggeschirr wie Jausenboxen, Wasserflaschen, Obstsackerl oder „Weckerleinwickler“ – schlechtes Gewissen beim Griff zum Plastiksackerl an der Kassa oder der Obstabteilung im Supermarkt ist nun wirklich gerechtfertigt. (http://www.beechange.com/ – besonders interessant: die Essen Unterwegs Abteilung)

Zu Mittag gab es vegane Crepes (natürlich auf Mehrweggeschirr, Becher und Besteck) mit einer Füllung aus Karotten, Roter Bete, Kraut und einer Schnittlauchsoße – was echt wirklich wirklich gut war, denn ich war satt und keinesfalls überfressen. (http://www.roadcrepe.at/ )Irgendwie hat sich aber dann 15 Minuten darauf doch ein Linzeraug in meine Hand verirrt und dank gemütlichen Strandsessel und vollem Magen wäre ich beim Vortrag von Christian Felber zum Thema „Die Gemeinwohlökonomie“ beinahe weggedöst.

Aber nun zu einem Thema mit dem ich mich, schon länger mehr oder weniger verhalten beschäftige: Nachhaltigkeit speziell wenn es um Frauen geht – genauergesagt bei der Monatshygiene. Auf der Messe durfte ich , gemeinsam mit ca. 5 anderen Ladies (da sagt man einmal „Monatshygiene“ und schon sind alle Männer weg..) einem Vortrag der Erdbeerwoche lauschen. Die Mädels von dem Start-up aus Wien haben ihr Projekt aus mehreren Gründen ins Leben gerufen: Menstruation – oder die Regel – ist auch heute noch für viele ein Tabuthema. Selbst unter Mädels – auch ich hab schon über Whatsapp die Nachricht „Hast du zufällig ein Ob da?“ verschickt oder erhalten – das ganze laut auszusprechen war mir dann doch zu unangenehm – und das in einer reinen Mädchenklasse! Aber wen wunderts – es geht um den intimsten Teil des eigenen Körpers – um Befindlichkeiten über die man in großer Runde bei einem Stück Kuchen nicht groß plaudern möchte. Aber genau das ist eigentlich das Komische – denn die Regel ist ein wichtiger Teil von uns. Sie „besucht“ uns jeden Monat und das über viele Jahre hinweg – also sollte man sich besser damit arrangieren. Im Laufe des Vortrags wurden verschiedenste nachhaltige Alternativen zur gewöhnlichen Monatshygiene erklärt wie z.B Bio Baumwollbinden aus dünnem Fleece oder Menstruationskappen. Schon viele Male habe ich über diese gelesen und war froh sie mal im „real life“ sehen zu können. Menstruationskappen gibt es bereits seit den 1930er Jahren – durchsetzen haben sie sich bis jetzt nicht wirklich können obwohl sie – im Vergleich zu Tampons – jede Menge Vorteile bieten. Sie sind aus medizinischem Silikon hergestellt und können bis zu 8-12h am Stück verwendet werden. 1 Mal monatlich werden sie „ausgekocht“ also wieder steril gemacht. Während der Monatsblutung selbst spült man sie einfach mit Wasser aus – Feuchttücher und Co sind nicht erlaubt weil sie das Material angreifen könnten.

Ich fühle förmlich wie es den/die ein oder andere/n beim Lesen dieser Zeilen schüttelt – ich kann es wirklich nachvollziehen. Auch Pia Kruckenhauser (Woman Redakteurin) hat über die Überwindung beim anfänglichen Nutzen der Kappe berichtet. „Das ist wie wenn man das erste Mal ein Ob verwendet – da habt ihr euch bestimmt auch nicht gleich wohlgefühlt“ – Und es stimmt – und so ist es doch bei allem Neuen das man ausprobiert und viele Dinge möchte man nach kurzer Zeit nicht mehr missen.

Auf der Website der Erdbeerwoche steht : „(Frauen sollten) die Macht erkennen, die sie als Konsumentinnen von jährlich mehr als 45 Milliarden Hygieneprodukten haben und dass sie dadurch entscheidenden Einfluss auf ihre Gesundheit und auf das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten haben.“ Alleine wenn man die unglaubliche Menge Müll berücksichtigt die man als Frau in der Zeit in der man Kinder bekommen kann produziert ist immens. Bettina Steinbrugger von der Erdbeerwoche sprach während des Vortrages von zwischen 10.000 bis 17.000 Obs bzw Binden die man im Laufe seines Lebens verbraucht, je nachdem wie oft und wie stark man seine Tage hat.
Darüber hinaus habe ich mir noch nie die Frage gestellt aus welchem Material Tampons eigentlich hergestellt werden und inwiefern das meine Gesundheit betreffen könnte. Während des Vortrages hörte ich zum allerersten Mal, dass diese aus gebleichter und gepresster Zellulose umhüllt mit einer Kunststoffschicht bestehen und gewöhnliche Tampons bis zu 500 Jahre brauchen um zu verrotten. Und wieder bin ich überrascht von mir selbst – ich schiebe mir ja auch nicht jedes Lebensmittel einfach in den Mund ohne nachzufragen was da drin ist. (http://www.erdbeerwoche.com/meineprodukte/nachhaltige-tampons.html)

Und wir reden hier wirklich über ein Luxusproblem – in vielen Teilen der Erde z.B in Indien oder im Tibet gibt es Gebiete in denen die Frau während der Zeit der Monatsblutung als „schmutzig“ gilt. Sie darf nicht mit anderen Mitgliedern im gleichen Haus wohnen und hat vor allen Dingen keinen Zugang zu Hygieneartikel die für uns so selbstverständlich sind. Stellt euch vor ihr müsstet irgendwelche Stoffe verwenden die ihr dann nicht mal hygienisch reinigen könnt, was dann in weiterer Folge zur Ausbreitung von Krankheiten & Infektionen führen kann. In solchen Momenten bin ich wieder froh so privilegiert zu sein, dass ich mir um meine Monatshygiene verhältnismäßig wenig Gedanken machen muss. Dennoch bedeutet das nicht, dass ich als Frau die Regel als etwas Schreckliches verdammen und beim Gedanken daran damit in Berührung zu kommen in Angstschweiß ausbrechen muss. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern wie unangenehm es mir war meiner Mutter zu sagen, dass ich zum ersten Mal meine Monatsblutung hatte. Erst jetzt merke ich wie lächerlich all die Ob Werbungen sind in denen eine seltsame gelartige blaue Flüssigkeit von einer Binde/Tampon aufgesogen wird und gutgelaunte Frauen in weißen Sommerkleidern auf Betten hüpfen. Wir sind Verdrängungskünstler – wie auch in vielen anderen Lebensbereichen auch – Ob rein, nach ein paar Stunden wieder raus – im besten Fall auf direktem Weg in die Mülltonne ohne einen Blick darauf werfen zu müssen.

Long story short: Die Regel kommt von uns, produziert vom eigenen Körper – ein völlig natürlicher Vorgang der uns jedes Monat daran erinnert dass der weibliche Körper dazu in der Lage wäre ,in sich, ein anderes menschliches Wesen heranwachsen zu lassen und zu versorgen.

Wenn ich wieder in Wien bin werde ich bestimmt noch einmal bei der Erdbeerwoche vorbeischauen und mich ausführlicher beraten lassen.

 

Hilfreiche Links:

Blog der Erdbeerwoche : https://meineregelmeinplanet.wordpress.com/2016/09/20/zero-waste-menstruation-so-gehts/

 

Zero Waste Vorreiterin Lauren Singer :

http://www.trashisfortossers.com/

 

Video in dem DariaDaria auch über die Menstruationstasse spricht:

6 Wochen oder “I wü nimma”

Ich habs geschafft – 6 Wochen Experiment sind vorbei. Trotzdem, in den letzten 3 Tagen hätte ich beinahe alle meine guten Vorsätze über Bord geworfen. Man muss vielleicht dazusagen, dass ich vor 2 Monaten die Pille abgesetzt habe und ich die volle Wirkung gerade abbekomme – quindi: schlechte Haut, Haare, Nägel … zusätzlich dazu gabs noch bisschen Stress daheim und im Freundeskreis, sodass meine Nerven in letzter Zeit etwas blank liegen. Unter diesen Umständen konnte ich mich bei Gott nicht für eine fancy Mehldusche mit Essigspülung erwärmen. Im Urlaub habe ich es dann auch noch geschafft den mitgebrachten Apfelessig in meinem ganzen Koffer zu verteilen – Waschmaschine im Quartier funktionierte nicht und so war mit einem Schlag meine Urlaubsgarderobe auf gefühlt 2 Teile reduziert. Meine Haare schienen mein psychisches Innenleben nach außen zu kehren. In meiner (leichten) Verzweiflung bin ich dann zum nächsten BIPA geradelt um mir ein Shampoo zu kaufen. Kurzes Lob an mein verzweifeltes- out-of-mind – ICH – immerhin hab ich mir das Volumenshampoo von Bipas Eigenmarke Begood gekauft. (hergestellt in Österreich, zertfizierte Naturkosmetik und Verpackung zu 60% recyclebar). Danach hab ich beschlossen, dass ich ohne Essen im Magen offensichtlich nicht klar denken kann und meine first-world Entscheidung aufs erste verlegt. Long story – short : Nach 5 Minuten stand ich schon wieder in der Küche und rührte mein Roggenmehlshampoo an. Vielleicht half meine leichte Aggressivität , aber dieses Mal funktionierte das Waschen mal wieder einwandfrei. Ich trage sie heute schon den 3. Tag offen und sehe nicht aus als ob ich meinen Kopf in Öl getunkt hätte. Vielleicht ist an dieser ominösen Zeitangabe von 6 Wochen ja doch was dran…

ka%cc%88rnten_haare